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30 Jahre Währungsunion
Druckauftrag für ein Freiheitssymbol
Mit der Währungsunion vom 1. Juli 1990 hatten beide deutsche Staaten noch vor der offiziellen Wiedervereinigung eine gemeinsame Währung. Die meisten neuen D-Mark-Banknoten produzierte eine 1852 in Leipzig gegründete Druckerei im Eiltempo.

Noch vor der politischen Einheit Deutschlands fand am 1. Juli 1990 zwischen West- und Ostdeutschland die Währungsunion statt, maßgeblich befördert vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, Bundesfinanzminister Theodor Waigel und DDR-Finanzminister Walter Romberg.

Die D-Mark wurde damals alleinige Währung für Gesamtdeutschland. Für viele Menschen in der DDR erfüllte sich damit der Wunsch nach einer stabilen Währung. DDR-Bürger konnten ein gewisses DDR-Mark-Vermögen in D-Mark umtauschen, je nach Wert im Verhältnis 1:1 oder 1:2.

Stahlstich-Banknotendruck im während der DDR-Zeit enteigneten Leipziger Stammhaus von Giesecke+Devrient (Archivbild von 1999). Die Münchener Unternehmensgruppe erwarb die Leipziger Druckerei nach der Wende zurück und druckt dort heute alle Aufträge für ausländische Banknoten.

Lange Schlangen vor der Sparkasse am Alex

Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und andere regelmäßige Zahlungen wurden im Kurs 1:1 umgestellt. Der Umtausch löste einen Ansturm auf Geldinstitute aus. Bereits in der Nacht zum 1. Juli warteten etwa am Alexanderplatz in Ost-Berlin mehr als 10.000 Menschen.

Die Vorbereitung der Währungsunion erforderte einen enormen logistischen Aufwand. So mussten für mehr als 16 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus den neuen Bundesländern D-Mark-Noten der Bundesrepublik hergestellt und auf Banken und Ausgabestellen verteilt werden.

Die Münchener Druckerei Giesecke+Devrient zeichnete zusammen mit der Bundesdruckerei maßgeblich für die Produktion dieser Banknoten verantwortlich. Innerhalb von wenigen Monaten druckte und lieferte das Unternehmen das neue Geld. Von G+D kamen die Banknoten in den Wertstufen fünf D-Mark, 20 D-Mark, 100 D-Mark und 1000 D-Mark.

Vietnamesische DDR-Gastarbeiter beim D-Mark-Umtausch in der Sparkasse am Berliner Alexanderplatz.

1852 gegründet, 1948 enteignet, 1991 zurückerworben

Die Bundesbank erteilte damals auch der Wertpapierdruckerei der DDR (WPD) einen Auftrag zum Druck von Fünf-D-Mark-Noten. Die WPD ging aus dem 1852 in Leipzig gegründeten und 1948 enteigneten Unternehmen Giesecke+Devrient hervor.

Das zuletzt als „VEB Wertpapierdruckerei der DDR“ firmierende staatseigene Unternehmen der DDR stellte bis zur Wiedervereinigung neben Sicherheitsdrucken auch Banknoten für die DDR und andere sozialistische Staaten her. 1991 kaufte G+D den Leipziger Betrieb von der Treuhandanstalt zurück. Seitdem gehört die Leipziger Druckerei zum Konzern von Giesecke+Devrient. 

Die D-Mark-Noten für das wiedervereinte Deutschland hat die Bundesbank damals in zwei Schritten ausgegeben. Zur Währungsunion im Juli 1990 wurde zunächst die in der Bundesrepublik bereits bestehende D-Mark-Serie, die sogenannte BBk I, emittiert.

Diese Serie galt bei den DDR-Bürgern als Symbol der Freiheit und des Wohlstands und bildete damit sozusagen die Ikonografie der angestrebten Wiedervereinigung. An der Entwicklung und Herstellung der Serie war G+D bereits seit 1958 beteiligt. 

Bereits Wochen vor der Währungsunion am 1. Juli 1990 standen vor den ostdeutschen Geldinstituten wartende Menschen, hier am Alexanderplatz in Berlin.

Eine Banknoten-Ersatzserie wurde nie ausgegeben

Ab Herbst 1990 gab die Bundesbank dann schrittweise im gesamten Bundesgebiet die neu aufgelegte D-Mark-Serie BBk-III aus. Da alte und neue Bundesländer diese neue Banknotenserie zum gleichen Zeitpunkt erhielten, symbolisiert sie so das Zusammenwachsen der Gesellschaft. Sie wird deshalb später auch als „Einheitsserie“ bezeichnet. Die BBk-II bildete eine Ersatzserie, die letztlich nie ausgegeben wurde.

„Die Währungsunion markiert einen wichtigen Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte“, sagt Astrid Wolff, Leiterin Corporate Heritage bei G+D und Vorstand der Giesecke+Devrient Stiftung.

Das Unternehmen sei damals federführend an der Bereitstellung der erforderlichen Geldmenge beteiligt gewesen – angesichts des kurzen Zeitrahmens eine immense Aufgabe und ein „Beitrag zur Wiedervereinigung“, sagt Wolff. G+D war damals auch an der Produktion des Banknotenpapiers und der Eurocheques beteiligt.

29. Juni 2020