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| Sparkassentag 2019

Banken sollen handeln - nicht die EZB

Das Niedrigzinsumfeld belastet die Kreditwirtschaft und verstärkt die Vermögensungleichheit. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht noch eine weitere Schere aufgehen, die für Sparkassen weitaus relevanter sein wird.

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Die Forschung habe gezeigt, dass "geldpolitische Sondermaßnahmen die Vermögensungleichheit kurzfristig über höhere Vermögenspreise verstärkt haben", sagte Weidmann auf dem Deutschen Sparkassentag in Hamburg. Dennoch relativierte der Bundesbank-Präsident diese Einschätzung gleich wieder. Denn die geldpolitischen Sondermaßnahmen hätten zu einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum geführt, dass wiederum allen Haushalten höhere Sparanstrengungen ermöglicht habe.

Dennoch ist klar, dass gerade die unteren Einkommensschichten vom kräftigen Anstieg der Aktien- und Immobilienpreise im Zuge der EZB-Wertpapierkäufe und Niedrigstzinsen nicht profitiert haben. Das kurzfristige Sparen im Bereich der Sichteinlagen herrscht bei diesen Kunden vor und profitiert nicht von den EZB-Maßnahmen, sondern muss sich laut Zahlen der Bundesbank überwiegend mit einer Nullverzinsung begnügen.

 
Die Banken seien selbst in der Pflicht, ihre Profitabilität zu verbessern, forderte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. © Himsel / Walucha

Weidmann verweist vor den versammelten Sparkassenvorständen aber lieber auf andere Zahlen. Der Anteil der Haushalte, die regelmäßig sparen, habe sich von 2014 bis 2017 um vier Prozentpunkte erhöht. Grund dafür könnte aber zum einen die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt und zum anderen die Sorge vor Altersarmut sein, fügt der Bundesbank-Präsident hinzu.

Die Auswirkungen der Zinspolitik auf die Geschäftsbanken sieht Weidmann kritisch. Der Anstieg der Immobilienpreise habe bei Banken und Sparkassen zwar nicht zu gelockerten Kreditstandards geführt. Doch würden sich "gerade kleinere und mittelgroße Banken hohen Zinsänderungsrisiken gegenübersehen, so der Bundesbank-Chef. Auf Seiten der Banken und Sparkassen ginge damit die "Schere in der Zinsbindung zwischen kurzfristig fälligen Einlagen und langfristigen Krediten weiter auseinander".

Von daher sei sowohl ein längeres Andauern der Niedrigzinsphase eine Belastung, aber ein schneller Zinsanstieg könnte sogar ein größeres Risiko sein. Der rückläufige Zinsüberschuss der Banken, 2017 waren es sieben Prozent weniger als im Vorjahr, führe zu einer geringeren Profitabilität der Institute. Dies wiederum könne sich "zu einem Problem für die Finanzstabilität entwickeln", so Weidmann.

Die Gelder, die Sparkassen und Banken im Zuge der Euro-Verzinsung zahen müssten, spiele "nur eine untergeordnete Rolle", so Weidmann. Gemessen am Zinsüberschuss der Kreditinstitute seien "diese Zahlungen klein". Obwohl sich Weidmann für eine geldpolitische Normalisierung aussprach, verwies er auf die Geschäftsbanken. "Wenn es um die Steigerung ihrer Profitabilität geht, bleiben die Institute vor allem selbst gefordert", so der Bundesbank-Präsident.

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