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| Basel III / aktualisiert

Bundesbank verteidigt Kapitalregeln

Die Bundesbank hält Kritik deutscher Geldhäuser an den schärferen Kapitalvorschriften (Basel III) für unberechtigt. Die Bankenbranche weist dies umgehend zurück.

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„Warnungen, die Kreditversorgung sei durch Basel III gefährdet, sind unbegründet“, sagte Wuermeling. „Solche Warnungen gibt es bei Regulierungsreformen regelmäßig; bewahrheitet haben sie sich nie.“ Die Europäische Bankenbehörde EBA hatte zuvor ihre Empfehlung für die Umsetzung der Reform in der EU veröffentlicht. Danach werden für die Banken die Mindestkapitalanforderungen im Schnitt um 24,4 Prozent steigen. Dafür müssten die Geldhäuser zusätzliche 135 Milliarden Euro bereitstellen.

 
Macht deutschen Banken wenig Hoffnung: Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. © dpa

Die deutschen Institute hoffen darauf, dass die Anforderungen noch abgemildert werden. Wuermeling machte ihnen aber wenig Hoffnung. „Veränderungen im individuellen Kapitalbedarf sind kein ärgerlicher Nebeneffekt der Reform, sondern gewünscht“, erklärte der für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand.

Deutscher Bankensektor „nicht überfordert“

Die Reform müsse spürbar sein, damit sie wirke. „Der deutsche Bankensektor wird durch die neuen Anforderungen nicht überfordert.“ Die streng an Basel III orientierte Umsetzung sei nun entscheidend. Das Vorhaben sei ein Meilenstein für Finanzstabilität und faire Wettbewerbsbedingungen weltweit. „Aber es wirkt nur dann, wenn es global einheitlich umgesetzt wird.“

Die globalen Bankenregulierer hatten sich Ende 2017 auf neue, weltweite Kapitalvorschriften für Banken geeinigt. Sie sollen durch die schärferen Vorgaben krisensicherer werden. Experten und Regulierer beraten gegenwärtig, wie die neuen Regeln in der EU genau umgesetzt werden sollen.

Deutsche Banken reagieren mit Kritik

Bei der Bankenbranche regte sich Kritik. "Es ist überraschend, dass die deutlich höheren Kapitalanforderungen als gewünschter Nebeneffekt verharmlost werden", sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, der in diesem Jahr als Federführer für die Deutsche Kreditwirtschaft spricht.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und die europäischen Finanzminister hätten stets betont, dass mit den neuen Regeln keine Steigerung der Kapitalanforderungen einhergehe. "Diese Maßgabe wird klar verfehlt." In Wirklichkeit dürfte der Kapitalbedarf deutlich über den von der EBA erwarteten 135 Milliarden Euro liegen. "Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in Europa."

Ossig befürchtet, dass die Umsetzung der Reformen die Rentabilität der Banken drücken wird. In einem durch scharfen Wettbewerb gekennzeichneten Umfeld würden sie die Finanzstabilität nicht zwingend fördern. "Die Belastungen der Banken sind durch zahlreiche Regulierungsmaßnahmen zuletzt bereits erheblich gestiegen", kritisierte er.

Laut der EBA-Analyse trifft die Reform vor allem die international tätigen Großbanken. Von den 135 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital müssten sie 134 Milliarden aufbringen. Bei den mittelgroßen Geldhäusern sind es 0,9 Milliarden Euro, bei kleinen Banken 0,1 Milliarden Euro. Die EBA stützte sich bei ihrer Analyse auf Daten von 189 Instituten. (rtr)