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Coronakrise / Chefvolkswirte
Ökonomen sehen Nachbesserungsbedarf
Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe haben die Maßnahmen der Bundesregierung begrüßt, fordern aber auch, an einigen Stellen nachzubessern.

In ihrem jüngsten Standpunkt begrüßen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe die Maßnahmen, die die Bundesregierung am 13. März angekündigt hat, als „wichtige Voraussetzung, um die Unternehmen in dieser Zeit wirkungsvoll zu unterstützen“. Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), blickt darüber hinaus: „Wir sind überzeugt, dass es zusätzliche sektorspezifische Lösungen brauchen wird, um Unternehmen in der Zeit des Shut-down aufzufangen.“

Schließung der Börsen prüfen

Burkert forderte zudem, dass „Erleichterungen für Banken“ folgen müssen. „Zudem sind Schließungen von Börsen zu prüfen“, so der Ökonom. Damit die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen möglichst begrenzt werden, sei es aus Sicht der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe notwendig, dass das Maßnahmenpaket der Bundesregierung schnellstmöglich umgesetzt werde.

Bei Haftungsfreistellungen sollte die KfW die Risikoprüfungen der Hausbanken übernehmen. Ferner sollte die KfW als Sofortmaßnahme Tilgungsaussetzungen für die nächsten Raten auf Antrag der Hausbank gewähren. Ferner könnten bei der Gefahr der Insolvenz die Kredite auch in einen Zuschuss umgewandelt werden. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, können auch zielgerichtete, strikt begrenzte staatliche Zuschüsse ins Auge gefasst werden.

Deutschland sieht sich 2020 zunächst stark rezessiven Tendenzen gegenüber, prognostizieren die Ökonomen. Weitere Abwärtsspiralen müssen so gut es geht durchbrochen werden. Das Frühjahr 2020 muss daher wirtschaftspolitisch zunächst einmal genutzt werden, einen tiefen Konjunktureinbruch abzufedern. Dabei müssen zugleich die Grundlagen für einen möglichen Aufschwung gelegt werden.

Die Fiskalpolitiken müssen jetzt ihr „What ever it takes“ liefern, heißt es im Standpunkt. Dann werden auch die Weichen für eine Begrenzung negativer Zweitrundeneffekte gestellt. Deutschland und Europa haben hier erste wichtige Aktivitäten entfaltet. Es geht jetzt aber darum, noch stärker Bürger und Unternehmen sowie Banken und Sparkassen mit Maßnahmen zu unterstützen, die diese dramatische Krisenphase überwinden helfen.

„Lokal verankerte Institutionen haben in Krisenzeiten eine wichtige Stabilisierungsfunktion. Dies gilt insbesondere auch für lokal verankerte Banken und Sparkassen, die mit ihrer Infrastruktur, Kontaktpflege und kontinuierlichen Kreditvergabe den kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Liquiditätsengpässe zu überwinden, die Gegenwart zu stabilisieren und in die Zukunft zu investieren“, so Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Damit dies gelingt, sollte regulatorisch und makroprudentiell alles getan werden, damit die Liquiditäts- und Kreditversorgung stabilisiert werden kann.

18. März 2020