Zurück
Coronakrise / DSGV
„Wir haben eine neue Lage“
Die Coronakrise „verändert alle bisherigen Prioritäten“, sagt DSGV-Präsident Helmut Schleweis. Für Sparkassen stünden vor allem zwei Punkte im Fokus.

Die Sparkassen-Finanzgruppe habe Geschäftsverbindungen zu rund zwei Dritteln der deutschen Unternehmen, konstatierte DSGV-Präsident Helmut Schleweis auf der Bilanzpressekonferenz des Verbands. Darunter seien sehr viele Unternehmen, die durch den faktischen Stillstand des öffentlichen Lebens „sehr rasch an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit kommen werden“.

„Die wichtigste Aufgabe von Sparkassen und Landesbanken ist es, diesen Unternehmen und Freiberuflern durch dieses tiefe Tal zu helfen und sie vor einem wirtschaftlichen Absturz zu bewahren“, sagte Schleweis. Das von der Bundesregierung aufgelegte Programm für Liquiditäts- und Kredithilfen sei dafür eine gute und notwendige Grundlage.

Es gehe darum, auch solchen Unternehmen und Einzelpersonen Unterstützung zu geben, die unter normalen Umständen keinen Zugang zu Krediten bekommen könnten. Dies können nur Sparkassen und Genossenschaftsbanken flächendeckend in Deutschland umsetzen.

Programm von KfW und Kreditwirtschaft

Die Deutsche Kreditwirtschaft habe die notwendigen Modalitäten mit der staatlichen KfW-Bank und in sehr enger Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium vereinbart, verwies der Sparkassenpräsident auf das aktuelle Programm für diese Hilfen. „Ab Montag sind für die Kunden nun Anträge auf den üblichen Antragswegen möglich“, so Schleweis. Die KfW habe zugesagt, am Freitag die entsprechenden Detailinformationen zu geben.

Einige Eckpunkte, die den Sparkassen wichtig waren und die auch so vereinbart wurden, stellte Schleweis vor:

  • Ziel der Programme sei die sofortige Unterstützung der betroffenen Unternehmen. Dabei soll – dort, wo nötig – auch mit Tilgungsaussetzungen gearbeitet werden, und zwar nach Möglichkeit schon ab dem nächsten Fälligkeitstermin am 31. März 2020.
  • Für viele Unternehmen muss es jetzt schnell gehen. Und es ist Sparkassen möglich, Unternehmen sehr schnell Kredite zur Liquiditätsüberbrückung einzuräumen. Das erfordert aber eine Haftungsfreistellung. Die deutschen Sparkassen werden die KfW entlasten, indem sie eine Risikoprüfung durchführen, auf die sich die KfW stützen kann. Das wird den Prozess gegenüber sonst üblichen Programmen deutlich beschleunigen und ist in der aktuellen Situation sehr hilfreich.

Die KfW habe ihre bestehenden Programme für Liquiditätshilfen ausgeweitet, um den Zugang der Unternehmen zu günstigen Krediten zu erleichtern, darunter den KfW-Unternehmerkredit für Bestandsunternehmen, den ERP-Gründerkredit-Universell sowie den KfW-Kredit für Wachstum für größere Unternehmen, so Schleweis. Die Kredite aus dieser ersten Phase des Hilfspakets könnten die Unternehmen über ihre Hausbanken beantragen.

  • Für kleine und mittlere sowie für große Unternehmen führt die KfW ein neues KfW-Sonderprogramm mit erhöhter Risikotoleranz ein. Dieses soll von Unternehmen in Anspruch genommen werden können, die durch die Coronakrise in größere Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind.
  • Überdies wird die KfW für größere Unternehmen Direktbeteiligungen im Rahmen von Konsortialfinanzierungen anbieten.
  • „Wir sind darüber hinaus mit dem Bundesministerium der Finanzen im Gespräch, dass speziell für Freiberufler, Künstler und Selbstständige ein Programm benötigt wird, das schnell wirkt und unbürokratisch umgesetzt werden kann“, sagt Schleweis. „Dafür arbeiten wir zurzeit auch an einem schnellen und unkomplizierten Bearbeitungsprozess.“

All das erfordere auch von den Mitarbeitern der Sparkassen und ihrer Verbundunternehmen einen hohen persönlichen Einsatz und unternehmerisches Handeln jenseits gewohnter Verfahren, stellt Schlweis klar. Manches unterliege im Moment den allgemeinen Einschränkungen.

„Wir arbeiten mit allen verfügbaren Kapazitäten. Wir stehen gemeinsam bereit, den betroffenen Unternehmen sehr schnell Hilfen anzubieten und damit eine breite wirtschaftliche Talfahrt zu verhindern“, so der DSGV-Präsident. „Ich sage zu: Die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe wird ihre öffentliche Aufgabe umfassend wahrnehmen.“

Erhalt von Finanz- und Zahlungsinfrastruktur

„Über unsere Netze laufen rund 50 Prozent des deutschen Zahlungsverkehrs“, sagt Schleweis. Rund 40 Prozent aller in der deutschen Finanzwirtschaft Beschäftigten arbeiten in der Sparkassen-Finanzgruppe und die Gruppe betreibe rund ein Drittel aller deutschen Bankfilialen. „Wir wissen um unsere Verantwortung für die Sicherung dieser Infrastruktur in den nächsten Wochen“, so Schleweis.

Die Bargeldversorgung werde uneingeschränkt sichergestellt. „Sollte einmal ein Geldautomat in Deutschland nicht arbeiten, dann ist das ein Defekt und kein Krisensymptom“, betont Schleweis. „Wir empfehlen aber kontaktlose Zahlungen mit Karte oder Smartphone.“

An einer ganzen Reihe von Standorten müssten aktuell Geschäftsstellen geschlossen werden. Gründe dafür seien zuweilen gesundheitliche Prävention, Auftreten von einzelnen Erkrankungen, Absprachen mit Gesundheitsbehörden – in den meisten Fällen aber die ganz praktische Frage der Kinderbetreuung, erklärt der DSGV-Präsident.

Hier finden Sie weitere Artikel zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise 

19. März 2020