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| Sparkassentag 2019

Der Mensch vieler Eigenschaften

300.000 Mitarbeiter zwischen Kassendienst und Agilität: Eine Diskussionsrunde bemühte sich um eine Prognose für das Berufsbild von morgen.

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Sparkassen müssen mit zunehmend begrenzten Ressourcen immer mehr umsetzen – die Zahl der Vorgaben, Projekte und Innovationen wächst. Alles soll deshalb schneller und effizienter gehen. Gleichzeitig ändern sich Aufgaben mit den technologischen Entwicklungen. Darauf müssen die Häuser ihre Mitarbeiter vorbereiten: Eine stetige Weiterbildung und neue Flexibilisierung der Belegschaften werden immer wichtiger. Florian Holstein vom Innovationstudio IXDS (im Bild von links), Prof. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe und ehemalige Leiterin der Management-Akademie, Andreas Leininger, Personalratsvorsitzender der Sparkasse Rhein-Haardt und Präsidiumsmitglied der Verdi-Bundesfachgruppe Sparkassen und Bundesbank, und Claus-Peter Praeg vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation teilten sich ein Podium, nicht aber alle Positionen.

Was brauchen Mitarbeiter, um auch in Zukunft erfolgreich und mit Freude für die Sparkassen-Finanzgruppe arbeiten zu können? Offenheit für neue Technologien und Entwicklungen, sagt Wissenschaftler Praeg. Die Möglichkeit, an neuen Geschäftsmodellen mitarbeiten und von rigiden Guidelines auch mal abkommen zu können, sagt Designstratege Holstein. Eine gute Bezahlung, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine Identifikation mit ihrem Arbeitgeber, sagt Personalrat Leininger. Und Buchholz zitiert DSGV-Präsident Schleweis: Sie müssen Menschenfreunde sein und regionale Wurzeln haben. Das alles widerspricht sich nicht, zeigt aber die große Bandbreite der geforderten Eigenschaften.

Vom Bankbetriebswirt zum Data Scientist?

Klar ist seit langem, dass die überholte Ausbildungsordnung zum Bankkaufmann modernisiert werden muss. Berufsschulinhalte und Abschlussprüfung basieren noch immer auf Vorgaben aus den Neunziger Jahren. Jetzt wird das Berufsbild, mit maßgeblicher Beteiligung der Sparkassen-Finanzgruppe, neu aufgestellt. Im Sommer 2020 soll eine neue Ausbildungsordnung in Kraft treten (wir berichteten). Ein erster Schritt ist also getan. Doch müssen die internen Bildungswege den allgemeinen Bankbetriebswirt in Zukunft nicht auch zum spezialisierten Data Scientist, Maschinenlehrer oder Simplicity-Experten führen?

Das kommt auch darauf an, wie sich das Geschäftsmodell verändert. Noch ist das Girokonto dumm, konstatiert Innovationsexperte Holstein. Es listet zwar allmonatlich meine Zahlung an den Telefonanbieter, sagt mir aber nicht, dass es einen weitaus billigeren Wettbewerber gibt, obwohl es durch eine solche Empfehlung eine Maklergebühr von diesem Wettbewerber generieren könnte. Daten, darauf kann sich die Diskussionsrunde verständigen, sind ein großes Geschäftsfeld, das sich erschließen lässt. Und dafür braucht es Experten, die nah am Computer arbeiten, und Experten, die nah am Menschen arbeiten - und dem Kunden erklären, was mit seinen Daten gemacht wird und dass er über deren Nutzung entscheiden kann. Die Sparkassen-Finanzgruppe steht für die Sicherheit von Geld und Daten, betonen die Sparkässler Buchholz und Leininger. Und dafür müsse auch der Mitarbeiter von morgen stehen.

Beim Entwickeln neuer Geschäftsfelder könne man sich von Start-ups viel abkucken, sagt Arbeitswissenschaftler Praeg: Freiräume für neue Idee schaffen, Dinge ausprobieren, den Kunden früh einbeziehen, aus Fehlentwicklungen lernen. Ist das kleinteilige "agile Arbeiten" überhaupt etwas für einen der größten Arbeitgeber Deutschlands, fragt die Moderatorin. Selbstverständlich, antwortet Regionalpräsidentin Buchholz. Hier helfe die dezentrale Struktur. Jedes Haus probiere Ideen aus. Und was erfolgreich ist, kann von anderen übernommen werden.