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| Konjunktur

Deutschland schrammt an Rezession vorbei

Das Wachstum in Deutschland kühlt sich merklich ab, eine Rezession konnte im zweiten Halbjahr nur knapp abgewendet werden.

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Das Bruttoinlandprodukt (BIP) Deutschlands erreichte im vierten Quartal letzten Jahres nur "ein kleines Plus", teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Zwei Minusquartale infolge werden von Volkswirten als Rezession gewertet, im Sommer hatte das BIP bereits ein Minus von 0,2 Prozent verbucht. Für das Gesamtjahr steht erstmals seit Jahren keine zwei mehr vor dem Komma, das Wachstum lag 2018 bei 1,5 Prozent. "Selbst unter Berücksichtigung der belastenden Sonderfaktoren lautet die Schlussfolgerung: Die Konjunktur hat einen Gang zurückgeschaltet", resümiert die Dekabank zu den Konjunkturdaten.

 
Nicht zugelassene Volkswagen stehen auf einem Parkplatz des noch nicht eröffneten Flughafens BER in Berlin. Die Produktion im laufenden Jahr könnte angesichts der vollen Lager geringer ausfallen. © dpa

Gleich zum Jahresauftakt bremste eine Kälte- und Grippewelle in Verbindung mit ungewöhnlich langen Streikperioden, erklärte Carsten Wesselmann, Chefvolkswirt der Kreissparkasse Köln. Die deutsche Automobilindustrie habe mit Problemen bei der Umstellung auf neue Abgasstandards zu kämpfen gehabt. Zudem belastete die langanhaltende Hitzeperiode "und die damit einhergehenden niedrigen Pegelstände großer Wasserstraßen erwiesen sich als zusätzlicher Bremsklotz", so Wesselmann. Nehme man die zahlreiche wirtschafts- und geopolitischen Unsicherheitsfaktoren dazu, sei das Wachstum "gar nicht mal so schlecht".

"Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ihren konjunkturellen Höhepunkt überschritten hat und mittlerweile in eine Abkühlungsphase vorgedrungen ist", sagt Wesselmann. Eine Rezession erwartet er jedoch nicht. Die Deka sieht vor allem die Schwäche beim Export als Belastung, die Wachstumszahlen aus 2017 hatten sich im vergangenen Jahr von 4,6 auf 2,4 Prozent nahezu halbiert.

Für 2019 seien das Wachstum bei Anlage-, Bau- und Ausrüstungsinvestitionen erfreulich. Eine "Hypothek" könne dagegen das Wachsen der Lagerinvestitionen seien. "Wegen der fehlenden Typenzulassungen konnten zahlreiche produzierte Fahrzeuge nicht verkauft werden und wurden zwischengeparkt – beispielsweise auf dem im Bau befindlichen Berliner Flughafen", so die Dekabank. "Bevor die Fahrzeugproduktion wieder merklich hochgefahren wird, werden wohl erst diese Lager geräumt werden."