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Digitales Zentralbankgeld
Warnung vor überstürzter Einführung
Die Ausgestaltung einer digitalen Währung dürfe die Unabhängigkeit der Zentralbanken nicht verletzen, warnen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe.

„Die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung könnte technologische Vorteile haben“, sagt Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB. Allerdings brauche es auch in Zukunft ein zweistufiges Bankensystem mit einer unabhängigen Zentralbank und einem innovativen kundenorientierten Bankensektor.

„Unabhängig“ auch in Hinsicht auf die Technik

Zentralbanken können ihre Ziele dann am besten erreichen, wenn sie unabhängig sind, bekräftigen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe in ihrem neuesten „Standpunkt“-Positionspapier. Neben der politischen und finanziellen Unabhängigkeit gelte dies auch für eine technische Unabhängigkeit. Sie dürfe durch die Ausgestaltung einer digitalen Währung nicht verletzt werden.

Vergabe von Krediten muss weiter problemlos möglich sein

Ein „digitales Zentralbankgeld“ (Central Bank Digital Currency, CBDC) wäre zumindest partiell Substitut zu Giralgeld. „Die Schaffung von digitalem Zentralbankgeld darf die Intermediationsfunktion des Bankensystems aber nicht gefährden“, betont Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim DSGV. Dies gelte ebenso für die Förderung unternehmerischer Kreativität unter anderem über die Vergabe von Krediten.

Die Europäische Zentralbank untersucht derzeit wie viele anderen Notenbanken in der Welt auch, welche Chancen und Risiken mit digitalem Zentralbankgeld verbunden sind. Die EU will indes Vorhaben, die das bisherige Geschäftsmodell von Banken gefährden können, zunächst nicht zulassen.

Finanzaufseher dringen zur Eile

Aufgeschreckt durch Umwälzungen im Zahlungsverkehr wie Libra und ähnliche Cyber-Währungen dringen die Finanzaufseher weltweit zur Eile. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) sehe, mit welcher Geschwindigkeit solche Innovationen vorangetrieben würden, schrieb FSB-Chef Randal Quarles in einem am Mittwoch (19. Februar) veröffentlichten Brief an die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20).

Wo sind Chancen, wo sind Risiken? Entwicklungen im Zahlungsverkehr wie Libra und ähnliche Cyber-Währungen beschäftigen derzeit die Finanzaufseher.

„Wir sind entschlossen, die Entwicklung der notwendigen regulatorischen und aufsichtlichen Antworten auf diese neuen Instrumente zu beschleunigen“, kündigte er an. Eine Arbeitsgruppe lote momentan aus, wie mit Risiken und Chancen solcher Cyber-Währungen umzugehen sei. Zu möglichen Antworten der Regulierer solle es im April öffentliche Konsultationen geben.

Der FSB überwacht im Auftrag der G-20-Staaten die Risiken für das weltweite Finanzsystem. Die G-20-Finanzminister und -Notenbankchefs treffen sich an diesem Wochenende in Riad in Saudi-Arabien.

Digitalwährungen wichtiges Thema beim G-20-Treffen

Dort dürften neue Digitalwährungen wie das geplante Facebook-Geld Libra ein wichtiges Thema werden. Das soziale Netzwerk mit seinen 2,5 Milliarden Nutzern hatte Regierungen und Notenbanken mit Plänen für eine eigene Digitalwährung weltweit aufgeschreckt. Experten gehen davon aus, dass mit solchen „Stablecoins“ genannten Kryptodevisen grenzüberschreitende Zahlungen deutlich schneller und günstiger werden.

Im Gegensatz zu Digital-Währungen wie Bitcoin richten sich solche Cyber-Devisen an Basiswerten wie etwa einem Korb von Währungen oder Gold aus und sind damit weniger schwankungsanfällig. (DSZ, rtr)

19. Februar 2020