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| Essay

Ein Plädoyer für Institutionen-Vielfalt im Bankensektor

Dezentrale Finanzinstitute sind in vieler Hinsicht eine Bereicherung für das Bankensystem – nicht nur in Deutschland. Das verdeutlicht der frühere IWF-Manager Axel Bertuch-Samuels in seinem Essay.

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Auch im Zeitalter von E-Commerce und Fintechs sollte man die Rolle effektiver lokaler Bankstrukturen als Teil einer diversifizierten kompetitiven und damit tragfähigeren Institutionenlandschaft im Finanzsektor nicht unterschätzen. Der Beitrag solcher Strukturen zu finanzieller Inklusion, nachhaltigem Wachstum und Finanzstabilität wird nicht nur durch entsprechende empirische Analysen belegt. Diese reichen von Studien über die Förderung inklusiver Finanzstrukturen in Entwicklungsländern bis hin zu vergleichenden Analysen der Geschäftsergebnisse unterschiedlicher Bankengruppen in der globalen Finanzkrise.

Auch wenn man die mehr als 200-jährige Geschichte der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken einmal genauer unter die Lupe nimmt, kommt man zu dem Ergebnis, dass Finanzinstitute mit einem Geschäftsmodell, das die Pflege langfristig angelegter und auf Vertrauen beruhenden Kundenbeziehungen zu breiten Bevölkerungsschichten und zu mittelständischen Unternehmen vor Ort in den Mittelpunkt stellt, eindeutig einen positiven Einfluss auf Wirtschaftsentwicklung und Stabilität ausüben.

Die maßgeblichen Erfolgsfaktoren dieses Geschäftsmodells umfassen unter anderem: Die Konzentration ihrer Aktivitäten auf eine geografisch begrenzte Region bei gleichzeitiger Zusammenarbeit in einem Netzwerk autonomer Institute (Verbund); die Förderung des Sparens und eine Fokussierung auf das Einlagengeschäft; und last but not least, ein Mandat, sich für das wirtschaftliche und soziale Wohl der Region einzusetzen, und zwar auf der Basis von nachhaltiger Ertragskraft und finanzieller Solidität anstatt enger Ausrichtung auf kurzfristige Profitmaximierung.

Ähnliche Erfolgsfaktoren finden sich auch in einer Reihe von Entwicklungsländern im Zusammenhang mit dem Aufbau eines heimischen Finanzinstitutionengefüges und damit einhergehenden dezidierten Anstrengungen zur Förderung von Mikrofinanzinstituten und lokal verankerten Banken, deren Angebot an Finanzdienstleistungen nicht zuletzt auf die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerungsschichten ausgerichtet ist.

Die Bedeutung von finanzieller Inklusion und Bankenstruktur

Die Notwendigkeit der Förderung der finanziellen Inklusion beziehungsweise des Zugangs zu Finanzdienstleistungen ist unlängst durch die Agenda 2030 der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung sowie mit der 2015 in Addis Abeba verabschiedeten Agenda zur nachhaltigen Entwicklungsfinanzierung verstärkt in den Vordergrund gerückt worden. Betont wird dabei insbesondere zweierlei:

(1) Die Fähigkeit nationaler Finanzsektoren, breiten Schichten der Bevölkerung verbesserten Zugang zu Bank- und anderen Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und langfristig vorzuhalten; und

(2) die Bedeutung von Unternehmensgründungen sowie von kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung.

Diese Priorisierung ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil aktuelle Projekt-Fallstudien zu dem einhelligen Ergebnis kommen, dass die Umsetzung von mehrjährigen Programmen zur Förderung der finanziellen Inklusion, unter anderem durch Auf- und Ausbau von Mikrofinanzsystemen und lokalen Bank-Strukturen in Entwicklungsländern, klar positive Auswirkungen auf wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung haben.

 
Sparerziehung mit „Sparameise“ im Kongo: Die Bedeutung des Sparens wurde zeitweise unterschätzt. © Stiftung

Zwar konnte die Mikrofinanz nicht allen (manchmal auch überzogenen) Erwartungen gerecht werden. Und die Entwicklungspartner haben auch zeitweise Fehler gemacht, insbesondere die Unterschätzung der Bedeutung des Sparens auf der einen und die Überbetonung der Kreditförderung auf der anderen Seite. So wurde zum Beispiel anfangs ignoriert, dass auch arme Bevölkerungsschichten sparen können und dass Sparen wichtige Anreize für sorgsameren Umgang mit Kredit schafft.

Gleichwohl, alle Untersuchungen, auch jene, die nicht nur Fortschritte, sondern auch Rückschläge in der Entwicklung des Mikrofinanzsektors beleuchten, stimmen in wesentlichen Elementen überein, nämlich: Arme Bevölkerungsschichten profitieren in der Tat vom Zugang zu elementaren Finanzdienstleistungen wie Zahlungsverkehr und Konten für Kleinsparer.

So trägt eine breiter angelegte inklusivere Sparförderung dazu bei, Menschen mit geringfügigem Einkommen eine Rücklage für unvorhergesehene Ereignisse zu bilden. Darüber hinaus schafft die Ansammlung lokaler Ersparnisse über dezentralisierte Formen des Bankings eine größere und stabilere Basis für die Bereitstellung von Mikrokrediten und die Finanzierung von Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Gewerbe vor Ort.

IWF: Finanzielle Inklusion bringt Wachstum und Stabilität

Nicht zuletzt die von Weltbank und IWF weltweit durchgeführten Umfragen sowie ihre regelmäßig veröffentlichten Datensammlungen enthalten umfassende statistische Belege, dass sich in Entwicklungsländern in den letzten Jahren der Zugang ärmerer Haushalte zu Finanzdienstleistungen verbessert hat und dass auch diese Bevölkerungsgruppe spart (siehe zum Beispiel: „The Global Findex Database 2017: Measuring Financial Inclusion and the Fintech Revolution”. World Bank. Washington, DC; und „Financial Access Survey (FAS) Trends”. IMF, Washington, DC, 2017).

Überdies hat der IWF durch Analysen neu verfügbarer Makro-Daten unlängst nachgewiesen, dass finanzielle Inklusion in der Tat auch positive makroökonomische Effekte im Hinblick auf Wirtschaftswachstum und Finanzstabilität mit sich bringt.

Gleichwohl muss eingeräumt werden, dass immer noch viele Menschen in den ärmeren Entwicklungsländern eher auf informelle Art sparen, zum Beispiel in dörflichen Sparclubs, oder indem sie ihr angesammeltes Bargeld zum Kauf von Gold- und Silberschmuck verwenden oder das Geld zu Hause verstecken („Matratzengeld“). Nur 31 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern, die ein Bankkonto haben, gaben in Umfragen an, in den vergangenen zwölf Monaten bei einer Bank oder Finanzinstitution auf einem Sparkonto gespart zu haben.

Solch informelles Sparen schafft zwar auch ein kleines finanzielles Polster für schlechte Zeiten. Diese Spargelder sind jedoch weniger makro-relevant, weil sie dem Intermediationsprozess nicht unmittelbar zugute kommen. Dies ist denn auch umso mehr ein Grund, sich um den Auf- und Ausbau effektiver lokale Bankstrukturen zu kümmern.

Neben der offensichtlichen Relevanz für die Entwicklungszusammenarbeit und die Stärkung der Finanzsektoren in Entwicklungsländern legen Untersuchungen dieser Art auch wichtige Schlussfolgerungen für Finanzmarkt- und Bankenpolitik in den hochentwickelten Volkswirtschaften nahe. Allerdings vielfach mit umgekehrtem Vorzeichen, zum Beispiel wenn es um die Frage geht, inwiefern Konsolidierung und Konzentration im Finanzsektor unterm Strich mehr Nutzen oder Schaden für Wirtschaftsentwicklung und Stabilität mit sich bringen.

Deutschlands Bankensystem rangiert auf Top-Positionen

So finden sich zum Beispiel im Entwicklungsfinanzierungsbericht 2014 der Weltbank zwei Schlussfolgerungen, die verdienen, besonders hervorgehoben zu werden:

Erstens: In Entwicklungsländern mit niedrigem Einkommen, in denen ein hoher Anteil an Spar- und Kreditgenossenschaften und Mikrofinanzinstituten besteht, ist ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen feststellbar. „Small is beautiful“ lässt sich daraus aber nicht per se verallgemeinern. Offensichtlich ist es weniger die Größe eines Finanzinstituts, die ausschlaggebend dafür ist, ob es verbesserten Zugang für alle sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite der Bilanz auf Dauer kommerziell erfolgreich vorhalten kann. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, spezielles Know-how und geeignete Finanzierungstechniken und Instrumente zu entwickeln und vorzuhalten, beziehungsweise die Verfolgung eines auf langfristig stabile Kundenbeziehungen angelegten Geschäftsmodells (Hausbank).

Zweitens: Ein diversifizierter Finanzsektor, in dem intensiver Wettbewerb unter einer Vielfalt von Finanzinstituten herrscht, kann mit verbessertem Zugang zu Finanzmitteln und besseren Wachstumsgrundlagen assoziiert werden.

Derselbe Weltbankbericht hebt im Rahmen seiner Analyse der Verbreitung verschiedener Bankentypen in unterschiedlichen Ländergruppierungen übrigens auch hervor, dass Westeuropa im weltweiten Vergleich den geringsten Anteil von Geschäftsbankenfilialen gegenüber anderen Arten von Banken aufweist und dass es beispielsweise in Deutschland und Österreich mehr Zweigstellen von Genossenschaftsbanken als von Geschäftsbanken gibt. Ergänzt um die Anzahl der Sparkassenfilialen wird diese Relation noch bemerkenswerter.

Somit kann es nicht überraschen, dass Deutschland in den IWF- und Weltbank-Statistiken zur finanziellen Inklusion auf den Top-Rangstellen zu finden ist. Und dieses Ergebnis ist gewiss nicht nur auf Entwicklungsstand und Einkommensverteilung zurückzuführen, sondern auch maßgeblich der historisch gewachsenen Präsenz von lokalen Finanzinstituten wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken in der breiten Fläche zu verdanken.

Ersparnis, Kredit und Wirtschaftswachstum

Die Addis-Abeba-Agenda der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Finanzierung und Entwicklung erkennt an, dass private unternehmerische Initiative, Investition und Innovation Haupt-Motoren für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sind, und unterstreicht die Notwendigkeit der Sicherung geeigneter Rahmenbedingungen für die Mobilisierung von privater Ersparnis und Kapital. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören nicht zuletzt ein gutes makroökonomisches Umfeld und Preisstabilität.

Sparsamkeit ist nicht nur eine traditionelle bürgerliche Tugend vor allem der Deutschen („Sparst Du in der Zeit – hast Du in der Not“). Richtig verstanden bildet sie überall das Herzstück der volkswirtschaftlichen Ersparnis und Kapitalakkumulation. Wenn Ersparnisse nämlich – wie oben dargelegt – effektiv in Unternehmensfinanzierung umgewandelt und produktiv eingesetzt werden, erzeugt dies wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung. Dies weist Banken und anderen Finanzinstituten eine Schlüsselstellung an der Schnittstelle zwischen Sparen und Investieren zu. Institutionelles beziehungsweise formelles Sparen (anstelle von Geldhortung) setzt allerdings Vertrauen voraus, das heißt, man will einem Finanzinstitut seine Ersparnisse mit gutem Gewissen auf Zeit überlassen können. Aller Erfahrung nach sind Ortsnähe und Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort sowie der persönliche Kontakt zwischen Bank und Kunden die beste Basis für solche Vertrauens.

Die Frage, inwiefern unterschiedliche Finanzinstitute und Institutsgruppen beziehungsweise unterschiedliche Bankentypen ihrer Rolle als Finanzintermediäre effektiv gerecht werden, ist umso relevanter, als in zahlreichen Untersuchungen und Umfragen – einschließlich in Berichten multilateraler Organisationen wie IWF und Weltbank, G20, OECD etc. wie auch in akademischen Forschungsarbeiten – immer wieder hervorgehoben wird, dass die Problematik des Zugangs zu angemessener Finanzierung eines der Haupthindernisse der ökonomischen Entwicklung des Mikrounternehmens- und KMU-Sektors ist.

So werden in verschiedenen IWF- und Weltbank-Papieren Umfrageergebnisse zitiert, nach denen über ein Drittel der befragten Klein- und Kleinstunternehmen in Entwicklungsländern mangelnden Zugang zu Finanzierung als wesentliches Hindernis für Weiterentwicklung und Wachstum ihres Betriebs anführen. In Afrika sind dies sogar 40 bis 50 Prozent. Auch unter größeren Firmen wird diese Aussage noch von einem Viertel der befragten Unternehmer geteilt. Und selbst in hochentwickelten Volkswirtschaften identifiziert ein signifikanter Prozentsatz von Unternehmensgründern und KMU unzureichenden Finanzierungszugang als ein Problem.

 
In Entwicklungsländern ist für Kleinstunternehmen der Zugang zu Krediten oft schwierig. Im Bild eine Kreditgenossenschaft in Ghana. © Sparkassenstiftung

Zwar ist Kreditaufnahme nicht immer die geeignete Form der Unternehmensfinanzierung. Aber kleine Unternehmen, Selbstständige und Handwerker haben vielfach kaum andere Alternativen zur Kreditaufnahme, wenn Fremdmittel zur Ergänzung von Innenfinanzierung benötigt werden. Und die Erfahrung lehrt, dass es dieser Unternehmergruppe auf lokaler Ebene weniger schwer fällt, notwendige Kreditfinanzierung sicherzustellen.

Wie der ehemalige IWF-Chefökonom Raghuram Rajan (in einer gemeinsamen Forschungsarbeit mit Mitchell Petersen) 1994 aufgezeigt hat, wirkt sich die althergebrachte „know your customer“-Banker-Regel insbesondere im lokalen Umfeld im beiderseitigen Interesse von Hausbank und Kunden aus. Das heißt insbesondere: Dem Unternehmer fällt es leichter, eine langfristige auf Vertrauen beruhende Beziehung zu einer lokalen Bank als Finanzpartner aufzubauen, weil deren Hausbank-Geschäftsmodell Kundenbetreuer und Geschäftsleitung dazu anhält, sich bestens mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen und den ortsansässigen Unternehmen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Außerdem erlaubt die Ortsnähe – und demzufolge die genauere Kenntnis des Firmenkunden sowie die größere Vertrautheit mit dem sozioökonomischen Umfeld und dem regionalen Markt – der Hausbank eine überlegenere Risikoeinschätzung gegenüber Bankkonzernzentralen in fernen Metropolen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch jüngere Analysen aus Deutschland. Siehe etwa Behr, Foos und Norden, die in einem Diskussionspapier der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2015 insbesondere den positiven Beitrag zu stabilerer KMU-Finanzierung herausarbeiten, den die öffentlich-rechtliche Institute (also nicht zuletzt Sparkassen) im Vergleich zu anderen Banktypen leisten.

Institutionen-Vielfalt und Finanzstabilität

Weitere Anhaltspunkte dafür, dass eine flächendeckende, auf die lokale Wirtschaft fokussierte Bankenstruktur nicht nur einen antizyklischen und damit positiven Einfluss auf die realwirtschaftliche Entwicklung ausübt, finden sich in einer Reihe innovativer Analysen des Verhaltens unterschiedlicher Bankengruppen und -typen während der globalen Finanzkrise. Darüber hinaus liefern diese Analysen klare Belege dafür, dass ein diversifizierter Finanzsektor mit unterschiedlichen Institutstypen und Bank-Geschäftsmodellen auch Stabilisierungseffekte für das Finanzsystem mit sich bringt (siehe unter anderem Rym Ayadi, and Willem Pieter De Groen. 2014: „Banking Business Model Monitor 2014 – Europe“, beziehungsweise die Arbeiten von Olivier Butzbach und Kurt von Mettenheim über „Alternative Banking“).

Die Professoren Hans-Helmut Kotz und Harry Schmidt stellen in einem Beitrag in der Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft (2016; Vol. 28, Ausgabe 6) fest: „Die Erfahrung legt Zeugnis dafür ab, dass Banksysteme [...], die sich an breiteren Stakeholder-Interessen ausrichten und weniger den kurzfristigen Profit in den Mittelpunkt stellen, widerstandsfähiger sind.“

Grafisch verdeutlicht werden diese Schlussfolgerungen in dem nachfolgenden Schaubild. Es illustriert deutlich die Divergenz im Kreditvergabeverhalten von 2000 bis 2018 zwischen deutschen Großbanken auf der einen und Sparkassen sowie Kreditgenossenschaften auf der anderen Seite. Für die Gruppe der Großbanken ist der Verlauf über mehrere Jahre hinweg volatil und rückläufig, während Sparkassen und Kreditgenossenschaften ihre Kreditvergabe im Verlauf der Jahre stetig ausgeweitet beziehungsweise stabil gehalten und sie nach der Krise sogar noch stärker ausgeweitet haben. Dies wird nicht nur durch die in der Grafik widergespiegelte offizielle Statistik der Bundesbank bestätigt, sondern auch durch entsprechende Umfragen unter deutschen Unternehmen während der globalen Finanzkrise.

Das dezentrale Sparkassen- und Genossenschaftsbank-Modell hat sich somit als widerstandsfähiger gegenüber Krisen und hilfreich für die Stabilisierung der lokalen und regionalen Wirtschaftsentwicklung erwiesen: Die finanzielle Stabilität der dezentralen Bankengruppen, verbunden mit ihrer Fähigkeit, solide Hausbank-Beziehungen mit mittelständischen Unternehmen, Handwerk und Gewerbe vor Ort in konjunkturell guten wie schlechten Zeiten aufrechtzuerhalten, hat im Verlauf der jüngsten Finanzkrise eine schwerwiegende Kreditklemme verhindern helfen. Dies erklärt zumindest teilweise, warum die durch die Finanzkrise ausgelöste Rezession in Deutschland von kürzerer Dauer war als in anderen vergleichbaren Volkswirtschaften.

 
© Quelle: Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank und Berechnungen des DSGV

Finanzielle Inklusion sowie die Entwicklung und Pflege einer Sparkultur wie auch einer Kreditkultur unter allen Bevölkerungsschichten bedingen einander, und ohne die und Bewahrung von Vertrauen können Sparen und Kredit nicht auskommen. Dabei haben solche Finanzinstitute prinzipiell eine bessere Ausgangsposition, die in ihrem Geschäftsmodell Kundennähe und Sensibilität für das örtliche sozioökonomische Umfeld mit der Bereitstellung qualitativ hochwertiger Finanzdienstleistungen verbinden, und auf eine langfristig angelegte lokale beziehungsweise regionale Hausbankbeziehung hinarbeiten.

Insbesondere das Beispiel der Sparkassen in Deutschland zeigt: Es ist möglich, wirtschaftlich effizient operierende sowie ertragsstarke Finanzinstitute zu schaffen, die sich erfolgreich im Wettbewerb durchsetzen, deren Geschäftsmodell allerdings nicht verengt an kurzfristiger Profitmaximierung ausgerichtet ist, und die stattdessen ein Mandat zur langfristigen Unterstützung der lokalen Wirtschaftsentwicklung haben und auch soziale Ziele verfolgen. Der Sparkassensektor war darüber hinaus im Verlauf seiner über 200-jährigen Geschichte immer wieder Vorreiter von Innovation und Einführung neuer Technologie in der Kreditwirtschaft.

Die rasante technologische Entwicklung zum Beginn des neuen Millenniums kann und sollte selbstverständlich auch vor der Kreditwirtschaft nicht haltmachen. Es ist unbestritten, dass technologischer Fortschritt weltweit – ob in Entwicklungsländern oder den hochentwickelten Volkwirtschaften – wichtige Beiträge zur finanzieller Inklusion sowie zur effizienteren und kostengünstigeren Bereitstellung von Finanzdienstleitungen geleistet hat und noch weiter leisten wird.

Dabei sollte aber das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Die Eroberung des Bankgewerbes durch den Tech-Sektor, die kürzlich in der Zeitschrift „Economist“ gefeiert wurde („Big Tech’s Raid on the Banks”), kann jedenfalls nicht einfach unkritisch nachvollzogen werden. So findet sich in dem Artikel nämlich auch die Warnung, dass Silicon Valley nicht „hinter eurem Geld her ist, sondern euren Daten“. Die ständig wiederkehrenden Nachrichten über Cyber-Kriminalität und Einbrüche durch Hacker in große Online-Datenbanken von Finanzdienstleistern wie auch anderen Firmen sollten jedenfalls als Mahnung dafür dienen, wie Kostendämpfung durch Automation und Technikeinsatz nicht ohne Weiteres mit Verbraucherfreundlichkeit gleichgesetzt werden können.

Und Beispiele wie die Sub-Prime-Krise oder der skandalöse Kundenbetrug durch die US-Großbank Wells Fargo zeigen, wie leicht Vertrauen durch Profitgier verspielt werden kann. Darüber hinaus stellen sich durchaus berechtigte kritische Fragen nach den potenziellen Systemrisiken der „Schönen Neuen Welt“ (in Anlehnung an Aldous Huxley 1932), die mit globalen Mega-Konglomeraten aus Fintech und Social Media einhergehen können, und ob Zentralbanken und Finanzaufsicht dafür ausreichend gewappnet sind.

Der Autor Axel Bertuch-Samuels ist ehemaliger Stellvertretender Direktor, Abteilung Geld und Kapitalmarkt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und ehemaliger Ständiger Vertreter des IWF bei den Vereinten Nationen. Der Artikel basiert auf seinem kürzlich veröffentlichten Paper mit dem Titel „Why we should embrace institutional diversity in banking“ (Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung | DIW Berlin | volume 87 | 04.2018 | pp. 127–139).