Anzeige
| Draghi geht

Eine durchwachsene Bilanz

Für Mario Draghi endet heute nach acht Jahren auf dem Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) die Amtszeit als EZB-Präsident. Seine Bilanz fällt gemischt aus.

Anzeige

Draghi leitet heute zum letzten Mal in Frankfurt eine Zinssitzung der Währungshüter. Das im September beschlossene große geldpolitische Stützungspaket war im EZB-Rat umstritten. Der Italiener wird sich darum nach Einschätzung von Experten bemühen, die Wogen zu glätten und sein Vermächtnis zu sichern. Die jüngsten schwachen Konjunkturdaten dürften ihm Argumente für den lockeren Kurs liefern. Die Konjunkturaussichten haben sich weiter eingetrübt und die Inflation fiel im Euro-Raum zuletzt auf 0,8 Prozent. Das ist weit entfernt vom Ziel der EZB von knapp zwei Prozent, das sie als Optimalwert für die Wirtschaft anstrebt.

 
Glücklich ist Mario Draghi wohl selbst nicht mit der Situation. Die Geldpolitik zur Rettung der Gemeinschaftswährung in der Euro-Krise führt aktuell zu erheblichen Problemen. © dpa

"Über lange Zeit hat die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank den Euroraum stabilisiert", konstatiert Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zu Draghis Abschied. "In der jetzigen Situation überwiegt jedoch mittlerweile der Schaden einer expansiven Geldpolitik ihren Nutzen", fügt er hinzu.

"Negative Auswirkungen treffen besonders die Altersvorsorge und die Sparkultur in Deutschland", so Schleweis. "Außerdem sehen wir mit Sorge, dass die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik immer weiter verwischt. Wir halten es deshalb für wichtig, dass die Geldpolitik wieder auf einen soliden und nachhaltigen Pfad zurückfindet." Diese Aufgabe reiche der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi an seine Nachfolgerin Christine Lagarde weiter, sagt der Sparkassenpräsident. "Sie ist international profiliert und wird geschätzt. Wir wünschen ihr als EZB-Präsidentin viele gute Entscheidungen."

Am Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, werden die Euro-Wächter auf der heutigen Sitzung wohl nicht rütteln. Experten gehen davon aus, dass die Zinsen noch für längere Zeit und bis weit in die Amtszeit von Draghis Nachfolgerin Lagarde hinein sehr niedrig bleiben. Die Französin und ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) übernimmt im November das Ruder bei der EZB. (rtr, DSZ)