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| Sparkassentag 2019

Finanzielle Teilhabe organisieren – weltweit

Viele Menschen haben noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Diese sind aber Voraussetzung dafür, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Die finanzielle Teilhabe muss weltweit organisiert werden – die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation leistet hier einen Beitrag. Ein Gastbeitrag von Heinrich Haasis, Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung.

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Für mehr als zwei Milliarden Menschen ist der Zugang zu Finanzdienstleistungen auch heute noch versperrt: keine Bank, kein Konto, kein Kredit, keine sicheren Ersparnisse. All dies sind aber Voraussetzungen dafür, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und Aufstiegsperspektiven zu haben. Deswegen ist es so wichtig, finanzielle Teilhabe weltweit zu organisieren. Die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V., deren Vorstandsvorsitzender ich seit 2012 bin, hat seit ihrer Gründung 1992 mit rund 160 Projekten in rund 90 Ländern dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

Wenn wir von finanzieller Teilhabe sprechen, sprechen wir in der Entwicklungszusammenarbeit von finanzieller Inklusion. Was genau heißt das? Finanzielle Inklusion bedeutet die Teilhabe möglichst aller Menschen an finanziellen Dienstleistungen. Die Mehrheit der Menschen, die über einen unzureichenden Zugang zu Finanzdienstleistungen verfügen, lebt in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, in Südasien, Zentralasien aber auch in Lateinamerika. Damit Armut weltweit reduziert werden kann, müssen diese Menschen mit dem Zugang zu Finanzdienstleistungen versorgt werden.

Eine flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen hat nicht nur positive soziale / gesellschaftliche Folgen, sondern bietet auch ein beträchtliches wirtschaftliches Wachstumspotenzial für diese Länder. Deswegen hat die Weltbank sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die finanzielle Inklusion weltweit durchzusetzen. Das Weltinstitut der Sparkassen (WSBI) ist 2015 durch eine Kooperation mit der Weltbank die Verpflichtung eingegangen, 400 Millionen mehr Kunden bis 2020 mit einem Konto zu versorgen – dies bedeutet bis 2020 insgesamt 1,7 Milliarden Kunden weltweit. Dieses Ziel werden wir erreichen.

 

Volumen von 21 Millionen Euro

Sowohl beim WSBI als auch bei der Sparkassenstiftung geht es darum, unserer globalen Verantwortung als Sparkassen nachzukommen. Es ist unsere soziale Verpflichtung, im übrigen Teil der Welt etwas zu tun, obwohl wir lokale Institute sind. Auch unsere Existenz hängt davon ab, dass wir einen funktionierenden Staat und eine Rechtsordnung haben, die öffentlich-rechtliche, lokale Institute zulässt. Und wir brauchen Mitstreiter dafür, dies auch in Entwicklungs- und Schwellenländern möglich zu machen. Der Marshall-Plan nach dem Krieg zeigt, dass auch uns damals geholfen worden ist.

Damit weitreichende und komplexe Finanzdienstleistungen bei der Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern angenommen werden, benötigt es eine ausreichende finanzielle Bildung. Unter anderem hier setzt die Arbeit der Sparkassenstiftung an. Sie ist der „entwicklungspolitische Arm“ der Sparkassen-­Finanzgruppe und transferiert seit über 25 Jahren erfolgreich das Know-how der deutschen Sparkassen in Entwicklungs- und Schwellenländer.

Mit einem Projektvolumen von rund 21 Millionen Euro (2018) gehört die Sparkassenstiftung zu den größten privaten Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie beschäftigt weltweit rund 300 Mitarbeiter – viele der Projektmitarbeiter kommen aus den deutschen Sparkassen.

Intensivere Arbeit in Afrika

Mit den Themenschwerpunkten Trai­ning und Personalentwicklung, Finanzielle Bildung, KKMU-Finanzierung, Entwicklung regionaler Institute, Ländliche Finanzierung und „Green Finance“ trägt die Sparkassenstiftung in derzeit rund 50 Ländern erfolgreich zur finanziellen Inklusion bei. Ein gelungenes Beispiel für finanzielle Bildung ist der Weltspartag, den die Sparkassenstiftung inzwischen in mehr als zehn Ländern eingeführt hat. Wir intensivieren unsere Arbeit derzeit vor allem in Afrika – dort sind wir jetzt in 13 Ländern tätig. Obwohl aufgrund unterschiedlicher Mentalitäten die Arbeit dort nicht immer einfach ist, dürfen wir diesen Kontinent auf keinen Fall vernachlässigen.

Das Bevölkerungswachstum in Afrika ist immer noch explosiv: Wir wollen und müssen dort helfen, dass es Strukturen gibt, die den Menschen in Afrika reale Chancen eröffnen. Und wir wollen Gespräche mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) darüber führen, ob wir in Afrika nicht noch forcierter vorgehen könnten. Das BMZ ist der größte externe Geldgeber der Sparkassenstiftung.

Nicht nur im Zusammenhang mit Afrika kommt natürlich auch das Thema Flucht und Migration ins Spiel. Auch hier ist die Sparkassenstiftung engagiert. Es geht in unseren Projekten, – zum Beispiel in Ghana, aber auch in der Türkei und in Armenien, – um die wirtschaftliche Integration von Flüchtlingen (zum Teil in Transitländern) sowie die Bekämpfung von Fluchtursachen. Es müssen vor Ort nachhaltige Bleibeperspektiven geschaffen werden, die dazu beitragen, dass die Menschen ihre Heimatländer erst gar nicht verlassen. Es gibt also noch sehr viel zu tun!

Weitere Berichte und Gastbeiträge zum Sparkassentag finden Sie unter sparkassenzeitung.de.

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