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| Wohnungsmarkt - Interview

Fokus liegt auf neuem Wohnraum

Der enge Wohnungsmarkt fordert auch die Kommunen. Heidelbergs OB Prof. Eckart Würzner erklärt, wie seine Stadt damit umgeht – und welche Rolle die Sparkasse dabei spielt.

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DSZ: Heidelberg gehört zu den Hot Spots auf dem Wohnungsmarkt. Wie stellt sich die Situation aus Ihrer Sicht dar, und welche Bevölkerungsgruppen leiden besonders unter den hohen Mieten?
Prof. Eckart Würzner: Heidelberg ist ein attraktiver Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsstandort mit einer jungen Bevölkerung. Die Stadt ist in den letzten acht Jahren um rund 12 200 Personen gewachsen, vor allem durch Zuzüge von außerhalb. Bis 2035 erwarten wir ein Plus von weiteren 25 000 Personen. Dieses dynamische Wachstum macht sich natürlich auch auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar. Gerade Familien mit Kindern und Haushalte mit niedrigem Einkommen suchen oft lange nach einer passenden Wohnung.

DSZ: Einige Kommunen wie Berlin versuchen mit einer strengen Mietpreisbremse Mietsteigerungen zu begrenzen, andere, wie München mit dem Münchner Modell, setzen auf ermäßigten Wohnraum für Familien mit mittleren Einkommen und Kindern. Welchen Weg geht Heidelberg?
Würzner: Die Heidelberger Mietpreisbremse gilt seit 1. November 2015. Sie kann dazu beitragen, den Anstieg des Mietpreises bei einer Wiedervermietung zu dämpfen. Das ist wichtig. Aber dadurch entstehen noch lange keine neuen Wohnungen. Unser Fokus liegt daher auf der Schaffung von neuem Wohnraum, auf der zielgruppenspezifischen Förderung und dem Erhalt sozialer Vielfalt. Im Handlungsprogramm Wohnen haben wir alle wohnungspolitischen Aktivitäten gebündelt. Unser Ziel ist es, jährlich 800 neue Wohnungen für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen.

 
Der Heidelberger OB Prof. Eckart Würzner. © Salar Baygan

DSZ: Was kann eine Kommune mit hohen Mieten generell tun? Sie haben in Heidelberg Konversionsflächen. Wie stellen Sie sicher, dass auch einkommensschwächere Gruppen dort bezahlbaren Wohnraum erhalten?
Würzner: Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist eine Herkulesaufgabe. Hierfür braucht es die Zusammenarbeit von vielen Beteiligten – Politik und Verwaltung, Kommunen und Land, öffentliche und private Akteure. In Heidelberg haben wir hierfür das „Dialogforum Wohnen“ geschaffen. Alle wohnungspolitischen Akteure kommen hier regelmäßig zusammen, um gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren.

Für die Konversionsflächen haben wir klare wohnungspolitische Konzepte aufgestellt. In der Südstadt schaffen wir 1400 neue Wohnungen, 70 Prozent davon im preiswerten Segment. In Rohrbach entstehen 600 neue Wohnungen. Hierfür haben wir zusammen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GGH ein völlig neues Zielgruppenkonzept entwickelt: In 40 Prozent der Wohnungen werden die Mieterinnen und Mieter nur 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Warmmiete bezahlen. Ein einzigartiger Ansatz.

 
Die Bahnstadt ist die weltweit größte Passivhaussiedlung. Die Sparkasse Heidelberg hat maßgeblich zur Entwicklung des jüngsten Stadtteils beigetragen. © dpa

DSZ: Gibt es auch Modelle unter Einbeziehung der Sparkasse vor Ort oder sind solche Modelle angedacht? Inwieweit können sie zur Linderung der Wohnungsnot beitragen?
Würzner: Sparkassen sind Garanten für eine gute Entwicklung unserer Städte und Regionen. Die Sparkasse Heidelberg ist beispielsweise Teil der Entwicklungsgesellschaft Heidelberg (EGH). Damit hat sie maßgeblich zur Entwicklung der Bahnstadt, unserem jüngsten Stadtteil und der weltweit größten Passivhaussiedlung, beigetragen. Die Sparkasse ist auch Gesellschafterin der Entwicklungsgesellschaft Patton Barracks und hat bei der Vermarktung des Heidelberg Innovation Park (hip) – Heidelbergs künftigem Hotspot für digitale Innovation – unterstützt.

Professor Eckart Würzner (57) ist seit 2006 Oberbürgermeister in Heidelberg. Der gebürtige Goslarer studierte in Mannheim und Heidelberg Geografie mit den Nebenfächern Geologie und Jura.