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| Europäische Zentralbank

Gemeinsame Linie finden

Heute beginnt für Christine Lagarde ihre Amtszeit als EZB-Präsidentin.

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Lagarde, ehemals Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hatte schon im Vorfeld als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben genannt, die Zentralbank und ihre Geldpolitik einer breiteren Öffentlichkeit nachzubringen.

In der EZB kommt Lagarde nun die schwierige Aufgabe zu, die Wogen zu glätten, die Mario Draghi verursacht hatte. „Die Wahl von Madame Lagarde war eine gute Entscheidung, denn offensichtlich werden nun diplomatische Fähigkeiten gebraucht sowohl im Umgang innerhalb der EZB sowie auch im Umgang mit den Regierungen", sagt der ehemalige österreichische Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny.

Diplomatie ist gefragt

Kritiker halten Lagardes Vorgänger Draghi vor, abweichende Positionen häufig einfach weggewischt zu haben. Zudem habe er dazu geneigt, in öffentlichen Auftritten vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen starke Vorfestlegungen zu treffen. Dies habe Uneinigkeit unter den Euro-Wächtern geschürt, die bei ihren Zinstreffen traditionell stark auf Konsens abzielen. Draghi und die EZB lehnten Stellungnahmen dazu ab.

 
Amtsübergabe bei der EZB in Frankfurt a.M. Christine Lagarde folgt auf Mario Draghi (rechts) und ist die erste Frau an der Spitze der Europäischen Zentralbank. © dpa

Den größten Zwist gab es ausgerechnet auf Draghis vorletzter Zinssitzung im September. Damals griff die Europäische Zentralbank (EZB) noch einmal ganz tief in ihre Werkzeugkiste. Der EZB-Rat beschloss wegen der Konjunkturschwäche ein großes Maßnahmenpaket zur Stützung der Wirtschaft, wozu auch die Wiederaufnahme der billionschweren Anleihenkäufe zählte.

Allerdings scherte immerhin rund ein Drittel der Euro-Wächter aus und war gegen deren Neustart. „Mario ist bereit, mit 50 Prozent plus einer Stimme zu leben“, sagt ein Notenbanker. Christine Lagarde müsse dies ändern.

„Verschiedene Meinungen zusammenbringen“

Draghis Nachfolgerin kündigte bereits an, den Zwist über die jüngsten Lockerungsschritte überwinden zu wollen. „Ich suche immer nach der gemeinsamen Basis, um die verschiedenen Meinungen zusammenzubringen“, sagte sie dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ihr Vorschlag: „Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir künftig wieder eine gemeinsame Linie finden können.“

Seit Gründung der EZB im Juni 1998 besetzt mit Lagarde zum zweiten Mal Frankreich den Spitzenposten bei der gemeinsamen Zentralbank. Außerdem bestimmt erstmals eine Frau die Interessen der EZB, die über die Geldpolitik für die Eurozone entscheidet. Hauptziel der EZB ist Preisstabilität. rtr