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| Sparkassentag 2019

Gemeinschaftliche Aufgabe

Gleichwertige Lebensverhältnisse überall in der Republik sind ein Versprechen des deutschen Staates an seine Bürger. Sparkassen können ihren Teil dazu beitragen. Am wichtigsten aber ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur.

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Deutschland bezieht seine wirtschaftliche Kraft, aber auch seine soziale Stabilität aus einer ausgewogenen regionalen Struktur. Diese Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist im Grundgesetz verankert. Dabei werden für Metropole und Weiler natürlich nicht gleiche Rahmenbedingungen gefordert - es muss aber überall die Chance auf ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben geben. Über die aktuelle Lage und ihre Entwicklungsmöglichkeiten diskutierten im Forum "Lebenswerte Kommunen" Prof. Hans-Günter Henneke, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistags, Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands, der Wohnsoziologe Prof. Walter Siebel und Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung.

Wie sieht es derzeit aus? Siebel stellt klar: Es gibt außerordentlich prosperierende ländliche Gebiete und auch überschuldete Großstädte, die zu veröden drohen. Trotzdem ist die allgemeine Tendenz eine andere: Die Bevölkerung in strukturschwachen Landkreisen sinkt. Je höher der Bildungsgrad, desto eher zieht ein junger Mensch in die Stadt - und desto seltener kehrt er wieder in seine Heimat zurück, so die Statistik. Und: Je mehr Menschen wegziehen, desto mehr Läden, Praxen und Schulen schließen - woraufhin wieder Menschen wegziehen. Ein Teufelskreis entsteht. Die Politik, da sind sich die Diskussionsteilnehmer einig, müsse hier für verlässliche Standards der Mindestversorgung sorgen. Zum Beispiel, in dem sie gesetzliche Regelungen überdenkt und etwa eine mobile medizinische Versorgung erleichtert, wie Kirsten Witte, Direktorin des Programms "Lebenswerte Kommune", anmerkt.

Die zentrale Forderung aber ist die nach einem flächendeckenden Breitbandausbau für ein schnelles Internet und die lückenlose Einführung des Mobilfunkstandards 5G, so Henneke. Es könne nicht sein, dass Deutschland bei der Digitalisierung der Regionen noch hinter Rumänien und Albanien rangiert. Denn erst wenn die digitalen Grundvoraussetzungen geschaffen sind, können neue Möglichkeiten wie Bestell-, Bring- und Fahrdienste, das schnelle Mieten von Auto und E-Bike und die Weiterbildung per Video oder Cloud bessere Lebensbedingungen aufs Land bringen. Kann ein junger Arbeitnehmer per schnellem Draht auch von zu Hause aus arbeiten, entscheidet er sich vielleicht eher für ein Zuhause auf dem Land. Es sei unverständlich, so Kirsten Witte, warum Kinder in Lappland dezentral per Live-Übertragung und Lernplattformen unterrichtet würden, in Deutschland - dem europäischen Schlusslicht der digitalen Infrastruktur - aber immer noch die schwere Büchertasche in eine Schule trügen, die den Internetzugang sperre.

 
Kirsten Witte, Prof. Walter Siebel, Hans-Günter Henneke und Michael Ermrich diskutierten mit Moderatorin Sandra Berndt (von links).

Der Landbevölkerung anstelle stationärer Einrichtungen digitale und mobile Angebote zu machen - wie von der Expertenrunde gefordert - ist für die Sparkassen längst Usus. Der Rückgang der Geschäftsstellenzahl sei eine Antwort auf die Bevölkerungsentwicklung und das Kundenverhalten, sagte Ermrich, der als OSV-Präsident und ehemaliger Landrat die Seite der Sparkassen und der Träger kennt. Vielerorts ersetzen heute die Internetfiliale, ein Sparkassenbus oder der Hausbesuch eines Beraters die Existenz einer Kleinst-Geschäftsstelle. Dabei ist es im ureigenen Interesse der Sparkassen, dass möglichst alle Regionen ihre Attraktivität behalten. Die Kommunen als Träger sind dabei die wichtigsten Verbündeten der Sparkassen. Im Interesse der Regionen sei es aber auch, so Henneke, dass Sparkassen gemäß ihres öffentlichen Auftrags als sichtbare Infrastruktur-Anker im ländlichen Raum aktiv bleiben. Denn die Aufgabe einer Sparkasse sei nicht nur eine kreditwirtschaftliche. Sie habe auch mit Gemeinschaft zu tun.

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