Sparkasse Essen
Zurück
Geschichte
Von der Sparanstalt zum Universalkreditinstitut
Es hat ziemlich lange gedauert, bis Sparkassen als vollwertige Kreditinstiute agieren durften. Den Weg gebahnt hat ein preußischer Ministerialerlass, der vor ziemlich genau 100 Jahren veröffentlicht wurde.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich das Sparkassengeschäft weitgehend auf die Annahme von Spareinlagen und die Ausgabe von Hypothekenkrediten beschränkt. Die zunehmenden Fortschritte in Wirtschaft, Gesellschaft und Technik ließen jedoch auch die Ansprüche der Kunden wachsen.

Im ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende konnten die Sparkassen den Depositen- und Kontokorrentverkehr und insbesondere den bargeldlosen Zahlungsverkehr einführen.

„Bankmäßige“ Entwicklung kommt in Gang

Ausgehend von Sachsen bauten die Institute seit 1909 ein reichsweites Überweisungsnetz auf. Weitere Geschäftsfelder kamen im Ersten Weltkrieg hinzu: Die Sparkassen durften nun auch Wertpapiere an ihre privaten Kunden verkaufen und diese Wertpapiere für sie in Depots verwahren und verwalten. Damit war die „bankmäßige“ Entwicklung der Sparkassen eingeleitet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs bedrohte eine immer spürbar werdende Geldentwertung die Hauptgeschäftsfelder der Sparkassen, das langfristige Einlagen- und Kreditgeschäft. Trotz der neuen Geschäftsmöglichkeiten ging die Rentabilität der Institute erheblich zurück.

Inflation
Aus Geld wird „Altpapier“: Im Tresorraum der Städtischen Sparkasse Meiningen türmen sich „Die Überreste der Inflationszeit“ – Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Städtischen Sparkasse Meiningen, 1926.

Kommunale Träger gründen Kreditinstitute

Viele kommunale Träger, beispielsweise die Stadt Gera oder der Landkreis Recklinghausen, kamen deshalb auf den Gedanken, zusätzlich zu ihren Sparkassen Stadt- und Kreisbanken zu gründen. Diese Kommunalbanken unterlagen nicht den Bestimmungen der Sparkassengesetze und konnten alle Bankgeschäfte betreiben.

Anzeige Recklinghausen
Anzeige der Kreisbank Recklinghausen von 1925: Auch der Landkreis Recklinghausen hatte eine Bank gegründet und gab ihr die Rechtsform einer Aktiengesellschaft.

 

In Gera residierten Stadtsparkasse undStadtbank in demselben Gebäude, dem 1929 fertigstellten Handelshof. Heute ist es Sitz der Sparkasse Gera-Greiz. – Foto von 1935 DSGV-Archiv

Preußen erweitern Geschäftskompetenzen

Die Aufsichtsbehörden der Länder betrachteten diese Entwicklung mit Argusaugen, weil die Kommunen aus ihrer Sicht unerwünschte Risiken eingingen. Als erste wurde das preußische Innenministerium aktiv. Am 15. April 1921 publizierte es einen Erlass über „Die Errichtung von Kommunalbanken durch Gemeinden und Gemeindeverbände“.

Darin ging das Ministerium das Problem von zwei Seiten an: Zum einem drängte es die Kommunen dazu, ihre neuen Banken rechtlich zu verselbstständigen und in haftungsrechtlich adäquate Gesellschaftsformen wie die Aktiengesellschaft und die GmbH zu überführen. Zum anderem weitete es die Geschäftskompetenzen der Sparkassen nochmals aus.

So wurden insbesondere noch bestehende Höchstgrenzen für Depositen- und Kontokorrenteinlagen abgeschafft und den Sparkassen „sonstige bankmäßige Geschäfte“ widerruflich gestattet.

Erlass 1921
Bankgeschäfte sind jetzt erlaubt, aber in klaren Grenzen: Erlass des preußischen Innenministerium über „Die Errichtung von Kommunalbanken durch Gemeinden und Gemeindeverbände“ vom 15. April 1921. Der Erlass wurde übrigens in der Zeitschrift „Sparkasse“ abgedruckt, die in der heutigen SparkassenZeitung aufgegangen ist.

Geschäfte müssen den Sparsinn fördern

Völlige Freiheit bedeutete das allerdings nicht, denn der Erlass stellte klar: „Ausgeschlossen müssen naturgemäß alle Geschäfte bleiben, die mit der ursprünglichen Aufgabe der Sparkassen, den Sparsinn zu fördern und als öffentliche Kredit-Institute zu dienen, unvereinbar sind, oder die die Sicherheit der Einlagen gefährden, oder endlich die der Stellung von Gemeinden und Gemeindeverbänden im öffentlichen Leben und der durch ihre geschichtliche Entwicklung gegründeten Vertrauensstellung der öffentlichen Sparkassen nicht entsprechen.“

Bayern und Baden ziehen nach

Andere deutsche Länder zogen mit teilweise erheblicher Verzögerung nach. So schufen Bayern und Baden erst im April beziehungsweise Juni 1923 die rechtlichen Grundlagen für die volle bankmäßige Betätigung der Sparkassen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Geldentwertung in Deutschland bereits dramatisch beschleunigt. Befreit aus dem engen Korsett ihres bisherigen Geschäftsrechts, waren die Sparkassen jedoch in der Lage, die existenzbedrohende Phase der Hyperinflation einigermaßen glimpflich zu überstehen. Nach der im Herbst 1923 eingeleiteten Währungsreform stabilisierten sie sich erstaunlich schnell wieder.

Attacken der Konkurrenz abgewehrt

Private und genossenschaftliche Wettbewerber bemühten sich zwar in den folgenden Jahren darum, dass die bankmäßige Betätigung der Sparkassen wieder rückgängig gemacht werden. Aber auch dank der Gründung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes 1924 konnte die Sparkassenorganisation diese Attacken erfolgreich abwehren.

Das Reichskreditwesengesetz bestätigte 1934 die Stellung der Sparkassen endgültig: Als Kreditinstitute waren sie den Banken grundsätzlich gleichgestellt.

 

Sparkasse Essen
Die bankmäßige Entwicklung der Sparkassen ging oft auch mit einer Modernisierung einher: Blick in die Kassenhalle in den 1928/30 errichteten Neubau der Städtischen Sparkasse Essen.
Thorsten Wehber, DSGV
– 9. April 2021