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| Sparkassentag 2019

Historische Idee im modernen Gewand

Vor 40 Jahren war kaum vorstellbar, wohin die Anfänge der Digitalisierung führen würden. Doch Sparkassen haben eine große Veränderungsbereitschaft gepaart mit Verantwortung für die Region gezeigt. Ein Gastbeitrag von Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen.

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„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“ (Thomas Morus)
Die Geschichte der Sparkassen in Deutschland lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Und doch hat die Idee, weshalb sie einst initiiert wurden, bis heute nicht an Bedeutsamkeit eingebüßt. Dass es unseren Sparkassen seit über 200 Jahren erfolgreich gelingt, sich am Markt zu behaupten, zeigt uns, dass diese Idee von damals gut war und wir sie mit Erfolg in die Gegenwart getragen haben. Sparkassen haben schon immer Standards gesetzt, wenn es darum ging, die Bankgeschäfte für den Kunden komfortabler und besser zu machen.

Eines hat uns dabei stets geholfen: Dass wir unsere gemeinsamen Werte nie aus dem Blick verloren haben. Den „schnellen Euro“ zu machen, ist nicht Teil unserer DNA. Für uns stehen bei allen Veränderungen die Bedürfnisse des Kunden und die Gemeinwohlorientierung im Mittelpunkt. Das galt in der Vergangenheit, das gilt heute und auch morgen.

 

Bargeldlos bezahlen seit mehr als 100 Jahren

Nach dem Erlass des Reichsscheckgesetzes nahmen die sächsischen Sparkassen bereits 1908 unter der Führung von Dr. Johann Christian Eberle den Zahlungsverkehr auf. Damit können Kunden der Sparkassen schon seit mehr als 100 Jahren bargeldlos bezahlen. Als die Reichsregierung im Ersten Weltkrieg über die Sparkassen ihre Kriegsanleihen unter die Bevölkerung brachte, hatten die Sparkassen außerdem ihre ersten Wertpapiere im Angebot.

Mit steigender Angebotsvielfalt in den Sparkassen stiegen die Erwartungen an die Mitarbeiter. Schon 1906 forderte ein Vorstandsmitglied der niedersächsischen Sparkassen die Einrichtung eines „Instruktionskurses für Sparkassenbeamte“. Weil dieses Pilotprojekt so gut ankam, wurde 1920 mit der Deutschen Sparkassenschule in Hannover die erste institutionelle Bildungseinrichtung der Sparkassen eröffnet. 1928 folgte der Startschuss für das Lehrinstitut der Sparkassen-Finanzgruppe. Damit haben sich die Sparkassen früh das geschaffen, was Konzerne wie VW oder Bertelsmann erst um die Jahrtausendwende herum umgesetzt haben: ihre eigene Corporate University.

Entwicklung zum Allfinanzverbund

Das Geburtsjahr des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) ist 1924. Bis heute kümmert sich der „Verband der Verbände“ darum, den Sparkassen eine organisatorische Struktur bereitzustellen, damit sie sich voll und ganz auf die finanzielle Betreuung ihrer Kunden konzentrieren können. Qualitätsführer sein – das ist unsere Strategie. Damit können wir langfristig das Vertrauen unserer Kunden gewinnen und darauf aufbauen. Qualität ist nicht nur eine gute Beratung, Qualität ist auch eine ganzheitliche Kundenberatung. Diesem Anspruch sind die Sparkassen schon 1929 ein Stück nähergekommen, als die ersten öffentlichen Landesbausparkassen als Verbundpartner der Sparkassen-Finanzgruppe gegründet wurden.

Mit der Gründung der Deutschen Kapitalanlagegesellschaft (Deka) kam auch ein Wertpapier-Dienstleister in die Sparkassen-Familie. Die Gründung der Deka war der Grundstein für die heutigen Investmentaktivitäten der Dekabank-Gruppe, die 1999 aus Deka und DGZ, der Deutschen Girozentrale, entstanden ist. Auch die Aufnahme der öffentlichen Versicherer in die Sparkassen-Finanzgruppe ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Kundenberatung.

Ende der 60er-Jahre hat das Gehaltskonto die Lohntüte abgelöst. Auch hier waren es die Sparkassen, die den Finger gehoben und der breiten Bevölkerung ein Konto angeboten haben. Andere wollten sich mit diesem „Kleinkram“ nicht beschäftigen. Das war unser Glück, denn damit haben sich die Sparkassen das Fundament für ihre heutige Marktführerschaft gelegt.

Automatisierung und Digitalisierung

Der schon immer enge Kontakt der Sparkassenmitarbeiter zu den Menschen vor Ort hat uns in vielen Situationen geholfen, richtige Entscheidungen zu treffen. Umgekehrt hat er uns aber auch davor bewahrt, auf jeden Zug immer gleich aufzuspringen. Mit einer steigenden Anzahl von Gehaltskonten stieg der Bedarf, Bargeld vom Konto abheben zu können. Um diesen Vorgang kundenfreundlicher zu gestalten, stellte die Tübinger Kreissparkasse 1968 den deutschlandweit ersten Geldautomaten auf. Nach und nach investierten die Sparkassen in ihr Geldautomatennetz, sodass alle Sparkassenkunden seit 1996 deutschlandweit an jedem Sparkassengeldautomaten Geld abheben können.

Die Digitalisierung in den Sparkassen hatte begonnen und wurde seitdem stetig weiterentwickelt. Mit unserem heutigen Wissen über die Möglichkeiten der Digitalisierung mag es uns aberwitzig erscheinen, bei den Veränderungen in den 70er-Jahren von Digitalisierung zu sprechen. Aber es waren die ersten Gehversuche hin zu dem Punkt, an dem wir uns heute befinden. Und bis heute hat sich vieles verändert: Wir haben Kwitt und können in Echtzeit Geld überweisen. Wir bieten E-Learning für Digitalbanking an. Und wir beobachten nicht mehr allein das Geschehen bei der Volksbank nebenan, wir müssen auch die Konkurrenz aus Übersee im Auge behalten.

Die Finanzbranche hat sich besonders in den vergangenen Jahren sehr schnell und stark verändert. Ich arbeite seit mehr als 40 Jahren für die Sparkassen-Finanzgruppe. Hätte man mir zu Beginn meiner Ausbildung gesagt, dass wir unsere Kunden irgendwann per Video beraten und unser Geldautomatennetz wieder straffen, weil wir Geld von Handy zu Handy senden können – ich hätte daran meine Zweifel gehabt.

Aber heute weiß ich: Die Veränderungsbereitschaft in der Sparkassen-Finanzgruppe ist sehr groß, und sie ist vor allem immer gepaart mit einem Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft und für die Gemeinschaft. Die Idee einer Sparkasse aus dem 18. Jahrhundert, mag sie noch so alt sein, müssen wir in die Zukunft tragen. Sie ist das Rezept unseres Erfolgs, und sie zu bewahren, ist heute unsere Verantwortung.

Weitere Berichte und Gastbeiträge zum Sparkassentag finden Sie unter sparkassenzeitung.de.

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