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| Sparkassenverbände - Interview

Kiel und München kooperieren enger

Der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein (SGVSH) wird ab dem 1. Januar noch enger mit dem Sparkassenverband Bayern (SVB) zusammenarbeiten und Unterstützungsleistungen im Bereich der Banksteuerung aus Bayern beziehen.

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So wie der SVB seine eigenen Mitgliedssparkassen betreut und berät, wird er künftig auch den SGVSH bei der Beratung und Betreuung seiner Sparkassen unterstützen. Mit der neuen Kooperation erweitert der SGVSH sein Ziel, mit den thematisch federführenden Verbänden der Sparkassen-Finanzgruppe zusammenzuarbeiten. SGVSH-Präsident Reinhard Boll und SVB-Präsident Ulrich Netzer erläutern die Hintergründe.

DSZ: Der SGVSH hat mit dem SVB eine neue Kooperation in der Banksteuerung geschlossen. Wie darf man sich eine solche Zusammenarbeit über die regionalen Grenzen hinweg vorstellen?
Reinhard Boll: Bei wachsenden Herausforderungen in der Banksteuerung ist es für unsere Sparkassen wichtig, dass wir bestmögliche Leistungen bieten können, ohne vorhandene Kapazitäten zu überlasten. Deshalb stellte sich irgendwann auch die Frage nach dem „make or buy“. Statt weitere Personalkapazitäten aufzubauen ist unseres Erachtens mehr Arbeitsteilung unter den Regionalverbänden der Schlüssel zum Erfolg. Effektive Kooperationen werden die zukünftigen Strukturen der Sparkassen-Finanzgruppe prägen. Das haben wir auch bereits auf verschiedenen Themenfeldern erfolgreich erprobt. Der SVB übernimmt jetzt Leistungen in der Banksteuerung für die schleswig-holsteinischen Sparkassen. Das ist für beide Verbände effizient – für uns, weil wir keine eigenen Kapazitäten dafür vorhalten müssen. Und für den SVB, weil er so seine weitere fachliche Spezialisierung voran­treiben kann.

Ulrich Netzer: Für uns greift die Gesamtbanksteuerung direkt am Herzen des Bankbetriebs an. Wir wollen unsere Expertise hier weiter intensivieren und perspektivisch gerne auch für weitere Regionalverbände übernehmen. Ich bin schon lange überzeugt, dass es auf lange Sicht wenig sinnvoll ist, wenn alle Regionalverbände vertieftes Know-how in allen Fachgebieten vorhalten. Es ist effizienter für die ganze Sparkassenorganisation, wenn einzelne Player sich spezialisieren und in den jeweiligen Gebieten auch Aufgaben für die anderen übernehmen. Hier können wir Synergien heben.

 
Kooperation unterzeichnet: Ulrich Netzer (links) und Reinhard Boll. © SVB/SGVSH

DSZ: Wie dürfen wir uns die Zusammenarbeit in der Banksteuerung genau vorstellen?
Netzer: Ziel ist es, den SGVSH in der Umsetzung von Standards bei seinen Sparkassen effizient zu begleiten, zu unterstützen und auf einem einheitlich hohen Niveau zu beraten. Dazu gehören alle Unterstützungsleistungen, die der SVB analog auch für seine Sparkassen im Rahmen der Standardleistung anbietet. Das sind alle Themenfelder der Banksteuerung von MaRisk über Asset Allocation, Adressrisiken bis zum Meldewesen, dem Betriebs­vergleich und Szenariorechnungen. Die Basis bilden generell die fachlichen Vorgaben des DSGV und der S-Rating und Risikosysteme GmbH sowie deren zentralen Tools und Basissysteme.

DSZ: Eine Sparkasse aus Flensburg ruft also künftig bei Fragen zur Banksteuerung nicht mehr in Kiel, sondern in München an?
Boll: In der Regel läuft der Kontakt über eigens dafür eingerichtete Fachkoordinatorinnen und Fachkoordinatoren, sogenannte Key-Accounter, bei uns im Verband in Kiel. Der SVB unterstützt sie bei der Beratung und Betreuung unserer Mitgliedssparkassen – hier steht die direkte Leitung nach München. Die Sparkassen greifen aber auf Teamrooms zu, nutzen gemeinsame Rund­schreiben, und arbeiten mit S-VIP. Dazu kommen natürlich gemeinsame Web-Meetings bei Änderungen und Neuerungen sowie Schulungen zu Fachthemen. Ein ähnliches Modell haben wir schon erprobt, und wir überlegen derzeit, auch in anderen Themen­gebieten stärker in die Arbeitsteilung einzusteigen.

DSZ: Gibt der SGVSH seine Kompetenz im Gebiet Banksteuerung mit der Kooperation voll­ständig auf?
Boll: Nein, im Gegenteil: Wir stärken unsere Kompetenzen und profitieren vom Know-How und besonders den langjährigen Erfahrungen des SVB. Wir setzen auf unsere Fachkoordinatoren, die die spezifischen Anforderungen kennen und damit die Interessen der schleswig-holsteinischen Sparkassen in der Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner SVB vertreten. Wir werden beispielsweise auch in den für die Themen der Banksteuerung zuständigen Fachausschuss des SVB, den Arbeitskreis Betriebs­wirtschaft und IT (AK BIT), zwei Teilnehmer entsenden. Perspektivisch bringen wir uns und unsere Mitgliedssparkassen auch bei Projekten des Großprojektteams 4 Banksteuerung der Finanz Informatik ein. All das erfolgt in enger Abstimmung mit dem SVB, der für dieses Großprojektteam ja federführender Verband ist.

Netzer: So wie die bayerischen Sparkas­sen werden auch die Mitgliedssparkassen und der SGVSH an den SVB-Veranstaltungen partizipieren. Insbesondere Fachtagungen und ‑kreise sowie persönliche Erfahrungs- und Meinungsaustausche werden wichtiger Bestandteil der Kooperation sein, damit wir die Kooperation zielorientiert und vertrauensvoll etablieren können.

DSZ: Wie kann der SVB den Mehraufwand durch die Kooperation leisten?
Netzer: Wir passen unsere Kapazitäten strukturell an und bauen dabei moderat Personal auf für die Betreu­ung in den Themenfeldern der Banksteuerung sowie für die aufsichts­rechtlichen Themenstellungen. Wir investieren hier langfristig, um einen wirklich breiten Know-How-Pool aufzubauen und dauerhaft die Leistungsfähigkeit für unsere Sparkassen sicherzustellen. Dazu verwenden wir auch die Kostenerstattung vom SGVSH, mit der die unmit­telbaren Personal- und Sachkosten gedeckt werden. Wir verfolgen keinerlei Gewinn­erzielungsabsicht. Dies ist eine Investition für die Zukunft, denn wir gehen davon aus, dass das Modell der Arbeitsteilung unter den Verbänden weiter Schule machen wird.

DSZ: Beide Verbände sind also offen, das Modell der Arbeitsteilung zwischen den Verbänden noch weiter zu treiben?
Netzer: Ja, wir sind offen, denn das ist schließlich der Grundgedanke, mit dem wir mehr Effizienz und Schlagkraft in die Sparkassen-Finanzgruppe bringen wollen. Nicht alle regio­nalen Köche müssen alle Gänge der identischen Menüfolge in ihren Regionen kochen. Wenn die perfekten Vorspeisen just in time angeliefert werden können, während ich mich auf den Hauptgang konzentriere, dann gewinne ich doch! Und die Gäste auch, weil jeweils Top-Spezialisten an ihren Teilen des Menüs arbeiten. Und das bundesweit.

Boll: Wir sind bei dieser Kooperation offen, die Arbeitsteilung weiter voranzutreiben und Kompetenzcenter in den verschiedenen Regionalverbänden zu bilden. Mehr noch scheuen wir uns nicht davor, für diese neue Arbeitsteilung Vorreiter in der Finanzgruppe zu sein. Denn bei einer zusehends deutlichen Verknappung der Ressourcen ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Weg, um der gesetzlichen Aufgabe der Sparkassenverbände, der Förderung des Sparkassenwesens, auch künftig in hoher Qualität gerecht zu werden. Die Sparkassen in den verschiedenen Regionalverbands­gebieten wissen damit, dass sie sich jederzeit auf ausgezeichnete Fachexpertise verlassen können. Gerade in einer wechselvollen Zeit und bei den sich dynamisierenden Entwicklungen ist es wichtig, unseren Sparkassen diese Sicherheit zu geben, damit sie ihren Aufgaben vor Ort gerecht werden können.

Das Interview führten Eva Mang (Pressesprecherin SVB) und Kilian Lembke (Pressesprecher SGVSH).