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| Zahlungsverkehr – Gastbeitrag

Kräfte bündeln, über Grenzen hinweg

Europa verfügt über eine effiziente und sichere Zahlungsinfrastruktur, sagt Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Doch die Zahlungen sollen digitaler werden.

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Die Bedürfnisse der Europäer sind – über die Grundversorgung hinaus – gewachsen. Zahlungen sollen schneller und digitaler werden. Sie sollen stärker in Wirtschafts- und Alltagsprozesse integriert und mit Mehrwerten verknüpft sein.

 
Ein neues Zahlungsverfahren muss zum digitalen Alltag der Menschen passen, sagt Burkhard Balz. © Bundesbank

Globale Internetkonzerne haben das erkannt. Sie machen ihren Kunden das Leben leichter, indem Zahlungen für Waren und Services fast unsichtbar ablaufen. Hinzu kommt, dass sie zunehmend direkt mit etablierten Anbietern konkurrieren und eigene Konten, Karten oder Kredite offerieren. In beiden Fällen treten die eigentlichen Leistungserbringer – Banken und Zahlungsdienstleister – in den Hintergrund. Plattformbetreiber besetzen somit die Kundenschnittstelle und schließen mit den Zahlungsdaten die letzten Lücken im digitalen Kundenabbild. Die Kräfteverhältnisse im europäischen Zahlungsverkehr verschieben sich.

Zwar haben auch die deutsche und europäische Kreditwirtschaft ihre Zahlungsangebote weiterentwickelt. Doch decken diese oft nur spezifische Bezahlsituationen ab. In Deutschland lässt sich zum Beispiel die Girocard derzeit nur an der Ladenkasse einsetzen. Daneben gibt es Kwitt, Paydirekt und Giropay.

Zahlungsverkehr der Zukunft

Um diese innerdeutsche Fragmentierung zu beenden, berät die Kreditwirtschaft unter #DK mögliche Konsolidierungsmaßnahmen. Das ist gut. Das kann jedoch nur ein erster Schritt sein, um sich für den Zahlungsverkehr der Zukunft zu rüsten.

Denn im Vergleich zu weltweit aktiven Plattformen reichen die Nutzerzahlen nicht aus, um Netzwerkeffekte voll auszuschöpfen, Skaleneffekte zu realisieren und genügend Ressourcen für Innovationen bereitzustellen. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern ebenso für andere nationale Zahlungslösungen im europäischen Markt. Zudem sind sie untereinander nicht kompatibel, was den Zahlungsmarkt – nach der Vereinheitlichung durch Sepa – erneut fragmentiert.

 
Gehört Bargeld bald der Vergangenheit an? Burkhard Balz fordert, dass Zahlungen schneller und digitaler werden. © dpa

Universelle europäische Zahlungslösung gesucht

Daher sind Überlegungen der europäischen Kreditwirtschaft, die Kräfte zu bündeln und sich gemeinsam dieser Herausforderung zu stellen, zu begrüßen. Übergeordnetes Ziel der Pan-European Payment Solution Initiative (PEPS-I) ist es, für die Kunden – Käufer wie Händler – eine universell einsetzbare, überzeugende europäische Zahlungslösung zu finden. Sie sollte im Einklang mit den Forderungen der Zentralbanken im Eurosystem sicher, einfach, nutzerfreundlich, kostengünstig und effizient Sepa-weit funktionieren, möglichst auf der Basis von Instant Payments.

Dabei gilt es, nicht nur an der Oberfläche Verbesserungen vorzunehmen, sondern sich strategisch schlagkräftiger aufzustellen. Es geht nicht um minimale Verbesserungen des Status quo, sondern um die Schaffung einer einheitlichen Nutzererfahrung in Europa mit klarem Markenbewusstsein und europäischer Governance.

Das neue europäische Zahlverfahren muss besser sein als die vorhandenen Alternativen, dabei sicherer vor Betrug schützen und Ausgaben transparenter darstellen. Es muss zum digitalen Alltag der Menschen passen und gleichzeitig den in Europa hohen Erwartungen an Daten- und Verbraucherschutz genügen. Und auch für die Zahlungsempfänger muss es attraktiv sein.

Kreditwirtschaft muss aktiv werden

Nicht zuletzt müssen die europäischen Banken und Finanzdienstleister als Anbieter ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln können, um die erforderlichen Investitionen zu wagen. Hier ist auch die EU-Kommission bei der Überprüfung der Interchange Fee Regulierung gefragt.

Die Kreditwirtschaft muss nun schnell aktiv werden und rasch voranschreiten. Politik, Regulierung und Kartellbehörden müssen zudem die richtigen Weichen stellen. Ganz wesentlich wird es darauf ankommen, Verbraucher und Händler auf dem Weg mitzunehmen.

Gelingt diese gewaltige Kraftanstrengung, könnten 500 Millionen Europäer im Jahr 2025 genauso selbstverständlich ein gemeinsames digitales Bezahlverfahren nutzen, wie heute schon das gemeinsame Euro-Bargeld. Und der Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehrsmarkt würde wieder mehr auf Augenhöhe stattfinden.