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| Kommunalforum Baden-Württemberg

Kreative Lösungen gefragt

Die Frage, wie der eklatante Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Griff zu bekommen ist, stand im Mittelpunkt des 23. Kommunalforums der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württembergs.

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Prof. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wies darauf hin, dass nicht alle Regionen von dieser Problematik betroffen sind. In den Metropolregionen aber werde sich die angespannte Lage noch verschärfen, weil Zuwanderer, Studenten und Arbeitssuchende vermehrt dorthin drängten. Er machte deutlich, dass der Erwerb von Wohneigentum, der für viele Wohnungssuchende mangels Eigenkapital unerschwinglich ist, die beste Absicherung gegen steigende Mieten sei.

Riskanter Unterbietungswettbewerb

Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg (SVBW), verwies auf die aus seiner Sicht „problematische Wirkung der Geldpolitik auf den Immobilienmarkt“. Viele Anleger suchten angesichts des daraus resultierenden Anlagenotstands einen sicheren Hafen und kauften Immobilien.

Das habe zu den explosionsartigen Preisanstiegen beigetragen, sagte Schneider beim 23. Kommunalforum der Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württembergs, zu dem 500 Vertreter von Sparkassen, Landkreisen, Gemeinden und Städten nach Baden-Baden gereist waren. Schneider kritisierte den scharfen Wettbewerb mit Kreditanbietern, die bisweilen zu „niedrigsten Konditionen und teilweise mit sehr langen Laufzeiten 100 Prozent finanzieren. Da baut sich ein erhebliches Risiko für diese Kreditgeber auf und ebenso für die Kreditnehmer.“

 
Gruppenbild beim Kommunalforum mit (von links) SVBW-Präsident Peter Schneider, Landrat Joachim Walter (Präsident Landkreistag BW), Roger Kehle (Präsident Gemeindetag BW), Oberbürgermeisterin der Stadt Baden-Baden Margret Mergen, Van Bo Le-Mentzel (Architekt), Elisabeth Oberzaucher (Universität Wien), Rolf Gaßmann (Vorsitzender Mieterverein Stuttgart), Ottmar Wernicke (Geschäftsführer Haus & Grund), Gudrun Heute-Bluhm (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Städtetag BW) und OB Prof. Eckart Würzner. © Perfectfotos.com

Die Sparkassen als wichtigster Immobilienfinanzierer im Ländle beteiligten sich nicht an diesem „Unterbietungswettbewerb“, so Schneider. Der SVBW-Präsident forderte die Bundesregierung, die der größte Profiteur dieser Geldpolitik sei, weil sie jährlich viele Milliarden Euro an Zinsen spare, auf, einen Teil der Ersparnis an die Sparer zurückzugeben – „zum Beispiel mit dem Ausbau der Wohnbauförderung. Jeder Mieter, der ins Eigentum zieht, macht eine Mietwohnung frei“, so Schneider.

Während die Teilnehmer uneins waren, ob es tatsächlich eine in vielen Kommunen geltende Mietpreisbindung brauche, herrschte weitgehend Konsens, dass der „Mangel an Bauland der Kern der Wohnungsfrage ist“, wie es Joachim Walter, Präsident des Landkreistages Baden-Württemberg, formulierte. Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, sprach sich dafür aus, den „Dschungel an Verordnungen und Normen“ zu lichten, der den Wohnungsbau behindere.

Als Gestalter mitwirken

Während Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschafts- und Wohnungsbauministerin in Baden-Württemberg, sich für marktwirtschaftliche Lösungen aussprach, plädierte Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Eckart Würzner dafür, nicht alles dem Markt zu überlassen. Städte müssten mit Hilfe kommunaler Wohnungsbauunternehmer als Gestalter und Entwickler wirken und eine offensive Rolle etwa bei der Konversion frei werdender Flächen spielen.

Eine andere Sichtweise brachte die Wiener Professorin und Evolutionsbiologin Elisabeth Oberzauch in die Diskussion ein. „Nur wenn wir die Bedürfnisse und Verhaltenstendenzen der Menschen ins Zentrum von Planungsüberlegungen stellen, können wir nachhaltig lebenswerte Städte schaffen“, sagte sie. Sie warnte davor, sich ausschließlich auf technische Lösungen zu konzentrieren.

 
Vielleicht ja ein Lösungsansatz: Mobiles Haus des Architekten und Designers Van Bo Le-Mentzel. © dpa

Umdenken statt "immer mehr"

Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel, der durch das Ein-Quadratmeter-Haus bekannt wurde, forderte ein Umdenken. Ein „Immer mehr“ sei keine Lösung. Le-Mentzel präsentierte seine Vision eines Städtebaus der Zukunft, die den Namen „Circular City“ trägt. In dieser Utopie werden Tiny Houses, Mehrgenerationenhäuser, Shopping Malls und Kleingärten übereinander gestapelt. Das soll nach den Vorstellungen des Architekten eine Kultur des Miteinanders statt des Gegeneinanders zum Ausdruck bringen.