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| Nachhaltigkeit

Kunden wollen Produkte sehen

Der Grünen-Spitzenpolitiker Robert Habeck lobte das Geschäftsmodell der Sparkassen als zukunftsorientiert. In Fragen der Nachhaltigkeit zählt dies aus Kundensicht aber wenig.

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Sparkassen werden beim Thema Nachhaltigkeit an ihren Produkten gemessen, das Geschäftsmodell oder gesellschaftliches Engagement zählten dagegen weniger. Das sagte Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, auf der Vorständetagung „Märkte und Strategien“ in Berlin. Die Ergebnisse einer Kundenbefragung hätten ihm gezeigt, dass die nachhaltige Ausrichtung des Instituts vielen Kunden nicht genügend bekannt sei.

 
Alexander Wüerst, Vorstandschef der Kreissparkasse Köln, erläuterte in der Podiumsdiskussion die mit Nachhaltigkeit verbundenen Herausforderungen für die Sparkassen.

Wüerst warnte zudem, dass einige Nachhaltigkeitszertifikate wenig Aussagekraft über die tatsächliche Ausrichtung eines Unternehmens hätten. Für das, was seine Sparkasse in diesem Bereich leiste, lägen die Hürden teils sehr niedrig. Dennoch seien die Zertifikate für institutionelle Kunden von wachsender Bedeutung.

Nachhaltigkeitskriterien spielten auch für die Finanzaufsicht Bafin eine wachsende Rolle. Wüerst warnte aber davor, dass aus gut gemeinten regulatorischen Vorgaben keine neuen bürokratischen Hemmnisse erwachsen sollten, die wiederum kleine Kreditinstitute überproportional belasten.

Bürokratie hat kulturelle Ursachen

Die Nachhaltigkeit im Bereich der Taxonomie müsse differenziert sein, sagte Habeck wiederum. Dies müsse aber nicht notwendigerweise zu mehr Bürokratie führen. Bürokratie sei aus seiner Sicht auch ein Problem der Führungskultur in Politik, Behörden und Unternehmen.

 
Nicht nur Redner bei der Sparkassen-Tagung: Grünen-Chef Robert Habeck (vorne rechts) neben DSGV-Vorstandsmitglied Karl-Peter Schackmann-Fallis.

Wenn Führungskräfte sich in jeder Beziehung gegen Fehler absichern wollen, würde sich dies in der Hierarchie fortsetzen. Sodass am Ende Berater engagiert würden. Deren Konzepte könnten wiederum umgesetzt werden, ohne dass die Beteiligten selbst am Ende verantwortlich gemacht werden.

Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen forderte, dass Führungskräfte wieder mehr Verantwortung übernehmen sollen, um diesem Dilemma ausufernder Dokumentation und Absicherung zu entkommen. Denn dies führe am Ende zu den bürokratischen Auswüchsen, unter denen beispielsweise Finanzwirtschaft, aber auch Landwirtschaft leiden müssten.

Nachhaltigkeit nicht nach dem Muster des Kapitalmarkts

Bei der Ausrichtung der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit müsse dies mit einem gesellschaftlichen Wandel einhergehen, forderte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Die Messlatte dafür sollte nicht der Kapitalmarkt sein.

 
Nachhaltigkeit sollte nicht nach den Vorgaben des Kapitalmarkts gestaltet werden, sondern einen Kulturwandel in den Unternehmen erfordern, so Professor Christopher Storck.

Diese Gefahr sieht auch Professor Christopher Storck von der Quadriga Hochschule Berlin. CSR-Richtlinien und Nachhaltigkeit seien oft ein Feigenblatt börsennotierter Unternehmen, die wie beispielsweise Coca-Cola ein gesellschaftlich schädliches Wirken kaschieren wollten. Das hätten Sparkassen aus seiner Sicht nicht nötig, da ihr Geschäftsmodell von Finanzdienstleistungen für alle Menschen tatsächlich nötig sei.

„Sparkassen müssen ein für die Gesellschaft dringend notwendiges Geschäftsmodell in die Zukunft übertragen“, so Storck. Ein wichtiger Vorteil für die Sparkassen könnten dabei vor allem Nähe und Menschlichkeit sein. Kapitalmarktorientierte Unternehmen würden dagegen auf Effizienz setzen und prägten ein zunehmend entmenschlichtes Bild der Wirtschaft prägen.