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| EZB-Sitzung

Lagarde muss mit kritischen Fragen rechnen

Bei der nächsten EZB-Zinssitzung geht es um Strategiefragen und die lockere Geldpolitik. EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte der Finanzbranche entgegenkommen.

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Aus Sicht von Experten wird der anstehende Strategiecheck der Euro-Notenbank das beherrschende Thema der ersten EZB-Zinssitzung sein. Investoren erwarten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach dem Ratstreffen am Donnerstag Auskunft über Themen und Ausrichtung der geplanten großen Überprüfung.

Angesichts der Differenzen über die jüngsten Lockerungschritte im EZB-Rat dürfte das Mammut-Vorhaben die Moderationsfähigkeiten der neuen Notenbankchefin, die seit November im Amt ist, auf eine harte Probe stellen. Am Leitzins, der bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, wird die EZB voraussichtlich nicht rütteln. Lagarde dürfte aber auf der Pressekonferenz nach den Nebenwirkungen der jahrelangen ultralockeren Ausrichtung gefragt werden.

„Da die Geldpolitik in der Warteschleife steckt, kann sich der EZB-Rat ganz auf die Strategieüberprüfung konzentrieren“, sagt Oliver Rakau, Chefvolkswirt des britischen Forschungsinstituts Oxford Economics. Er rechne damit, dass Lagarde am Donnerstag offiziell den Startschuss für das Vorhaben gebe.

 
„Es wird jeder Stein umgedreht“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur anstehenden Strategieüberprüfung der Notenbank. © dpa

Letztmalig hatte die EZB vor 17 Jahren ihre Strategie überarbeitet. Damals wurde das bis heute gültige Inflationsziel festgelegt. Die Überprüfung soll aber auch die Messung der Inflation, die Effektivität der geldpolitischen Instrumente sowie Themen wie den Klimawandel oder Einkommensungleichheit umfassen. Lagarde hatte im Dezember in Aussicht gestellt, es werde jeder Stein umgedreht.

Debatte über die Negativzinsen

Experten rechnen zudem damit, dass Lagarde auf der Pressekonferenz nach den möglichen schädlichen Folgen der jahrelangen Negativzinspolitik gefragt wird. „Sie wird den Spagat meistern müssen, deren Notwendigkeit hervorzuheben und zugleich betonen, dass man die Nebenwirkungen im Auge behalte“, sagt DZ-Bank-Analyst Christian Reicherter.

In Deutschland werden die Minuszinsen sehr kritisch gesehen. Die deutschen Privatbanken dringen auf einen schnellen Ausstieg aus der Politik der Minuszinsen. Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Toncar, hält es für dringend notwendig, dass sich die neue EZB-Chefin mit den Nebenwirkungen ihrer Geldpolitik beschäftigt.

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters rechnen Volkswirte damit, dass die EZB im laufenden Jahr keinen ihrer Schlüsselzinsen verändern wird. Manche Experten halten es aber für möglich, dass sie den Banken stärker entgegen kommt und in diesem Jahr den Freibetrag an Geldern hochsetzt, die vom Negativzins ausgenommen werden. rtr