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| Sparkassentag 2019

Mehr Plattform wagen

Während klassische Unternehmen Waren oder Dienstleistungen verkaufen, dienen Plattformunternehmen als Marktplätze, bringen Firmen und Kunden zusammen. Den Übergang der Sparkassen in die neue Art des Wirtschaftens unterstützt die Deutsche Leasing im Firmenkundengeschäft. Ein Gastbeitrag von Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG.

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Weltweit begeistern Unternehmen wie Airbnb, Uber und Amazon ihre Kunden mit Lösungen, die nicht nur die Wirtschaft in Teilen auf den Kopf stellen, sondern auch gesellschaftlich einiges verändern. Wer per Klick auf der Straße einen Übernachtungsplatz bucht, ein Fahrzeug herbeiruft oder ein beliebiges Produkt bestellt, der entwickelt zu Hotels, Autos und zum Einzelhandel eine ganz neue Beziehung. Währenddessen entgleitet den traditionellen Playern das Geschäft. Gefangen in ihrem bisher gültigen ökonomischen Verständnis finden sie bisher kein wirkliches Gegenmittel.

Wir befinden uns im Übergang von der Pipeline- zur Plattformwirtschaft, die von Ökosystemen geprägt ist. Während Pipeline-Unternehmen Waren herstellen oder Dienstleistungen anbieten und diese mit Gewinn verkaufen, etablieren sich Plattformunternehmen als Marktplätze, bringen Hersteller, Werbetreibende und Kunden zusammen und profitieren von Gebühren, Provisionen oder Werbeeinnahmen. Natürlich sind Marktplätze nichts grundsätzlich Neues, doch durch die Digitalisierung erhalten sie eine völlig neue globale Dimension und Dynamik.

 

Neulinge rollen Branchen auf

Selbst wenn Fintechs und Unternehmen wie N26 Achtungserfolge erzielen, ist die Finanzwirtschaft davon nicht in diesem Maße betroffen. Noch hat sich keine Plattform etabliert, die in vergleichbarer Weise global die Finanzgeschäfte von Privat- und Firmenkunden bündelt. Beruhigen sollte uns das nicht. Nicht wenige Neulinge haben zuletzt ihnen gänzlich fremde Branchen aufgerollt. Heute erschließen Plattformen, die sich durch die Netzwerkeffekte zu Quasimonopolen entwickeln, immer mehr Wirtschaftszweige und erbringen bereits einen nennenswerten Teil der globalen Wirtschaftsleistung.

Der Siegeszug der Plattformökonomie beruht nicht nur auf den konsequent umgesetzten digitalen Geschäftsmodellen, sondern auch auf der Umsetzung der Digitalisierung innerhalb der Unternehmen selbst und einem Denken in Netzwerken. Der zukünftige Erfolg von Unternehmen vieler Branchen hängt von drei Aspekten ab: Sie müssen sich mit dem Prinzip der digitalen Plattformökonomie auseinandersetzen und ihre eigene Antwort darauf finden. Zweitens müssen sie ihre eigene Digitalisierung vorantreiben, um Effizienz zu steigern und Innovationen zu fördern. Drittens müssen sie branchenübergreifend denken, Verbündete und Kooperationspartner finden und sich mit diesen verzahnen. Diese Aspekte, die selbstverständlich auch für Finanzdienstleister gelten, sind eng miteinander verbunden.

Insbesondere die erfolgreichen Neu­linge zeigen, dass Branchen heute durchlässiger sind und smarte Netzwerke wertvoller sein können als die enge Branchen­expertise. Bei dieser Weiterentwicklung spielen Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Es gilt nicht nur, sie bei der Digitalisierung mitzunehmen, sie von den Möglichkeiten der neuen Technologien zu begeistern und ihnen Ängste zu nehmen. Sie sind auch eine Quelle von Innovationen, die das Unternehmen in der Umsetzung der großen strategischen Entscheidungen weiterbringen.

Nicht umsonst sind Unternehmen wie Google berühmt dafür, ihren Mitarbeitern immer den Freiraum gelassen zu haben, eigene Projekte zu verfolgen. Doch selbst dort hat sich die berühmte „80/20-Prozent-Regel“ über die Jahre gewandelt. Dies zeigt, dass ein Wildwuchs von Projekten nicht zielführend sein kann. Am Ende des Tages muss jede Innovation entweder zur Gesamtstrategie passen oder gut genug sein, ihr einen neuen Impuls zu geben. Dies gilt für Unternehmen, kleine wie große, es gilt auch für Verbünde wie die Sparkassen-Finanzgruppe, deren Einheiten und Partner zurzeit mit großem Engagement digitale Innovationen für das Privat- und Firmenkundengeschäft vorantreiben.

Mit dem S-Hub betreibt die Gruppe bereits ein übergeordnetes Innovationslabor, ähnliches findet sich bei einzelnen Verbundpartnern und einigen großen Sparkassen. Auch die Deutsche Leasing verfügt über eine Digital Innovation Unit, die bereits eigene Ansätze der Plattform-Ökonomie für Firmenkunden testet. Wir sind darüber hinaus an einem Konsortium beteiligt, das den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Finanzbranche erforscht. Gemeinsam mit einem großen Industriepartner haben wir dieses Jahr ein „Pay per use“-Projekt pilotiert, um flexible Bezahlmodelle zu testen, die in der „Industrie 4.0“ immer wichtiger werden. Mit der Entwicklung der „2-Minuten-Zusage mit Online-Abschluss“ für Geschäfts- und Gewerbekunden für die Internetfilialen der Sparkassen unterstützen wir das Online-Angebot für Firmenkunden der Sparkassen-Finanzgruppe proaktiv – zunächst mit Pilotsparkassen und jetzt in der Phase des Rollouts.

Filialgeschäft wird gestärkt

Der Bedarf an solchen schnellen, einfachen, digitalen und konsolidierten Lösungen, die über jede Sparkasse online abrufbar sind, wird auch im Geschäfts- und Gewerbekundensegment weiter zunehmen. Für die Sparkassen – und gemeinsam mit ihnen – werden wir dieses Segment weiter ausbauen und Plattformlösungen entwickeln. Der Regionalitätsgedanke­ steht dazu nicht im Widerspruch, im Gegenteil: Lösungen werden vernetzt innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe ent­wickelt, aber lokal nach Zielgruppenbedarf eingesetzt und stärken so das stationäre Geschäft in der Filiale und den Berater am Kunden. Diese komplementäre Verflechtung der Plattformidee einerseits und des dezentralen Charakters andererseits kann eine große Stärke der Sparkassen-Finanzgruppe werden.

Wenn wir in einer zunehmend von Plattformökonomie geprägten Welt bestehen wollen, müssen wir noch innovativer und schneller werden, uns innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe in Zukunft noch intensiver austauschen, die eigenen Netzwerke weiter ausbauen und noch mehr voneinander lernen, mit dem Ziel, von Wissen und Erfahrungen gegenseitig zu profitieren. Wenn es uns gelingt, unseren Kunden als eine Plattform im Sinne eines verzahnten Ökosystems zu erscheinen, die persönliche, regionale Beratung mit dezentralen Online-Angeboten verbindet, dann werden wir in Zukunft gemeinsam schlagkräftiger im Markt auftreten können.

Weitere Berichte und Gastbeiträge zum Sparkassentag finden Sie unter sparkassenzeitung.de.

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