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| Zinspolitik

Mit großer Sorge

Die Geldpolitik lasse die Gefahr von Fehlallokationen und Blasenbildungen wachsen, sagen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe. Mit dem Niedrigzins gehe ein Verlust an Wertorientierung einher.

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Die Europäische Zentralbank betreibt seit Jahren mit Negativzinsen und Wertpapierkaufprogrammen sowie einer überreichlichen Liquiditätsversorgung eine sehr lockere Geldpolitik. Ausgangspunkt waren die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Finanzkrise 2007/08 und der Euro-Schuldenkrise 2011/12. Das Anfang des Jahres avisierte Einschwenken auf einen allmählichen Normalisierungskurs kam zum Stillstand. Spätestens seit der Ratssitzung im September ist deutlich geworden, dass das Niedrig- und Negativzinsumfeld noch länger Bestand haben wird – mit ihm auch die negativen Begleiterscheinungen.

Mit großer Sorge beobachten dabei die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe, dass die Signalfunktionen von Preisen und Zinsen zunehmend nicht mehr bestehen. Weder Preise noch Zinsen zeigen die wahren Knappheiten an den Märkten an. Die Gefahren von Fehlallokationen, Blasenbildungen und Verlust an Wertorientierung wachsen. Insofern bleibt die Geldpolitik gefordert, alles zu unternehmen, nicht den sogenannten Umkehrzins – ab dem unsere Wirtschaftsordnung in eine schwerwiegende Krise gerät – weiter anzusteuern.

EZB sollte Strategie überdenken

Für die Geldpolitik bleibt es wichtig, keine neuen expansiven Maßnahmen zu beschließen. Die EZB sollte ihre Strategie von daher überdenken. Gefordert bleiben jetzt Wirtschafts- und Finanzpolitik, die im Euroraum und in Deutschland einen verlässlichen Pfad von Strukturreformen und zusätzlichen staatlichen Investitionen hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufzeigen müssen. Eine Wachstumsstrategie für den Euroraum und Deutschland bleibt daher unerlässlich.

Vor diesem Hintergrund haben die Chefvolkswirte die Auswirkungen der langen Phase ungewöhnlich niedriger und oftmals sogar negativer Zinssätze beleuchtet und für die zentralen Assetklassen Kreditwirtschaft, Unternehmen, Altervorsorge und Staat den Handlungsbedarf analysiert. Dieser Standpunkt (er ist unten als Anhang verfügbar) untersucht die vier Haupthandlungsfelder Kreditwirtschaft, Unternehmen, Alterssicherung und Wirtschafts- und Finanzpolitik.