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| Strategie

Nachhaltigkeit durch die Chancenbrille

Kundennähe heißt, gesellschaftliche Entwicklungen in Leistungen zu übersetzen. Beim Thema Nachhaltigkeit könnten die Sparkassen diese Fähigkeit noch stärker zur Geltung bringen.

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Die Nachhaltigkeit ist wieder da - als soziales Schlagwort und als ökonomischer Begriff. Das hat einerseits ökologische Gründe – vor allem in Europa werden Klimawandel und Umweltzerstörungen als weltumspannende Tragödie wahrgenommen. Die Hauptrollen spielen Nationalstaaten und Staatenverbünde.

Suche nach dem Banking mit Sinn

Andererseits hat die Finanzkrise von 2008 zahlreichen Verbrauchern vor Augen geführt, dass Geldinstitute Geschäftsmodelle haben können, die weder ökonomisch tragfähig, noch sozial verträglich sind – und die zumindest nicht verhindern, dass sich das ökologische Drama fortsetzt.

Die Suche nach „Banking mit Sinn“ nimmt deshalb zu. Davon profitiert hierzulande nicht nur die bereits 1974 gegründete und genossenschaftlich organisierte GLS Bank, die mit dem „GLS Girokonto für Nachhaltigkeit“ und ebensolchen Anlageprodukten wirbt.

Viele Häuser erkennen das Potenzial

Auch in der Sparkassen-Finanzgruppe sehen einige Häuser das Thema „durch die Chancenbrille“, wie DSGV-Präsident Helmut Schleweis sagte. Schleweis sprach jetzt zum Thema bei der Strategietagung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands. In dessen Geschäftsgebiet sei die Bereitschaft erkennbar, sich dem Thema zu stellen, Projekte umzusetzen und aktiv zu kommunizieren.

Institute unterschiedlicher Größe wie etwa die Sparkasse Köln Bonn, die Kreissparkasse Köln sowie die Häuser in Heinsberg und Wuppertal haben laut Schleweis das Potenzial des Nachhaltigkeitstrends erkannt. Die Kreissparkasse Waiblingen in Baden-Württemberg hat sich ebenfalls frühzeitig positioniert.

Deka-Produkte für kritische Anlagekunden

Auch aus dem Verbund gibt es bereits passende Lösungen. Zum Beispiel bietet die Deka kritischen Anlagekunden nachhaltige Produkte. Zu den aufmerksamen Trendsettern zählt auch die Landesbank Baden-Württemberg und deren Research-Abteilung. „Danke, sehr gut!“, lobte der DSGV-Präsident bei der Strategietagung.

Drei Handlungsfelder für Sparkassen

 
Nachhaltigkeit hat unternehmerische, soziale und ökologische Facetten, sagt DSGV-Präsident Helmut Schleweis. © DSGV

Schleweis identifizierte unternehmerische, soziale und ökologische Facetten des Nachhaltigkeitsbegriffs und nannte Ansatzpunkte für den Verbund in allen drei Bereichen.

⇒ Um etwa Unternehmenskunden bei der Umstellung auf nachhaltige Produktionsmethoden überzeugend zu beraten, müssten die Häuser auch selbst ihren „ökologischen Fußabdruck“ vermessen können.

⇒ Beim sozialen Aspekt stellte der DSGV-Präsident fest, dass zwar alle Sparkassen weibliche Beschäftigte ausbildeten, dann aber das Potenzial weiblicher Führungskräfte für sich weitgehend ungenutzt ließen: „Betriebswirtschaftlich betrachtet, ist das reine Verschwendung“, so Schleweis.

⇒ Beim Thema Anlage kritisierte der DSGV-Präsident, viele Sparkassen nutzten die nachhaltigen Finanzierungs- und Anlageprodukte der Verbundanbieter weder im Kundengeschäft noch im Depot A.

EU-Kommission schafft Tatsachen

Der Handlungsdruck steigt auch deshalb, weil das Thema längst auf der Agenda der Regulierer steht. Die EU-Kommission  hat im März 2018 einen Aktionsplan zu „Sustainable Finance“ vorgelegt. Er soll unter anderem bewirken, dass Kapital in nachhaltige Investitionen fließt.

Auch der zu Jahresbeginn 2019 veröffentlichte Regelungsentwurf der Kommission zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsthemen in der Kundenberatung von Geldinstituten baut auf dem Aktionsplan auf.

Bereits Ende 2017 hatten Zentralbanken und Aufsichtsinstitute ein sogenanntes „Network for Greening the Financial System“ gegründet, dem sich mittlerweile etwa 40 Institutionen angeschlossen haben.

Nicht erst auf weitere Regeln warten!

In wenigen Monaten wird auch die deutsche Aufsicht erste Konzepte vorlegen, wie sich das Nachhaltigkeitsmanagement in die Banksteuerung integrieren lässt.

Grundzüge des regulatorischen Rahmens stehen also bereits, und DSGV-Präsident Schleweis appelliert an die Sparkassenvorstände, selbst aktiv zu werden und nicht auf weitere Regeln zu warten. Es genüge heute nicht mehr, sich auf den öffentlichen Auftrag zu berufen, um als nachhaltig zu gelten. „Auch wenn wir das nicht gerne hören: Diesen Beweis müssen wir selbst aktiv antreten – ökologisch, unternehmerisch und sozial“, so der DSGV-Präsident.