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| Sparkassentag 2019

Neue Geschäftsmodelle für die Sparkasse der Zukunft

Im neuen Format "Speakers' Corners" bietet der Sparkassentag Raum für den informellen Austausch vor allem mit Firmenpartnern. Digitalisierung verändert dabei, so der rote Faden durch die Gesprächsrunden, so gut wie sämtliche Geschäftsprozesse.

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Digitalisierung im Private Banking: Beratung mit 360-Grad-Blick

Das Schweizer Fintech Crealogix will die Beratung im Private Banking aktiv verändern. Das Geschäftsfeld trifft nach Erfahrungen von Nils Ciach, Head of Product Management Digital Advisory, zunehmend auf jüngere Kunden, die Erbengeneration, wodurch sich unter Umständen Werte verändern. „Auf einmal ist Nachhaltigkeit von Investments ein wichtiges Thema“, so Ciach. Generell erwarten die Kunden, dass die Sparkasse mit ihnen genauso kommuniziert, wie sie es aus dem Privaten kennen: „Dies verändert die Beziehung zwischen Berater und Kunde gravierend.“

Crealogix, aktuell Partner von derzeit 150 Sparkassen, wird deshalb im neuen OSPlus Release 19.0, das in diesen Tagen ausgerollt wird, diese neue Sicht auf Private Banking in seiner integrierten strategischen Finanzplattform abbilden. In den Mittelpunkt rückt damit eine sogenannte Hybrid-Beratung. Sie ergänzt das klassische Beratungsmodell um digitale Services, die sich gegebenenfalls zusätzlich bepreisen lassen. Eröffnet werden dadurch neue Chancen für Crossselling.

Hybride Beratung hat aus Sicht von Crealogix mehrere Dimensionen. Berater und Kunde arbeiten danach heute zusammen. Aus dem Kunden als Konsument mit Ergebnisausdruck wie früher wird ein Partner auf Augenhöhe, der online auf dieselben Daten und Tools zugreifen kann. Der Kunde bedient eine Software, die individuell auf ihn zugeschnitten ist, so die Idee nicht nur von Crealogix. Auf diese Weise kann ein deutlicher Mehrwert für den Kunden geschaffen werden.

Aber auch der Berater wird etwa durch automatisierte Kontoprofile, die aus den Kundenumsätzen und weiteren Informationen generiert werden, in die Lage versetzt, dem Kunden ständig Tipps und andere Empfehlungen zu geben – auch über den eigentlichen Finanzbereich hinaus. Die Crealogix-Lösung wird auch sukzessive in OSPlus-Neo übertragen. Geschaffen wird ein Dashboard, das sämtliche Endgeräte, also auch mobile Lösungen wie Smartphones und Tablets „bedient“. Kunden können darüber künftig verstärkt selbst Daten abfragen (z. B. ihre aktuelle Asset-Struktur).

Einige Funktionen kommen neu hinzu, etwa der Stammbaum, wo der Kunde seine familiären Verbindungen hinterlegt. Damit verfügt der Berater über Informationen, um das Thema Generationenmanagement leichter angehen zu können. Auch die Immobilienanalyse eröffnet für Berater wie Kunden neue Perspektiven. „Solche Tools verbessern im Gegensatz zu früher vor allem die Gesprächsvor­bereitung. Auf einen Blick sieht der Berater im System mögliche Anknüpfungspunkte für Neugeschäft“, ist sich Ciach sicher.

Kommunen mit Sparkassenlösungen digital aufrüsten

Kommunen und Sparkassen haben vor allem im Bereich der Digitalisierung wichtige Anknüpfungs­punkte, hat Frank Büttner, Chef von Girosolutions, in einer weiteren Gesprächsrunde der Speakers' Corner hervorgehoben. In einer Kommune mit 100.000 Einwohnern müssen schon heute pro Jahr rund 80.000 Eingangsrechnungen verarbeitet werden. An diesem Punkt stehen in den Kommunen bis 2020/22 gravierende digitale Veränderungen an - bedingt durch neue Vorgaben aus dem E-Rechnungsgesetz. Daraus erwächst laut Büttner eine hohe Verpflichtung, wesentliche Geschäftsvorfälle zu digitalisieren. Girosolutions unterstützt die Kommunen gemeinsam mit den Sparkassen an diesem Punkt mit dem S-Rechnungs-Service.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die kommunale Schuldenverwaltung. „Sie zu digitalisieren ist eine wichtige Herausforderung, der sich Girosolutions schon in der Vergangenheit erfolgreich gestellt hat“, so Büttner. Die 18 größten kommunalen Rechenzentren und rund 360 Kommunen insgesamt arbeiten derzeit mit der Lösung S-Kompass. Gerade für kleine und mittlere Städte sowie Kreise ist sie ein wesentlicher Baustein, um einen Überblick über ihre Verbindlichkeiten zu bekommen.

Ein weiteres Problem, das die Kommunen verstärkt angehen müssen, ist die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. „Vor allem brauchen sie ihn künftig als fallabschließendes Element beispielsweise zum elektronischen Bezahlen von Pässen oder anderen kommunalen Leistungen“, weist Büttner auf die große Dringlichkeit hin.

Doch bei digitalen Lösungen allein will Girosolutions nicht stehen bleiben. Büttner glaubt, dass vor allem auch die Mitarbeiter fit gemacht werden müssen für die digitale Kommune, um sie adäquat beraten zu können. Ferner sollte man alle digitalen Fachverfahren daraufhin überprüfen, ob sie Andockpunkte für Sparkassenangebote bieten. Für die Identitätsfeststellung kann er sich etwa den Einsatz von Yes, den neuen Identitätsservice der S-Finanzgruppe, vorstellen.

Cash ist nicht mehr King: Payment im Umbruch

Die Londoner Stadtverwaltung hat nahezu sämtliche Straßenmusikanten mit Kartenlesegeräten ausgestattet, an denen Zuhörer bargeldlos einen standardmäßig eingestellten Obolus von zwei Pfund entrichten können. Diese zugegeben eher exotische Anwendung zeigt aber, dass Bargeld in vielen Ländern und an vielen Punkten auf dem Rückzug ist. „Cash ist nicht mehr King zeigen aktuelle Marktforschungsergebnisse“, hat Carl Frederic Zitsche, Geschäftsführer des Zahlungsdienstleisters BS Payone in seiner Speakers‘ Corner-Runde betont. Der Bargeldanteil an den Umsätzen beträgt nur noch 48,3 Prozent, während der Anteil der Kartenzahlungen auf 48,6 Prozent gestiegen ist. „Mit einem erfreulichen Anteil der Girocard von über 30 Prozent“, so Zitsche.

Ein Blick auf den europäischen Markt zeigt für den BS Payone-Manager das große, aktuell noch brachliegende Potenzial in Deutschland. Denn während man in Norwegen auf jährlich im Durchschnitt 450 Kartentransaktionen pro Person bei 30.000 bis 40.000 Akzeptanzstellen kommt, sind es in Deutschland noch magere 50 auf 10.000 Akzeptanzstellen. Büttner erwartet auf Nachfrage aus dem Plenum aber deutliche Steigerungsraten.

Den Sparkassen rät Büttner, vor allem den strategischen Kontrollpunkt im E-Commerce nicht aus der Hand zu geben und Dienstleistern wie Paypal hier nicht das Feld zu überlassen: „Ich muss Sie daran erinnern, dass Paypal eine Luxemburger Vollbanklizenz hat und der Zahlungsverkehr lediglich ein Steigbügelhalter ins komplette Banking sein dürfte.“ Das Risikopotential wird für ihn am Beispiel Wirecard, dem neuen Payment-Anbieter, überdeutlich, der eine klassische Bank sogar bereits aus dem Dax verdrängt hat.

E-Banking ist aus Zitsches Sicht in den Häusern auf der Agenda, aber „Sparkassen müssen die Kundenbeziehung absichern, um das Einfallstor für andere Marktteilnehmer zu schließen". Der S-Händlerservice liefert deshalb „360-Grad Payment-Leistungen aus E-Commerce, M-Commerce und vor Ort“. Schon heute werden gemeinsam mit den Sparkassen 100.000 Geschäfts- und Firmenkunden betreut.

Eine ganz neue Perspektive ist für Zitsche der Zusammenschluss mit Ingenico, wodurch das neue Unternehmen zum deutschen Marktführer mit 350.000 Terminals aufgestiegen ist. Für Sparkassen gibt es aktuell exklusive Vorzugskonditionen (Terminals + Transaktionsabwicklung).