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| LBBBW-Kommentar

Ratlosigkeit prägt IWF-Jahrestagung

Die Wirksamkeit der Geldpolitik wird angezweifelt, Besorgnis herrscht über die Wachstumsaussichten. So fasst LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert die Stimmung auf der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen.

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Das große Jahrestreffen der Finanzwelt in Washington ist all-jährlich ein Spiegelbild der Erwartungen. Und in diesem Jahr war vor allem eine Menge Verwirrung über den aktuellen Stand der Dinge zu spüren sowie eine erhebliche Besorgnis über die Aussichten für die Politik und damit für das Wachstum.

Wie wir wissen, ist das globale Wachstum schwach. Der IWF nennt es einen synchronisierten Abschwung, aber ich denke nicht, dass das ganz richtig ist. Die Schwäche konzentriert sich stark auf das Verarbeitende Gewerbe und den Welthandel, so dass Länder wie Deutschland weit mehr leiden als Länder mit höherem Gewicht bei Dienstleistungen und Binnennachfrage.

 
Beim IWF Jahrestreffen herrscht selbst bei führenden Vertretern Unsicherheit über die kommenden aussichten. Im Bild IWF-Direktorin Kristalina Georgieva (r.) und Südafrikas Notenbankchef Lesetja Kganyago. © dpa

Und auf der ganzen Welt halten sich die privaten Haushalte recht gut, was von nahezu allen Bankchefs in den verschiedenen Diskussionsforen als Grund für den Optimismus angesehen wurde, dass es nicht so schlimm wird.

IWF-Prognose ist unglaubwürdig

Trotzdem habe ich niemanden gefunden, der an die zentrale Prognose des IWF für eine bescheidene weltweite Erholung im nächsten Jahr glaubt - und ich bezweifle stark, dass der IWF dies selbst glaubt. Die Hauptursache der Schwäche ist Trumps Angriff auf den Handel und die Auswirkungen auf die Stimmung und damit auf die Investitionen.

 
Die Frage der Handelspolitik könnte für die Konjunktur (im Bild der Hamburger Hafen) entscheidender werden, als das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. © dpa

Der Konsens in Washington war, dass selbst das zwischen den USA und China angekündigte "Phase 1" -Handelsabkommen für beide Seiten nur eine kurzfristige Ruhepause darstellt und wenig Aussicht auf eine Phase 2 bietet. Der frühere Präsident der New Yorker Fed, Bill Dudley, merkte an, dass die Frage einer Rezession in den USA in den nächsten ein oder zwei Jahren stark davon abhängt, wie aggressiv Trump im nächsten Jahr in der Handelspolitik vorgeht.

Angeschlagene Institutionen: IWF und Weltbank

Der traurige Zustand der globalen Politik wurde in praktisch jeder Kaffeepause diskutiert. Unterdessen ist die EZB-Politik hier und zwar aus allen Regionen inkl. USA und Japan (!) ziemlich kritisiert worden, während die Teilnehmer über den Widerstand der Europäer namentlich der Deutschen gegen mehr Fiskalpolitik verwundert sind.

 
LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert: Die derzeitige Lage der Weltpolitik sorgt für Unsicherheit an den Märkten. © DSGV

Diese weit verbreitete Enttäuschung gegenüber der politischen Führung ist das alles dominierende Bild gewesen. Massiv neu im Vordergrund der Tagungen stand v.a. wie wir den Klimawandel bekämpfen können. Wir wissen, wo Trump steht, und wir wissen im Großen und Ganzen wie China und andere Schwellenländer ihren Anteil diesbezüglich einschätzen. Dies stellt Europa vor eine große Aufgabe. In den Staaten Mittel- und Nordeuropas ist in Bezug auf den Klimawandel mächtig Druck im politischen Kessel, aber im Süden und im Osten der EU hat man derzeit andere Prioritäten. Die EU dürfte es daher bei allgemeinen Absichtserklärungen belassen und auf den UN-Gipfel im Dezember in Chile verweisen.

Insgesamt war die Stimmung bei der IWF-Jahrestagung sehr gedämpft. Die Leistungsfähigkeit der Notenbanken wurde zunehmend angezweifelt, die Auswirkungen der neuen Technologien wurde nur z.T. umrissen, volkswirtschaftlich überhaupt nicht. Es bleibt viel zu tun - aber die Institutionen IWF und Weltbank sind sich leider 70 Jahre nach ihrer Gründung ihrer Sache und ihrer Existenz nicht mehr sicher - was vernünftige Lösungen extrem erschweren wird.