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Sparkassenverband Westfalen-Lippe / Geschäftszahlen
„Immobilienpreise einbeziehen“
Die Sparkassen in Westfalen-Lippe haben eine neue Berechnung der Inflationsrate für EU-Länder gefordert. Die Folgen der bisherigen EZB-Politik machen den Instituten zu schaffen.

In die Kalkulation der Teuerungsrate müsse die Entwicklung der Immobilienpreise eingeschlossen werden, sagte die Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe (SVWL), Liane Buchholz, am Montag in Münster. Ausgerechnet die „exorbitant gestiegenen Preise für selbst genutztes Wohneigentum“ würden bei der Festlegung der Inflationshöhe nicht berücksichtigt.

Buchholz: „EZB hat Inflationsziel längst erreicht“

Dabei habe die Europäische Zentralbank unter Einbeziehung des Immobilienpreisanstiegs ihr Inflationsziel von zwei Prozent längst erreicht. Sobald die Immobilienpreise eingerechnet würden, „hat der Null- und Minuszins der Europäischen Zentralbank keine Existenzberechtigung mehr“.

Im Rahmen eines Strategiechecks überprüft die EZB derzeit auch, ob die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum bei der Ermittlung der monatlichen Inflationsrate im Euroraum einfließen sollen oder nicht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte argumentiert, dass die ausgewiesene Teuerung die Preisentwicklung womöglich nicht angemessen widerspiegele.

Zinsüberschuss sinkt, Provisionen wachsen

Die Folgen der von der EZB beschlossenen niedrigen Zinsen haben die 58 Sparkassen in Westfalen-Lippe 2019 zu spüren bekommen. So sank der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmequelle der Sparkassen – um 3,1 Prozent auf knapp 2,35 Milliarden Euro, wie der SVWL mitteilte. Der Provisionsüberschuss stieg dagegen um 5,2 Prozent auf 926 Millionen Euro. (Einen detaillierten Blick auf die Geschäftszahlen gewähren die Anhänge unten.)

Keine Entwarnung beim Betriebsergebnis

Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank aber dennoch um 2,6 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro. Die SVWL-Chefin konnte hier auch noch keine Entwarnung geben. „Der Druck auf die Erträge der Sparkassen wird angesichts der unverändert gnadenlosen geldpolitischen Rahmenbedingungen auch in den nächsten Jahren anhalten“, sagte Buchholz. (rtr)

17. Februar 2020