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| Vertrauensstudie

Überwiegend misstrauisch

Die Deutschen vertrauen wenig in Regierung, Wirtschaft, Medien und die eigene Zukunft. Positive Veränderungen erhoffen sie sich vor allem vom eigenen Arbeitgeber.

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Die jährliche Vertrauensstudie des Marktforschungsinstituts Edelmann ist eine weltweit repräsentative Befragung in 26 Ländern. Wenige Teilnehmer sind so pessimistisch wie die Menschen hierzulande. Dabei geht es um das gesamtgesellschaftliche System von Politik, Wirtschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Dazu wird bei der Befragung unterschieden zwischen informierter und allgemeiner Öffentlichkeit. Zwischen den beiden Gruppen ist die Vertrauensschere ins bestehende System weiter aufgegangen als je zuvor.

 
Sparkassenvorstände (hier bei einer Tagung im Januar 2019 in Berlin) gehören für ihre Mitarbeiter ebenfalls zu Entscheidern, die sich über rein betriebliche Belange hinaus engagieren sollen. © Himsel

Für die Gesamtbevölkerung gilt, dass weniger als die Hälfte der Befragten Vertrauen in Regierung, Medien, Wirtschaft oder NGOs hat. Die informierte Öffentlichkeit dagegen vertraut dem System mehrheitlich in allen vier Bereichen. Das Vertrauen in die Bundesregierung sank allgemein auf 40 Prozent (minus drei Prozentpunkte zum Vorjahr), während die Informierten zu 55 Prozent (plus 1 Prozentpunkt) Vertrauen in die Regierung haben. Der Gesamtindex des Vertrauens lag für Deutschland bei 44, nur Großbritannien, Irland, Spanien, Japan und Russland wiesen schlechtere Werte auf.

Hoffnung auf den Arbeitgeber

Die wirkliche Überraschung der Studie ist, dass die Mehrheit der Befragten Lösungen für die heutigen Herausforderungen von ihren Arbeitgebern erwarten. Zwei Drittel der Befragten sagten, dass es entscheidend sei, dass die Firmenlenker sowohl in Industriefragen als auch in nationalen und politischen Krisen Antworten liefern sollten. Das Vertrauen zum eigenen Arbeitgeber lag bei 73 Prozent. Selbst bei Gruppen, die sich als Verlierer des Systems sehen, liegt dieser Wert bei immer noch 68 Prozent.

Die Mehrheit der Befragten sehen sich bei Unternehmensentscheidungen als Beteiligte, empfinden die Arbeit des eigenen Unternehmens als positiv für die Gesellschaft und sehen Chancen für die Karriere, höheren Lohn sowie Weiterbildung im eigenen Unternehmen. Entscheidend für das Vertrauen in ein Unternehmen sei, wie die Mitarbeiter behandelt werden, heißt es in der Studie.

Die Studienergebnisse werfen aber Fragen auf. Unter den Ländern mit dem höchsten Vertrauen findet sich zunächst das autoritäre, undemokratische Regime in China, gefolgt von den Schwellenländern Indonesien und Indien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten. Kritische Meinungsäußerungen sind in keinem dieser Länder an der Tagesordnung.