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| Magedeburger Finanzmarktdialog

Wachstum bekommt Dämpfer

Künftig weniger Wirtschaftswachstum und Export – Referenten aus der Sparkassen-Finanzgruppe sprachen in Magdeburg über wirtschaftliche Perspektiven in Europa.

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Zum Magdeburger Finanzmarktdialog hatten die Professoren Thomas Sprengler und Peter Reichling vom Forschungszentrum für Sparkassenentwicklung fünf namhafte Referenten eingeladen, um über Europa zwischen Brexit und Handelshemmnissen zu sprechen. Alle Experten waren sich einig, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr einknicken werde.

 
"Deutschland hat vom Euro profitiert": LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert © Peter Gercke

Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der Landesbank Baden-Württemberg, stellte vor allem die positiven Wirkungen des Euros in den Mittelpunkt .Vor allem Deutschland habe währungspolitisch seine Chancen genutzt und von Jahr zu Jahr profitiert.

 
Der diesjährige Magdeburger Finanzmarktdialog fand auf Einladung des Forschungszentrums für Sparkassenentwicklung statt. Geschäftsführender Direktor des Vereins ist Professor Horst Gischer, der an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unterrichtet. © Peter Gercke

Habe der deutsche Export im Jahr 1999 ein Volumen von 505 Milliarden Euro gehabt sei er 2018 auf 1295 Milliarden Euro gestiegen. In diesen Zahlen drücke sich insbesondere auch die gewachsene Bedeutung des chinesischen Markts aus. Die Euro-Stabilität habe den Marktzugang weltweit beflügelt. Allerdings sei die fiskalische Stabilität unter den EU-Mitgliedsstaaten nicht unbedingt gewachsen, sagte Burkert.

 
Gastgeber: Professor Thomas Sprengler vom Forschungszentrum für Sparkassenentwicklung lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. © Peter Gercke

„Die Profitabilität europäischer Banken bleibt mit durchschnittlich 6,5 Prozent unter den von Analysten veranschlagten acht bis zehn Prozent“, stellte Georg Huber fest, Leiter der Brüsseler Repräsentanz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Gerade Deutschland sei kein Vorreiter in Sachen Profitabilität. Oft werde als Grund eine zu hohe Zahl an Geldinstituten genannt. Doch dagegen spreche, dass sich deren Anzahl von 2008 bis heute um 16 Prozent reduziert habe.

 
Auditorium des 12. Magdeburger Finanzmarktdialogs © Peter Gercke

Huber sagte, dass sich das Drei-Säulen-Modell der Kreditwirtschaft in Deutschland als effektiv erwiesen habe. Die konstante Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige belege das. Die künftige Entwicklung zeige aber den Beginn eines Abschwungs und werde auch von notleidenden Krediten beeinflusst. Die Banken in Griechenland, Italien und Portugal seien hier nach wie vor in großen Schwierigkeiten.

Die Institute der Sparkassen-Finanzgruppe müssten sich derzeit mit den Themen Digitalisierung, Finalisierung von Basel III und nachhaltige Finanzierung arrangieren, sagte Huber. Welche internen und externen Prozesse digitalisiert werden sollten, müsse ständig geprüft werden. Der Wandel müsse sich bei gleichen Regeln für alle Marktteilnehmer vollziehen. Für Basel III müssten die Eigenkapitalanforderungen erfüllt werden, auch für kleine, nicht komplexe Geldinstitute gälten künftig verschärfte Offenlegungspflichten. 80 Prozent der Sparkassen würden aber von den bevorstehenden Regulierungserleichterungen profitieren, sagte der DSGV-Experte.

Grün heißt nicht nur grün

Die nachhaltige Finanzierung nannte Huber ein Querschnittsthema. Nachhaltigkeit solle künftig Teil des Risikomanagements werden. Beispielsweise könne ein nach ökologischen Kriterien errichtetes Gebäude später einen höheren Wiederverkaufswert aufweisen, das gelte es bei der Bewertung zu berücksichtigen. Die Taxonomie-Verordnung dürfe bestimmt Branchen von Finanzierungsmöglichkeiten nicht einfach abschneiden, forderte Huber.

Zudem sei "grün" kein objektiver Begriff, in Frankreich gelte beispielsweise die Finanzierung von Atomkraftwerken als grün. Das bedeute: Alles, was unter ökologischen Gesichtspunkten finanziert werden solle, sei danach zu prüfen, ob tatsächlich Nachhaltigkeit vorliege. „Grünes Investment ist nicht per se risikoärmer“, erklärte Huber. und forderte einheitliche Regeln für Energiefinanzierungen. Der Wandel könne aber nicht von oben verordnet werden, er organisiere sich vielfach lokal. Darin erkannte Huber große Chancen vor allem für regionale Finanzinstitute wie die Sparkassen.

Zinsnwende wird vorerst nicht kommen

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz und Volker Treier, Außenwirtschaftschef und Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), berichteten, dass derzeit zunehmende Hemmnisse für die Exportwirtschaft zu beobachen seien. Balz dämpfte die Hoffnung, dass die Europäische Zentralbank die Zinspolitik in absehbarer Zeit ändern könnte, sie werde wahrscheinlich noch lockerer.

In einer Podiumsdiskussion rückte das Thema Zinsen noch einmal in den Mittelpunkt. Vor allem DIHK-Geschäftsführer Treier kritisierte die Unbeweglichkeit Deutschlands wenn es sich darum handele, europäische Lösungen zu finden, um die Schuldensituation Griechenlands, Italiens und Portugal zu verbessern. Treier erläuterte vor allem mit Blick auf US-amerikanische Alleingänge, dass sich die Exportaussichten Deutschlands zusehends verfinsterten. "Die Zeichen weisen auf Eskalation, nicht auf Entspannung" , bekräftigte Treier.