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| Lebensverhältnisse

Was Frisöre und Sparkassen miteinander zu tun haben

Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wird derzeit viel diskutiert. Prof. Hans-Günter Henneke, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistags, schreibt in seiner Kolumne, worauf es ankommt - auch für die Sparkassen.

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Derzeit wird der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Und das zu Recht. Im Mittelpunkt müssen dabei insbesondere die ländlichen Räume stehen. Gesucht wird ein wirksames Konzept zur „Fluchtursachenbekämpfung“ und zur Unterstützung der Fläche, in der die Mehrheit der deutschen Bevölkerung zu Hause ist. Ziel der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ ist es, gemeinsam mit Ländern und kommunalen Spitzenverbänden nach Wegen zu suchen, den Menschen zu ermöglichen, dort leben zu können, wo sie gerne leben möchten – sei es auf dem Land oder in der Stadt.

Nicht nur über Förderprogramme reden

Es geht um eine jeweils kommunal-individuelle, selbstgestaltete Entwicklung anhand der eigenen Stärken, Chancen und Möglichkeiten. Bund und Länder müssen den Kommunen dazu Handlungsspielräume eröffnen: in finanzieller, aber auch rechtlicher Hinsicht. Die Kommission darf nicht den Fehler machen, nur über Förderprogramme zu reden. Wesentlich ist immer auch eine infrastrukturelle Grundausstattung, ohne die Kommunal- und Wirtschaftsentwicklung schlechthin nicht möglich ist. Dazu zählen Breitband, 5G, Krankenhäuser, Schulen, Kitas – und Sparkassen. Ihnen kommt eine nicht wegzudenkende Infrastrukturfunktion zu, sie sind für eine selbstgetragene Entwicklung vor Ort unverzichtbar.

Ja, auch die Sparkassen müssen bei immer strengerer Regulierung und Nullzinsen mögliche Kostenvorteile heben. Unbestritten, die Vorhaltung von Filialen muss mit den damit verbundenen Nutzen in einem gesunden Verhältnis stehen. Klar, dass das Modell Sparkasse auch noch in zehn oder 20 Jahren funktionieren muss.

Das Pfund der Sparkassen

Aber: Wenn eine Sparkasse zu viele Filialen schließt, geht die Verankerung im Raum verloren. Der infrastrukturelle Schaden ist immens. Örtliche Bindungen der Menschen und in Teilen der Wirtschaft über die Sparkassenfilialen als sichtbare Infrastruktureinrichtungen der Kommunen gehen verloren. Schließt eine Zweigstelle, hat dies auch Auswirkungen auf angrenzende Ladengeschäfte und Gewerbetreibende. Das Pfund der Sparkassen ist die Präsenz vor Ort. Ein Sparkassenbus fängt das ebenso wenig auf wie Onlinebanking.

Daher müssen intelligente Lösungen gefunden werden. Das Sparkassenprojekt „Große Emma“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie über einen multifunktionalen Ansatz andere Nutzungen in das Sparkassengebäude integriert werden können: Post, Zeitungsladen, Bäcker, Metzger, aber auch Frisör oder Coworking-Space im Sparkassengebäude. Und nicht zuletzt: Treffpunkt beispielsweise für ältere Menschen und damit ein zusätzlicher Mehrwert, weil sie ihre Besorgungen gebündelt erledigen können.

Sparkassen sind strukturpolitische Anker. Dessen müssen sie sich bewusst sein und mit dieser Verantwortung ebenso bewusst umgehen.