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| Sparkassentag2019

Weichen stellen für Aktien

2018 ist die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds das vierte Jahr in Folge gestiegen. Dennoch spielt die Aktie beim Vermögensaufbau der Deutschen noch eine Nebenrolle. Ein Gastbeitrag von Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts.

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Rund eine Viertelmillion mehr Aktienbesitzer als im Vorjahr hat das Deutsche Aktieninstitut 2018 gezählt. Gut 10,3 Millionen Bürger besaßen Aktien oder Aktienfonds – der höchste Wert seit 2007. Sind die Deutschen also doch noch zu einem Volk von Aktionären geworden? Diese Frage muss man leider weiter verneinen, spielt doch die Aktie bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Sparer in Deutschland parken ihr Geld lieber auf Girokonten oder auf schlecht verzinsten Sparkonten. Sie verzichten damit auf Ertragschancen in Milliardenhöhe.

Dabei ist der private Vermögensaufbau wichtiger denn je. Vor allem mit Blick auf die Rente ist ein Umdenken bei der Geldanlage wichtig, wird doch die demografische Entwicklung ihre Spuren im gesetzlichen Umlageverfahren hinterlassen. Die Rentenbeiträge werden steigen, die Rentenbezüge sinken. Wer den gewohnten Lebensstandard halten will, ist gut beraten, Aktien als Baustein des Vermögensaufbaus und der Altersvorsorge zu nutzen. Für Sparkassen, Banken und Finanzdienstleister bedeutet dies, ihre Kunden in Beratungsgesprächen zu Vermögensaufbau und Altersvorsorge an die Wertpapier- und Aktienanlage heranzuführen.

 

Damit diese Beratungsleistungen angemessen erbracht werden können, muss aber die Politik die Rahmenbedingungen für die Aktienanlage endlich verbessern. Eine wichtige Stellschraube ist die Vereinfachung der Wertpapier- und Aktienberatung, die seitens der Politik mit immer neuen bürokratischen Vorgaben überzogen wurde. Auch die Beendigung der steuerlichen Diskriminierung der Aktie im Vergleich zu festverzinslichen Papieren und eine Verbesserung bei der Förderung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung wären wichtige Maßnahmen auf dem Wege zu einer besseren Aktienakzeptanz in Deutschland.

Um die Deutschen zu einem Volk von Aktionären zu machen, bleibt jedoch die stärkere Berücksichtigung der Aktie im System der Altersvorsorge der entscheidende Hebel. Mehr Kapitaldeckung in diesem Bereich – vor allem mit Aktien – statt ein weiteres Herumdoktern am Umlagesystem ist geboten. Länder wie Schweden zeigen, dass umgesteuert werden kann und Aktien ihren Teil zur Sicherung der Altersvorsorge beitragen können.

Gelingt dies auch in Deutschland, wäre nicht nur den privaten Haushalten geholfen. Je stärker die Menschen als Aktionäre am Erfolg der Unternehmen profitieren, desto besser kann auch die Börse ihren Beitrag zur Finanzierung von Wachstum, Innovation und Beschäftigung leisten. Aktienanlage und Aktienfinanzierung sind also zwei Seiten einer Medaille.

Studien und Statistiken zu Aktionärszahlen und Kapitalmarktthemen unter www.dai.de

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