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08. September 2017 - 07:30Anlage

Risiko bis zum Totalverlust

von Richard Haimann

Zins-Plattformen, die direkten Zugang zu Sparprodukten ausländischer Banken verschaffen, gewinnen immer mehr Zulauf. Kooperationen mit den FinTechs könnten sich nach Meinung von Experten auch für Sparkassen lohnen - um Kunden zu binden und ihre Beratungskompetenz hervorzuheben. Denn die Geldanlage über die Plattformen ist oft risikoreich.

Nicht bei allen Geldanlage-Angeboten der Zinsplattformen können Anleger sich - wie dieser Artist im Circus Krone - auf ein Sicherheitsnetz verlassen. (dpa)
Ein Konto genügt, um auf top-verzinste Tages- und Festgeldangebote von Banken in mehr als zehn europäischen Ländern zuzugreifen: Mit dieser Geschäftsidee ist es dem Hamburger Finanztechnologie-Unternehmen Deposit Solutions mit seiner Open-Banking-Plattform Zinspilot gelungen, in weniger als zwei Jahren mehr als zwei Milliarden Euro Sparkapital von über 50.000 Kunden einzuwerben. Tim Sievers, Gründer und Geschäftsführer des Fintechs an der Elbe, sieht darin erst den Beginn einer tiefgreifenden Transformation im Anlagesegement: „Open Banking wird sich als neuer Standard im europäischen Einlagegeschäft durchsetzen.“
Noch mehr Kapital konnte mit inzwischen mehr als drei Milliarden Euro der bereits vor knapp vier Jahren gestartete Berliner Mitbewerber Raisin mit seiner Plattform Weltsparen einsammeln. Ursprünglich in Deutschland und Österreich gestartet, zählt das Unternehmen inzwischen mehr als 75.000 Kunden in der EU sowie der Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island. Benötigte Raisin noch zweieinhalb Jahre bis die erste Milliarde an Einlagenkapital zusammen war, folgte die zweite Milliarde binnen zehn Monaten, während die dritte Milliarde in nur vier Monaten zusammenkam. In diesem Jahr wurde das Unternehmen vom britischen Branchenverband FinTechCity auf die Liste der 50 wichtigsten europäischen Fintech-Unternehmen gesetzt.
Der Erfolg von Weltsparen und Zinspilot sowie weiterer Mitbewerber wie Savedo überrascht nicht: „Während deutsche Banken Sparer mit Null- oder sogar Negativzinsen bestrafen, bieten wir unseren Kunden nach wie vor ordentliche Zinsen“, sagt Weltsparen-Geschäftsführer Tamaz Georgadze. Mehr als zwei Prozent offerieren zum Teil die Banken in Rumänien, Portugal, Malta, Lettland, Italien, Großbritannien und Frankreich, mit denen die Portale kooperieren.
Vor dem Start der Zinsplattformen waren Sparer gezwungen, auf Vergleichsportalen im Internet wie Biallo oder FMH nach den jeweils lukrativsten Zinsangebote zu suchen. Anschließend mussten sie umständlich bei der letztendlich gewählten Bank ein Konto eröffnen und ihr Kapital hinüber transferieren. Jetzt können sie den gesamten Prozess mit wenigen Mausklicks auf den Webseiten der Plattformen vornehmen. „Die Fintechs bieten Anlegern die Möglichkeit, komfortabel attraktive Zinsofferten ausländischer Banken für sich zu nutzen“, sagt der Finanzwissenschaftler Steffen Sebastian, Forschungsprofessor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.
Für deutsche Banken und Sparkassen sind die auf die Zinsplattformen abgeschlossenen Einlagen wohl kaum ein Problem. Auf 535,4 Milliarden Euro summierten sich nach Berechnungen der Bundesbank im Juni allein die von privaten Haushalten mit Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten bei deutschen Geldhäusern angelegten Sparbeträge. Die knapp acht Milliarden Euro, die deutsche Sparer bei Fintech-Plattformen angelegt haben, entsprechen damit nicht einmal zwei Prozent des kurzfristig angelegten Kapitals.
Etliche Geldhäuser hätten seien ob der drohenden Negativzinsen derzeit daran interessiert, dass ihre Kunden Gelder möglichst anderswo anlegen, beobachtet Moritz Westerheide, Analyst bei der Bremer Landesbank. (BLB)
„Die meisten Banken und Sparkassen dürften sich derzeit sogar über jeden Euro freuen, den Sparer bei ihnen abziehen und auf ein Anlagekonto bei einem Fintech überweisen“, sagt Moritz Westerheide, Analyst der Bremer Landesbank. „Schließlich sparen sie sich damit anteilig an Strafzinsen, die die Europäische Zentralbank für bei ihr geparktes Kapital erhebt.“

Um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln, verfolgt die EZB bekanntlich eine extrem expansive Geldpolitik. Sie hat nicht nur den Leitzins auf Null gesenkt und kauft Monat für Monat Anleihen im Wert von bis zu 60 Milliarden Euro auf. Sie erhebt auch einen Strafzins von 0,4 Prozent auf Kapital, das Banken bei ihr parken. Das kommt die Geldhäuser inzwischen teuer zu stehen, wie eine neue Studie der Düsseldorfer Finanzberatungsgesellschaft Barkow Consulting zeigt. „Deutsche Banken und Sparkassen hatten im Juni insgesamt 551 Milliarden Euro an überschüssiger Liquidität bei der EZB angelegt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Peter Barkow. „Auf das Jahr hochgerechnet müssen die Institute dadurch 2,2 Milliarden Euro an Negativzinsen an die Zentralbank zahlen.“
In der ersten Hälfte dieses Jahres hätten die Banken insgesamt 0,9 Milliarden Euro an Gebühren an die EZB gezahlt, haben die Berater ausgerechnet. „Dies ist nur marginal weniger als die eine Milliarde Euro, die die Institute insgesamt im vergangenen Jahr an Negativzinsen an die Zentralbank abgeführt haben“, sagt Barkow.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass erste Banken beginnen, mit den Fintech-Plattformen zusammenzuarbeiten. „Es ist derzeit absolut im Interesse etlicher deutscher Banken, dass ihre Privatkunden zumindest einen Teil ihrer Spareinlagen bei anderen Geldhäusern anlegen“, sagt Westerheide. „Dies entlastet die Banken tendenziell von den Negativzinsen, die sie bei der EZB für dort angelegte überschüssige Liquidität zahlen müssen.“ Als erstes Geldhaus ist die Deutsche Bank eine Kooperation mit Zinspilot eingegangen. Kunden können per Online-Banking direkt über die Plattform der Hamburger Spargelder auf Anlagekonten anderer Banken transferieren. Auch die Fondsbank FFB, eine deutsche Tochter von Fidelity International, kooperiert inzwischen mit Deposit Solutions. Verhandlungen mit weiteren Instituten laufen. „Banken können mit unserer Lösung einen wichtigen Mehrwert für ihre Kunden schaffen“, sagt Geschäftsführer Sievers.
Auch für Sparkassen könnte eine Kooperation mit den Fintechs interessant sein, sagt Westerheide. „Sie könnten damit eine Win-Win-Situation für sich und ihre Kunden schaffen.“ Anleger, die von ihren Sparkassen-Konten aus online auf attraktive Zinsangebote anderer Banken zugreifen könnten, würden sich über die höheren Erträge freuen, gleichzeitig aber ihrer Sparkasse verbunden bleiben. „Die Sparkassen könnten so ihre Kunden zufriedenstellen und gleichzeitig überschüssige Liquidität verringern“, sagt der Landesbank-Analyst.
Zahlreiche Kunden, die nach höheren Zinserträgen suchen, dürften früher oder später sowieso zumindest einen Teil ihres Sparkapitals auf die Fintech-Plattformen transferieren. „Je bekannter die Anbieter werden, desto mehr Kapital werden sie auch anziehen“, sagt Westerheide. „Wenn Sparkassen Anlegern diese Möglichkeit direkt anbieten, können sie ihre Kunden jedoch weiterhin an sich binden und verhindern, dass diese auch andere Teil ihrer Bankinggeschäfte an Mitbewerber verlagern.“

Vermögensanlage wird digitaler

Bei der automatisierten Vermögensverwaltung bereiten erste Sparkassen bereits die Zusammenarbeit mit Fintechs vor. Die Haspa hat jetzt eine Vertriebs- und Entwicklungskooperation mit der Luxemburger infestify unterzeichnet und beteiligt sich zugleich an dem auf Robo-Advisor-Software spezialisiertem Unternehmen. „Der Einsatz digitaler Technologien in der Vermögensanlage wird immer wichtiger“, sagt Jörg Ludewig, Generalbevollmächtigter der Haspa und verantwortlich für das Private Banking.
Würden Sparkassen mit Zinsplattform-Betreibern kooperieren, könnten sie dabei gegenüber den Kunden auch ihre Beratungskompetenz unter Beweis stellen, sagt Landesbank-Analyst Westerheide. „Nicht alle vermeintlich attraktiven Zinsangebote ausländischer Banken sind angesichts der damit verbundenen Risiken tatsächlich attraktiv.“ Im Gegenteil: „Bei etlichen Ländern erscheint es zweifelhaft, ob die nationalen Einlagensicherungssysteme im Fall der Schieflage von mehreren oder auch nur einer Bank tatsächlich in der Lage seien, Sparer vollumfänglich zu entschädigen“, sagt Westerheide. Dieser Ansicht ist auch Finanzwissenschaftler Sebastian: „Vielen Anlegern ist nicht klar, dass eine höhere Zinsrendite automatisch auch mit einem höheren Risiko gepaart ist.“
Die Stiftung Warentest kam in einer Untersuchung der Zinsportale ebenfalls zu dem Schluss, dass nicht alle Angebote der dort geführten Banken „auch wirklich sicher“ seien. Es sei zweifelhaft, dass Länder, „deren Wirtschaftskraft von den großen Ratingagenturen keine Topnoten erhalten, Sparer im Schadensfall zeitnah entschädigen können“. Die Verbraucherorganisation listet in den Tabellen ihrer Fachzeitschrift Finanztest nur Zinsangebote von Banken aus Ländern, die von den Ratingagenturen mit „sehr sicher“ oder „sicher“ bewertet sind. Unter anderem Rumänien gehöre nicht dazu.
Sparkassen, die mit Fintechs kooperieren wollten, sollten es deshalb nicht dabei belassen, ihren Kunden einen direkten Online-Zugang zu deren Zinsplattformen zu bieten, sagt Stefan Loipfinger, Geschäftsführer des Internet-Informationsdienstes Investmentcheck.de. „Sie sollten ihre Anleger auch über die potentiell bis zum Totalverlust reichenden Risiken mancher besonders attraktiv erscheinenden Zinsangebote ausländischer Banken informieren.“
Bislang belassen es die Zinsportale dabei, die unterschiedlichen Zinsangebote der mit ihnen kooperierenden ausländischen Banken aufzulisten. In einem nächsten Schritt dürften die Fintechs auch automatisierte Sparprodukte anbieten. Vergleichbar den Robo-Advisern in der Vermögensverwaltung, würden Computer dann entsprechend dem programmierten Algorithmus das Kapital der Kunden in jene Sparprodukte umschichten, die besonders attraktiv erscheinen. Eine Banklizenz würden die Fintechs dafür nicht benötigen, da sie schon heute mit Geldinstituten kooperieren, die die eigentlich Konten der Kunden verwalten. Deposit Solutions, beispielsweise, arbeitet dafür mit der Hamburger Sutor Bank zusammen.

Auf die Software kommt es an

Ob sich solche Robo-Anlageprodukte durchsetzen werden, hänge von der Qualitätssicherung der Plattform-Betreiber ab, sagt Finanzwissenschaftler Sebastian. „Wird die Software so programmiert, dass das Kapital der Kunden immer nur in die Sparprodukte fließt, die die höchste Rendite bieten, wird dies zu einer Akkumulation der Risiken zulasten der Anleger führen.“ Früher oder später würde dies in hohen Verlusten münden. „Gelingt es den Fintechs jedoch, ihre Software so zu steuern, dass kontinuierlich die Risikoprofile einzelner Banken und Länder aktualisiert werden, können die Rechner durch breite Streuung des Kapitals die Risiken minimieren und die Renditen optimieren“, sagt Sebastian.
Ist letzteres der Fall könnten Anleger den Plattformen in wenigen Jahren einen dreistelliger Milliardenbetrag an Sparkapital überlassen. Sollten zugleich die Zinsen wieder steigen und der Liquiditätsbedarf von Banken und Sparkassen anziehen, könnte es für die Institute schwierig werden, Einlagen von Kunden zurückzugewinnen. Für Landesbank-Analyst Westerheide ist dies ein weiterer Grund, weshalb Sparkassen schon jetzt überlegen sollten, Kooperationen mit den Fintechs einzugehen. „In diesem Fall hätten sie auch die Möglichkeit, bei Bedarf ihre Kunden davon zu überzeugen, wieder mehr Kapital auf den Konten ihres Hausinstituts anzulegen.“
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