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16. Mai 2018 - 07:30Blockchain

Spaniens Banken setzen sich ab

von Stefanie Claudia Müller, Madrid

Dank einer flexiblen Regulierung, eines weiten Breitbandnetzes und einer fortgeschrittenen Handykultur steigen spanische Banken und Sparkassen zunehmend in die Blockchain-Technologie ein und werden so zum Vorreiter in Europa.

Installation auf einer Mobilfunkmesse in Barcelona: Spaniens Handykultur hat auch zu einer Vorreiterrolle bei den technologischen Finanzdienstleistungen geführt. (dpa)
Spanien hat die industrielle Revolution verpasst, aber bei Technologien für Finanzdienstleistungen hat das Land derzeit in Europa die Nase vorn. Zu verdanken ist das vor allem den Kreditinstituten und dem spanischen Weltkonzern Telefónica, der früh in das Internet of Things (IoT), in die Verknüpfung von Daten und in die seit 2009 existierende Technologie der Datenkette (Blockchain) investiert hat. Unternehmen, Banken und Sparkassen sowie die spanische Regierung haben gemeinsam sehr früh auf diesen neuen Weg der Datenübermittlung gesetzt.
Welchen Nutzen hat Blockchain für den Bankensektor? Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank im weltweiten Netz, die eine stetig wachsende Liste von Transaktionen ermöglicht, die an verschiedenen Stellen im Internet gespeichert und trotzdem durch die Kette buchhalterisch miteinander verbunden ist. Die Bezahlung von Serviceleistungen via einer Blockchain wird mit Token berechnet, einer virtuellen Währung wie Bitcoin, welche diese verschlüsselte Ketten-Technologie enorm vorangebracht hat. Für das internationale Geldgeschäft ist die Datenkette revolutionär, weil sie Vermittler wie Clearingstellen langfristig überflüssig macht. Die Sicherheit, die durch die verschlüsselte digitale Identifizierung entsteht, spart damit Kosten. Das bedeutet wiederum, dass der Bank- und Sparkassenkunde langfristig weniger für Geldtransaktionen bezahlen muss als das heute der Fall ist.

Gespeichert in Geheimschrift

Wie funktioniert Blockchain? Weil die Daten der Blockchain chronologisch und linear aneinandergereiht werden, ist der Name der Kette entstanden. Ist ein Datenblock vollständig, wird automatisch der nächste geschaffen. Die Daten werden mit einer Geheimschrift (Kryptografie) gespeichert und damit nochmal extra abgesichert. Jeder Datenblock enthält zudem eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks, und am Ende der Kette steht eine Gesamtsumme, womit eine Kontrollkette über alle Daten entsteht. Es handelt sich um eine zusammenhängende, virtuelle Buchhaltung. Wird etwas an einem Block in der ständig wachsenden Kette geändert, fällt es sofort auf, weil die Gesamtsumme nicht mehr stimmt. Da nicht alle Blöcke inhaltlich miteinander zu tun haben, gibt es viele verschiedene Player in einer Kette, die letzendlich auf diese Weise konstant überprüft und in Verbindung gebracht werden können.
Inzwischen gibt es in Spanien zwei private Konsortien im Blockchainbereich. Erstens das Konsortium der Cecabank mit Grant Thornton. Aus der ehemaligen Vereinigung der Sparkassen, Ceca, ist die Cecabank hervorgegangen, die als Groβhandelsbank fungiert. Aufgrund der korrupten Entwicklungen in vielen spanischen “Cajas de Ahorro” ab dem Jahr 2008 will das Institut nicht mehr mit dem Sparkassensektor in Verbindung gebracht werden. Stattdessen wandelt sich die Institution zunehmend zu einem Fintech-Experten, der vor allem eins im Sinn hat: Korruption, welche dem Ansehen des Kreditsektors in Spanien enorm geschadet hat, künftig effizienter auf die Spur zu kommen. Im Mai 2017 gründete die Cecabank aus diesem Grund das erste spanische Blockchain-Konsortium, zusammen mit dem britischen Beratungsunternehmen Grant Thornton. Inzwischen ist ein Drittel des spanischen Bankensektors dort vereint.
Das erste gemeinsame Projekt des Cecabank-Konsortiums ist ein Instrument, um mit Blockchain-Technologie Geldwäsche früher zu erkennen und zu stoppen. Für den Chef des operativen Geschäfts der Groβhandelsbank, Jaime Manzano, sind die aktuellen Investionen in diese virtuelle Buchhaltung und die neue Bezahlungsweise dieser Dienstleistungen zukunftsweisend: "Durch dieses Konsortium setzen wir uns europaweit ab von anderen Wettbewerbern. Zudem machen wir unsere eigenen Angestellten zu absoluten Experten in dieser revolutionären Technologie, deren Vorteile, aber natürlich auch Risiken derzeit noch nicht komplett abzusehen sind. Wir stehen erst am Anfang."
Bei dem zweiten spanischen Blockchain-Konsortium Red Lyra handelt es sich um eine offene, branchenübergreifene Plattform, basierend auf einem offenen Quellcode. In diesem Konsortium sind rund 70 spanische Banken, Sparkassen, Kanzleien und Konzerne vereint. Sie schufen den schon erfolgreich operierenden Blockchain-Raum Alastria. Für Christoph Steck, Direktor für öffentliche Angelegenheiten beim spanischen Telefoniekonzern Telefónica, setzt sich Spanien damit vom Rest Europas klar ab: "Es ist wie eine Testplattform, die privat ist, aber dennoch reguliert wird und damit abgesichert ist. Das ist derzeit einmalig." Zu den Partnern der Plattform gehören unter anderen Banco Sabadell, Santander, Banca March, Caixabank, Caja Rural, Cajamar und Telefónica.

Vereinfachte Regulierung hilft

Für Steck hat Spaniens Bankensektor damit auch bei der Digitalisierung klar einen Vorteil gegenüber dem Rest der Branche: "Die Spanier waren diesmal einfach schneller als die Deutschen." Seiner Meinung nach liegt das auch daran, dass das Land über das gröβte Breitbandnetz in Europa verfügt und die Handykultur der Spanier sehr ausgeprägt ist. Die Gesellschaft, die Bank- und Sparkassenkunden sind offen für neue Technologien, gerade im Bankensektor. "Aber auch die spanische Politik hat durch eine geringere Regulierung bei neuen Technologien entscheidend dazu beigetragen, dass das Land heute so weit vorn mitspielt: 63 Prozent aller spanischen Haushalte sind mit einer Hochgeschwindigkeitsverbindung ausgestattet. Deutschland hängt da weit zurück§, sagt der deutsche Blockchain-Experte.
Über Alastria wurden kürzlich mit großem Erfolg Unternehmensanleihen von Telefónica Deutschland ausgegeben. Eine Transaktion, an der sich auch die ehemalige Sparkasse Caixabank beteiligt hat. Schon bald sollen bei Alastria auch spanische Staatsanleihen angeboten werden. Das ist in Europa in diesem Umfang eine Neuheit. Das Konsortium arbeitet zudem an neuen digitalen Identifizierungstechnologien für User und auch an neuen Vertragsabwicklungen für die Mitglieder. "Spanien hat die einzigartige die Möglichkeit, die globale Referenz für diese neue Datenaustauschbörse zu werden, welche schneller, effizienter und sicherer sein soll. Blockchain ermöglicht die bessere Verifizierung von Daten und verhindert damit Manipulierungen jeglicher Art", sagt Alastria-Chef Alex Puig.
Während viele deutsche Finanzinstitute noch am Anfang von Blockchain stehen, haben die spanischen Kreditinstitute ihren Fuß schon in internationalen Plattformen und gründen entsprechende globale Konsortien. Caixabank ist etwa Teil von Batavia, einer Initiative unter anderem von UBS und Erste Group. Hier geht es vor allem darum, den internationalen Handel zu vereinfachen. Wie Bankia haben einige Banken und Sparkassen auch offene Labore geschaffen. Die ehemalige spanische Sparkasse lanzierte etwa Stockmind, wo Dritte wie auf einem Testfeld die Blockchain-Technologie ausprobieren können, ohne Experten zu sein. Gemäß der Unternehmensberatung PwC werden in den kommenden zwei Jahren bereits 77 Prozent der spanischen Fintech-Unternehmen die Blockchain-Technologie nutzen. Die spanische Banco Sabadell glaubt, dass schon in fünf Jahren alle Wirtschaftsbereiche mit dieser neuen Datenübertragungs-Technik arbeiten werden. "Zum ersten Mal stellt Spanien die Weichen der technologischen Zukunft", sagt Javier Ibáñez, Chef des Blockchain-Versuchslabor der spanischen Elite-Uni Icade.
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