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28. November 2018 - 14:4010. Agrarkonvent

Sparkassen stehen zu ihren Landwirten

von Thomas Wolber

Beim Agrarkonvent des Ostdeutschen Sparkassenverbands trafen sich mehr als 500 Teilnehmer aus der Agrarbranche im brandenburgischen Klaistow.

Wolfgang Zender (3. von links) mit Referenten, Spargel- und Erntekönigin. (Julia Otto/ OSV)
Das Jubiläum wurde zum ganz besonderen Event. Den 10. Agrarkonvent des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) zog es aufs Land. Dorthin, wo auch die Agrarkundenberater unserer Sparkassen gemeinsam mit den Landwirten daran arbeiten, dass die Landwirtschaft in Ostdeutschland erfolgreich bleibt.

In seiner Eröffnung lobte OSV-Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender das Engagement und die wachsende Agrarkompetenz der Sparkassen: „Wir wollen in der Landwirtschaft weiter Gas geben. Im bundesweiten Vergleich sind unsere Sparkassen trotz schwieriger Rahmenbedingungen der Branche überproportional gewachsen. Unsere Sparkassen haben in den Aufbau von Kompetenzen investiert: Mehr als 20 Mitarbeiter haben sich zu DLG-zertifizierten Agrarfinanzmanagern weitergebildet. Auch die Intensivierung unserer Zusammenarbeit mit der Deutschen Leasing trägt Früchte. Im Agrarleasinggeschäft sind wir kompetent und leistungsfähig aufgestellt.“

Auch die Jubiläumsveranstaltung führte der OSV in bewährter Zusammenarbeit mit den Landesbauernverbänden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt durch. Mehr als 500 Gäste kamen nach Klaistow, darunter auch Sparkassen mit ihren Agrarkunden aus Schleswig-Holstein. Aktuelle Fachthemen für die Praxis standen im Wechsel mit branchenübergreifenden Impulsvorträgen. Höhepunkt stellte das Streitgespräch „Konventionelle versus ökologische Landwirtschaft“ dar. Die Argumente führten der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes Wolfgang Vogel und der Bundesvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen Robert Habeck an. Und Majestätinnen gaben sich die Ehre: die Brandenburger Erntekönigin Katja Leppin und die Werderaner Baumblütenkönigin Peggy Sinning waren vor Ort und geleiteten die Gäste. Selbstverständlich durfte auch die Beelitzer Spargelkönigin Lara Luisa Kramer nicht fehlen.

Extremsportler Böhm: Krisen reflektieren


Der 10. Agrarkonvent des Ostdeutschen Sparkassenverbands fand diesmal in Klaistow bei Beelitz statt. (Julia Otto/ OSV)
Alles fängt mit einer Vision an, wusste Extremsportler Benedikt Böhm eindrucksvoll aus eigenen Erfahrungen von Besteigungen einiger 6000 Meter hoher Berge auf der ganzen Welt zu berichten. Er machte Mut, Grenzen zu durchbrechen, Grenzen im Kopf und Grenzen, die von Mitbewerbern am Markt gesetzt worden sind. Dass man damit erfolgreich sein kann, bewies Böhm als Geschäftsführer der Marke Dynafit. Wenn wir den Anspruch haben zu führen und vorauszugehen, werden wir auch Misserfolge erleben. Wichtig, so Böhm, sei es Krisen zu reflektieren.

Peter Jahn, Mitglied des Europäischen Parlaments im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, gewährte einen Einblick aus erster Hand in die aktuelle Diskussion um die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU in der nächsten Förderperiode 2021-2027. So müssen die Agrarbetriebe künftig insgesamt mit einer rückläufigen finanziellen Unterstützung aus Brüssel rechnen. Das in der Branche wenig beliebte Greening soll durch Eco-Schemes, eine neue ökologische Regelung, ersetzt werden. Denn Umweltverträglichkeit und Klimaschutz werden in der GAP künftig eine größere Rolle spielen. Jahr will sich vor allem auch für Entbürokratisierung und Vereinfachung in der EU einsetzen. Zudem setzt er auf lokale Arbeitsgruppen in den EU-Mitgliedsstaaten.

Effizientere Produktion dank Precision Farming

80 Prozent der Wettbewerbsfähigkeit unserer Agrarbetriebe kommen aus der Produktion. Das stellte Peer Leithold, Experte für digitalen Pflanzenbau heraus. Also mache es Sinn mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung in eben diesem Bereich zu arbeiten. Der digitale Pflanzenbau leistet einen Beitrag zu mehr Ertrag und fördert die Umweltverträglichkeit. Der einzelne Betrieb wird in seiner Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Er kann effizienter produzieren. Die Betriebsleitung kann bessere Entscheidung treffen. Die Betriebsführung wird erleichtert.

Die Verbraucher werden zunehmend sensibler in Ernährungsfragen. Die Landwirtschaft steht immer öfter in der Kritik von Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschützern. Wie man in solchen Debatten den richtigen Ton trifft, hat Moritz Kirchner demonstriert. Kirchner war 2015 deutscher Vizemeister im Debattieren, wurde aktuell mit dem zweiten Platz beim Debattierwettbewerb Science Slam ausgezeichnet. Sein Credo für die einfache und wirkungsvolle Rede: Emotionen wecken und auf das Publikum übertragen, glaubwürdig sein und widerspruchsfrei bleiben.

Im Dialog: Vogel und Habeck

Podiumsdiskussion (von links): Wolfgang Vogel, Präsident Sächsischer Landesbauernverband; Psychologe und Kommunikationstrainer Moritz Kirchner; Robert Habeck, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen (OSV)
Das Jahr 2018 war ein extremes Wetterjahr. Die lang anhaltende Dürre bereitete der Landwirtschaft große Probleme. Der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes Professor Paul Becker bestätigte, dass sich Phänomene dieser Art in Zukunft wiederholen werden. In der Folge setzt die Pflanzenentwicklung früher ein und Schädlinge können sich stärker vermehren. Extreme Niederschläge auf engstem Raum nehmen zu.

Einen spannenden Schlussakkord setzten der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V. und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes Wolfgang Vogel und der Bundesvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen, Robert Habeck, in einem Streitgespräch zum Verhältnis von konventioneller gegenüber ökologischer Landwirtschaft. In der Diskussion behandelten sie die Themen GAP, Dürrehilfe, Agrarwende und Umweltverträglichkeit. Waren ihre Positionen bei dem Thema GAP konträr, so plädierten beide dafür, die Barrieren zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft abzubauen. Vogel betonte mit Nachdruck, die Landwirtschaft arbeite nachhaltig. Beide wünschten sich in Zukunft miteinander und nicht übereinander zu reden.
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