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21. November 2017 - 11:29Regionalmarketing

Sparschwein auf Trüffelsuche

von Silvia Besner

Die Sparkasse Freyung-Grafenau unterstützt eine außergewöhnliche Kampagne, die junge Menschen als Fachkräfte in den Bayerischen Wald locken will.

Heimatverbundenheit zeigen Sparkassenchef Stefan Proßer (stehend) und Vorstand Dietmar Attenbrunner (3. von links) beim Dreh für ein Imagevideo des Instituts auf dem Hausberg Lusen. Die Filmagentur Ultima Design könnte der Regionalmarketing-Kampagne selbst als Paradebeispiel dienen: Die drei Geschäftsführer sind alle unter 25 Jahre alt, haben in Metropolregionen studiert und sind dann in die Heimat zurückgekehrt, um beruflich Fuß zu fassen. So soll's sein. (Ultima Design)
Wer gern im Münchner Olympiapark unterwegs ist, könnte derzeit auf junge Promoter treffen, die Werbung für die eigene Heimat machen, die tiefe Provinz, den Landkreis Freyung-Grafenau. Sie zeigen interessierten Großstädtern Broschüre und Film über das schöne Leben im Bayerischen Wald und verteilen Formulare für ein kostenloses Kennenlernwochenende – alles Teil einer außergewöhnlichen Regionalmarketing-Kampagne.

Die Sparkasse Freyung-Grafenau unterstützt diese Initiative nicht nur als Förderer der ersten Stunde, Hauptsponsor und Multiplikator, sie macht auch selbst mit. Auf der Homepage der Kampagne stellt sie sich als starken Partner der Wirtschaft und attraktiven Arbeitgeber vor – seit einer Woche auch per Video. Darin erfährt man etwas über Weiterbildungsmöglichkeiten und den besonderen Wohlfühlfaktor im Institut, man sieht Teile der Belegschaft beim Beachvolleyball und bei der gemeinsamen Wanderung mit Kunden auf den Hausberg. Als Maskottchen für die Marke hat man das große rote "Gut"-Schwein auf den Gipfel transportiert.
Wofür der Aufwand? Die Regionalmarketing-Kampagne will der Bevölkerung im Landkreis selbst, aber auch Menschen, die in Passau, Landshut, Regensburg oder München wohnen, zeigen, dass in Freyung-Grafenau zahlreiche Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen für Akademiker und qualifizierte Fachkräfte aufwarten. Daneben wirbt man mit den "weichen" Standortfaktoren: günstigen Grundstücken, Kinderbetreuungsplätzen für alle, viel Natur und der niedrigsten Kriminalitätsrate Deutschlands.
Dabei müssen die Regionalmanager gegen veraltete Vorurteile ankämpfen. "Noch in den Achtzigerjahren waren hier im Winter oft die Hälfte der erwerbsfähigen Menschen ohne Arbeit", berichtet Wirtschaftsreferent Ralph Heinrich. Das Leben im Landkreis war ein Leben am Rand der Republik, im Schatten des Eisernen Vorhangs. Inzwischen haben sich die Strukturen deutlich gewandelt. Aus einer Gegend, die für Holz, Glas und Stein bekannt war, ist ein Hochtechnologie-Standort geworden. Zahlreiche Firmen haben sich angesiedelt, die auf ihrem Gebiet echte Spezialisten und oft sogar Weltmarktführer sind. Die Arbeitsmarktdaten sehen heute ganz anders aus als vor 30 Jahren: "Aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei unter drei Prozent", so Heinrich. Da ist der Fachkräftemangel nicht weit.

Verluste erschweren die Personalpolitik

Im Imagefilm der Sparkasse wird auch das Markenmaskottchen, die große rote "Gut"-Sau, auf den Gipfel getragen. Ähnlich mühsam gestaltet sich offenbar die Suche des Hauses nach geeigneten Bewerbern für offene Stellen. (Ultima Design)
Die Sparkasse kennt das Problem: Trotz intensiven Bekanntmachens der Ausbildung auf Messen, in Schulen und mithilfe von Praktika sinkt das Interesse der Schüler. Überhaupt würde man sich wesentlich mehr Bewerber wünschen, um offene Stellen zu besetzen, sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Proßer. Doch gerade der Nachwuchs sei oft dazu verleitet, nach dem Ausbildungsende die Region zu verlassen und ein Studium zu beginnen. Diese Verluste erschwerten dem Haus eine zukunftsorientierte Personalentwicklung.
Allgemeine Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung kann das Statistische Landesamt liefern. In den vergangenen 20 Jahren hat der Landkreis Freyung-Grafenau knapp fünf Prozent seiner Einwohner verloren, für die nächsten 20 Jahre wird ein weiterer Schwund von drei Prozent prognostiziert. Noch prekärer wird die Lage, wenn man genauer hinschaut. Bis 2035 wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen um zwölf Prozent sinken, die Gruppe der 18- bis 40-Jährigen um 17 Prozent und die Gruppe der 40- bis 65-Jährigen um 20 Prozent. Bleiben die Alten, deren Anteil um 53 Prozent steigen wird. Regionalmanager Stefan Schuster spricht hier von einer "doppelten demografischen Schere", deren Auswirkungen gravierend sein könnten – sollte sich an der Tendenz nicht etwas ändern lassen.
So wurde 2008 das Regionalmanagement Freyung-Grafenau initiiert. Es ist im Wirtschaftsreferat angesiedelt und wird vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat projektgefördert. Viele seiner Initiativen richten sich an Schüler, die man frühzeitig mit der regionalen Wirtschaft in Kontakt bringen und so als spätere Arbeitnehmer und Unternehmer in der Region halten will. Das Problem: Im Landkreis gibt es keine Hochschule. Und da vier von fünf Abiturienten ein Studium aufnehmen, müssen sie ihre Heimat zumindest vorübergehend verlassen.

Politik und Wirtschaft fördern gemeinsam

Blick in die Zukunft? Ein 360-Grad-Film über das schöne Leben im Kreis Freyung-Grafenau soll Großstädter für die Provinz begeistern. Junge Leute aus dem Bayerischen Wald, die das Regionalmarketing als Promoter einsetzt, sprechen Passanten unter anderem im Münchner Olympiapark an, um ihnen die VR-Brille aufzusetzen. (Landratsamt)
Eine Imagekampagne mit dem Motto "Mehr als du erwartest…" soll dem Regionalmarketing jetzt noch mehr Pfeffer geben. Sie läuft seit Herbst 2016 und zunächst bis Ende 2018. Mit einer Verlängerung der Förderung wird in Freyung-Grafenau jedoch fest geplant. Mit 100 000 Euro unterstützt das Heimatministerium die Kampagne, 20 000 Euro kommen vom Landkreis. Dank Spenden regionaler Unternehmen – wie der Sparkasse – können Reichweite und Qualität der Kampagne gesteigert werden, erklärt Schuster.

Auf der Homepage der Kampagne stellen sich Gemeinden und Unternehmen vor, immerhin 123 freie Stellen sind momentan gelistet. Artikel berichten von erfolgreichen Start-ups und jungen Akademikern, die im Landkreis heimisch geworden sind. Über Facebook, Youtube, Instagram und Twitter werden Neuigkeiten in die Netzwerke verteilt. Die Marketingideen von Wirtschaftsreferent, Regionalmanager und der jungen Werbeagentur aus Freyung, die man mit der Umsetzung der Kampagne beauftragt hat, sind so ungewöhnlich, dass auch der "Bayerische Rundfunk", "Focus" und die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichten. Es wurden ein Jingle komponiert und ein Logo entworfen, mit dem man schon die Strampelanzüge von Neugeborenen "brandet". Es gibt eine 80-seitige Broschüre und einen 360-Grad-Film, der per VR-Brille zu sehen ist. Promo-Teams werden in Großstädte geschickt, um für den Landkreis zu werben. Und beim kostenlosen Kennenlernwochenende stellt ein Repräsentant des Landkreises Interessierten potenzielle Arbeitgeber, Kitas und Baugebiete vor.
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