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28. September 2012 - 11:18Mobile Payment in Japan

Technik braucht keine Bank

von Prof. Dr. Dirk Schiereck, Artur Tielmann

Die mobile Zahlungsverkehrs- und Kreditlandschaft hat sich an den japanischen Kreditinstituten vorbeientwickelt. Wesentlicher Faktor: eine standardisierte Mobile Payment-Plattform von NTT DoCoMo. Die Entwicklung in Fernost sollte für deutsche Institute ein Warnsignal sein, sich auf diesem Feld aktiver als bisher zu engagieren.

Selbst beim alltäglichen Lebensmittel-Shopping setzen die technik-affinen Japaner immer öfter das Mobiltelefon zum Bezahlen ein. (dpa - picture alliance)
Anfang August hat die Börsen-Zeitung berichtet, dass die amerikanische Coffeeshop-Kette Starbucks in ihren 7.000 US-amerikanischen Niederlassungen künftig eine neue mobile Zahlungslösung für Smartphones einsetzen wird. Sie wurde von der Firma Square entwickelt. Mobile Payment-Lösungen sind in den USA, wie in vielen anderen Ländern auch, weiter auf dem Vormarsch. In Deutschland bemühen sich verschiedene Initiativen ebenfalls darum, dass Bezahlen vor Ort auf elektronischem Weg endlich flächendeckend Fuß fasst. Die Voraussetzungen sind hierzulande inzwischen recht attraktiv. Zahlen der Bundesnetzagentur von Ende 2011 zufolge werden in Deutschland mehr als 112 Millionen Mobiltelefone genutzt. Zudem wurden im Jahr 2011 rund zehn Millionen Smartphones verkauft. Vor allem diese neue Generation von Mobiltelefonen wird mit immer mehr Funktionen ausgestattet, die dazu führen, dass der ursprüngliche Verwendungszweck, das Telefonieren und das Versenden bzw. Empfangen von Kurznachrichten, in den Hintergrund rückt und zusätzliche Dienste im Fokus stehen.

Etablierung von Payment-Systemen

Getragen nicht zuletzt von den neuen Smartphones konnten sich in manchen Ländern Mobile Payment-Systeme etablieren, die dazu geführt haben, dass die klassischen Säulen des Retail-Banking wie Zahlungsverkehr und Überziehungskredit ihre „Heimat“ in der Kreditwirtschaft partiell verloren haben und das Bankgeschäft von branchenfremden Markteindringlingen mit gestaltet wird. Ein Paradebeispiel für diese Entwicklung ist Japan. Deutsche Institute müssen angesichts des Erfolgs von Mobile Payment-Lösungen in anderen Märkten Strategien entwickeln, um diesem Trend auf ihrem Heimatmarkt wirkungsvoll begegnen zu können. Bisher fehlen wirklich überzeugende Antworten.

Japanischer Markt für Mobile Payment

Im Juli 2004 hat das Telekommunikations-unternehmen NTT DoCoMo einen Mobile Payment-Dienst in Japan gestartet.(1) Herzstück des Bezahldienstes ist der durch FeliCa Networks weiterentwickelte Smartcard-Chip FeliCa von Sony. FeliCa Networks ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Sony (57 %), NTT DoCoMo (38 %) und der East Japan Railway Company (5 %).(2) Basierend auf der schon aus Smartcards bekannten drahtlosen Funktechnik (RFID) entwickelte man dort einen NFC-Chip, der für verschiedene Anwendungen einsetzbar ist (z. B. als Ausweis, Führerschein, Münzersatz, Ticket für öffentliche Verkehrsmittel etc.). FeliCa Networks entwickelte ebenfalls das Lesegerät, mit dem sich der Chip im Mobiltelefon auslesen lässt.
Nachdem DoCoMo die Plattform, auf der das Mobile Payment funktioniert, entwickelt hatte, erfolgte ein strategischer Schritt, der die Verbreitung maßgeblich voranbrachte. Die Plattform wurde auch für andere Unternehmen (Mobilfunkbetreiber, Kreditkarten-unternehmen etc.) geöffnet. Die können seither ihre eigenen Mobile und Electronic Payment-Marken (Edy, QUIPay, Suica etc.) darauf betreiben.
Durch diese Vorgehensweise können alle Systeme dieselben End- und Lesegeräte sowie Datenformate verwenden und sind vollkommen kompatibel.(3) Revolutionär war zudem die Entscheidung, die Lizenzgebühr für Drittbetreiber von den bisher üblichen 50 bis 70 auf zehn Prozent der Erträge zu senken.(4) 2005 stiegen die beiden nächstgrößeren Mobilfunkanbieter, KDDI und Vodafone (seit Mai 2006 Softbank), ebenfalls in das Mobile Payment-Geschäft ein.
Mittlerweile wurden über 78 Millionen mit FeliCa-Chips ausgestattete Mobiltelefone verkauft, und es gibt über 1,5 Millionen Akzeptanzstellen in Japan. Die Zahl der aktiven Nutzer wächst stetig und erreichte 2011 einen Wert von 67 Millionen.(5) Auch die Zahl der Anbieter von Dienstleistungen und Waren, die auf Mobile Payment setzen, wächst. 2009 boten rund 70 Unternehmen Software-Applikationen oder Dienstleistungen wie Mobile Payment, Ticketing oder Loyalty, basierend auf FeliCa Mobile, an.(6 )

Funktionsprinzip des japanischen Mobile Payment

Wie dargestellt, gibt es eine Reihe von Mobile Payment-Systemen in Japan, die zwar alle auf derselben Basis funktionieren, jedoch für unterschiedliche Anwendungen eingesetzt werden. Von den Providern werden unterschiedliche Dienste angeboten:
  • Osaifu Keitai: Osaifu Keitai ist ein Mobile Payment-System von NTT DoCoMo auf Prepaid-Basis. Übersetzt bedeutet der Begriff einfach „Handy-Geldbörse“ und deutet damit den Sinn des Systems an: Es ersetzt das Münzgeld im Portemonnaie. Zum Bezahlen hält der Kunde sein Mobiltelefon, das mit einem FeliCa-Chip ausgestattet sein muss, über das entsprechende Lesegerät, und der Betrag wird abgebucht. Wenn das Guthaben aufgebraucht ist, kann es in Geschäften oder über das Internet wieder aufladen werden. Osaifu Keitai funktioniert somit relativ simpel und wird vermutlich gerade deswegen häufig genutzt, vor allem für Kleinstzahlungen.(7)
  • iD: Hinter der Marke „iD“ verbirgt sich der Kreditkartenersatz von NTT DoCoMo. Auch hier hält der Kunde in einem Geschäft mit Akzeptanzstelle sein Mobiltelefon über das Lesegerät und der eingebaute Chip wird via NFC aktiviert. Die Zahlung erfolgt. Der gesamte Vorgang dauert wenige Sekunden. Wenn der Kunde es wünscht, kann er die Zahlungsfunktion mit einer PIN schützen. Dann muss er jedoch vor der Zahlung die iD-App starten, eine Sicherheitsabfrage beantworten und anschließend bezahlen. Die Rechnungen der Einkäufe werden gesammelt und monatlich abgerechnet. Der Zahlungsdienst erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Nutzerzahlen von iD. Diese stiegen in den Jahren von 2006 bis 2009 sprunghaft an und erreichten 2010 einen Höchststand mit 15,84 Mio. Kunden.(8)
  • Edy: Edy ist ein Mobile und Smartcard Payment-System, das durch das Unternehmen bitWallet betrieben wird. Um es mit seinem Handy nutzen zu können, meldet der Kunde sich zunächst mit der Nummer seiner Edy-Kreditkarte in der heruntergeladenen und installierten App an. Anschließend kann er sein Handy als Kreditkartenersatz im stationären Handel nutzen oder auch C2C-Transaktionen vornehmen.(9)
  • Suica: In Japan wird der öffentliche Personenverkehr sehr intensiv genutzt. 2008 beförderte die Japan Railway Group rund 17 Millionen Passagiere täglich (13,5 % der Bevölkerung). Zu Spitzenzeiten durchqueren bis zu 60 Kunden pro Minute den Zugang zum Bahnsteig.(10) Die Beförderungsunternehmen setzen deshalb seit einiger Zeit auf automatische Ticket-Gates. Der Kunde erwirbt bei dieser Technik im Vorbeigehen mit einer Smartcard, basierend auf RFID Technik, ein Ticket. 2006 ging die East Japan Railway Group einen Schritt weiter und erweiterte ihr Produktangebot auf das Mobiltelefon. Der in FeliCa-Handys integrierte Chip kann seither auch als Ticket genutzt werden. Der Kunde hält sein Mobiltelefon beim Passieren des automatischen Gates über das Lesegerät und erwirbt damit ein mobiles Ticket. Zudem verfügt das System über eine Electronic Cash-Funktion. Der Kunde kann mit Hilfe einer App sein Guthaben aufladen und es an einer der rund 54.000 Akzeptanzstellen als Bargeldersatz nutzen.(11)
Über die genannten Verfahren hinaus gibt es weitere Mobile Payment-Systeme unterschiedlicher Anbieter (au, KDDI, SoftBank etc.). Ihnen allen ist jedoch gemein, dass sie denselben Standard und auch dieselben Lesegeräte nutzen. Dadurch entsteht eine homogene M-Payment-Landschaft, was das Zahlen mit dem Handy attraktiv macht und hohe Akzeptanz in der Bevölkerung schafft.
(1) Vgl. Bradford, 2007, S. 1.
(2) Vgl. http://www.felicanetworks.co.jp/en/company/outline.html.
(3) Vgl. Goswami, 2011, S. 4.
(4) Vgl. Ezell, 2009, S.37.
(5) Vgl. Brozy, 2011, S 5.
(6) Vgl. Pressemitteilung der Universität Augsburg „Mobile Payment und NFC: Wo steht Deutschland?“ vom 08. Januar2009.
(7) Vgl. http://www.nttdocomo.com/services/osaifu/ index.html.
(8) Vgl. NTT DoCoMo, 2011, S 38.
(9) Vgl. bitWallet, 2005, S. 13 ff.
(10) Vgl. East Japan Railway Group, 2008, S. 2 f.
(11) Vgl. East Japan Railway Group, 2008, S. 11 ff.
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  1. Technik braucht keine Bank
  2. Einheitliche Nutzung führt zu Sicherheitsproblemen
  3. Fazit und Ausblick
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Kommentare zum Artikel (1)

  • am 20. September 2012 - 06:09 Uhr schrieb Bernhard Klein

    Japan Mobile Payment

    interessant