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| 4 Fragen an...Sascha Klaus

"Wir ändern unsere Art zu arbeiten"

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind zwei Bereiche, in denen sich der Immobilienfinanzierer Berlin Hyp stark positioniert hat. Vorstandschef Sascha Klaus beschreibt im Interview mit der SparkassenZeitung, an welchen Entwicklungen aktuell gearbeitet wird.

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Ihre Bank nimmt eine Vorreiterrolle im Bereich Nachhaltigkeit ein. Wird aus dem Trend für die Branche mehr und mehr ein Standard, gewissermaßen eine Verpflichtung?
Sascha Klaus: Das ist so und das hat auch mit steigenden Anforderungen seitens der Politik und der Regulatoren zu tun. Es wird an einem europäischen Rahmenwerk für Sustainable Finance gearbeitet und da sind auch die deutschen Aufsichtsbehörden aktiv. Viele Großinvestoren müssen einen gewissen Anteil nachhaltig investieren und die Anlageklasse wächst und etabliert sich kontinuierlich. Wir haben das früh erkannt und engagieren uns auch bei der Entwicklung gemeinsamer europäischer Standards für diesen Bereich.
 
Vorstandschef Sascha Klaus und die Berlin Hyp leben die Digitalisierung: Der Kreitprozess wird zur Kredit-App. © Berlin Hyp
 
Ein weiteres Feld, auf dem Sie zu den Pionieren der Branche zählen, ist das der Digitalisierung. Geben Sie einen Einblick, was tut sich da?
Klaus: Intern haben wir zwei Großprojekte gestartet. In einem haben wir unsere Kreditstraße auf den Prüfstand gestellt und vollkommen neu gedacht. Das ist das Projekt Kreditprozessoptimierung 4.0. Da ändern wir kurzgesagt unsere Art zu arbeiten und kommen zu einer schnelleren, nicht-sequenziellen Zusammenarbeit der verschiedenen Abteilungen. So kann dann z.B. parallel an einem Kredit gearbeitet werden. Am Ende wird es eine Kredit-App geben, die statt vielen Seiten Prosa einen Kreditprozess in gänzlich neuer Form definiert.

Was heißt das genau und was sind die weiteren Projekte?
Klaus: Wir haben vom Kundenportal bis zum Backoffice-Bereich alles in einen Prozess integriert. Im Verlauf des Jahres 2020 wollen wir das Projekt abgeschlossen haben. Dann werden wir damit den modernsten Kreditprozess im Bereich gewerblicher Immobilienfinanzierung in Deutschland haben und auch anderen Banken und Sparkassen anbieten können. Des Weiteren wollen wir gemeinsam mit dem Proptech 21st Real Estate künstliche Intelligenz für die Wertermittlung nutzen. Für das Verbundprodukt ImmoAval programmieren wir gerade eine digitale Transaktionsplattform mit dem Fintech Brickvest, die in diesem Jahr an den Start gehen soll. Und mit dem OnSite ImmoAgent haben wir unser eignes StartUp gegründet. Das ist ein crowdbasierter Besichtigungsservice, der sozusagen einen virtuellen Blick auf Immobilien ermöglicht. Das kann nicht ein Gutachten ersetzen, aber einen wichtigen ersten Eindruck vermitteln.

Die Frage, die alle bewegt: Ist der Immobilienboom vorbei?
Klaus: Zumindest wird die Luft dünner. Viele Marktsegmente werden aber auch 2019 weiterwachsen. Der Wohnraummangel in Deutschland ist weiterhin ein großes Thema und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Baukosten steigen, die Grundstückspreise auch. Es gibt Büromärkte, wo es zu wenig Angebote gibt und nicht zuletzt im Logistikmarkt gibt es schlicht zu wenig Grundstücke, um das Potenzial an Projekten umzusetzen. Insgesamt werden 2019 etwas geringere Transaktionsvolumina im Markt erwartet als 2018. Wir in der Berlin Hyp werden aufgrund unserer Risikopolitik ebenfalls noch vorsichtiger agieren.