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Bundesverband Deutscher Stiftungen
Kleine haben es schwer
Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Stiftungskapital gelingt bisweilen kaum ein Inflationsausgleich. Das zeigt eine Befragung im Stiftungspanel vom Jahresbeginn.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen schätzten 62 Prozent der kleinen Stiftungen Anfang 2020 ihre Rendite für 2019 auf einen Wert oberhalb der Inflationsrate. Bei den großen Stiftungen waren es 84 Prozent. Insgesamt schauten die Stiftungen 2019 optimistischer auf die Vermögensanlage als im Jahr zuvor.

Die Online-Umfrage fand im Januar und Februar 2020 statt. Befragt wurden Stiftungen, die beim Stiftungspanel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen registriert sind.

Es beteiligten sich 42,3 Prozent der 605 registrierten Teilnehmer des Stiftungspanels. Träger des Stiftungspanels ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen, der die Interessen der 23.000 Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland vertritt und mehr als 4500 direkte Mitglieder hat.

Während 2018 knapp 30 Prozent der im Stiftungspanel befragten Stiftungen damit rechneten, dass die Rendite unterhalb der Inflationsrate liegt, war es 2019 lediglich ein Fünftel aller befragten Stiftungen. Allerdings betrug die Inflationsrate 2018 noch 1,9 Prozent, ein Jahr später lediglich 1,4 Prozent.

Lehmann: „Jetzt nicht in Panik verfallen“

Dieter Lehmann, Leiter des Arbeitskreises Stiftungsvermögen und Immobilien im Bundesverband Deutscher Stiftungen und Mitglied der Geschäftsleitung der Volkswagen-Stiftung: „Das Jahr 2019 war mit Blick auf die Vermögensanlage ein sehr positives für die meisten Stiftungen. Daher sind sie jetzt auch trotz der coronabedingten Ausschläge an den Finanzmärkten gut aufgestellt.“

Wichtig sei es, jetzt nicht in Panik zu verfallen, so  Lehmann. Größte Herausforderung bleibe der Umgang mit den niedrigen Zinsen in einem breit aufgestellten Vermögensportfolio. Stiftungen ohne Anlagerichtlinien sollten ihrer Vermögensanlage diesen strategischen Unterbau spätestens jetzt geben.

Knapp 70 Prozent der Stiftungen haben Anlagerichtlinien

Zwar ist der Anteil der befragten Stiftungen mit Anlagerichtlinien hoch. Allerdings haben knapp 30 Prozent keine Anlagerichtlinien. Bei kleinen Stiftungen mit einem Stiftungskapital unter einer Million Euro liegt dieser Prozentsatz sogar bei rund 40 Prozent. Bei großen Stiftungen ab einer Million Euro Kapital haben nur
16 Prozent keine Anlagerichtlinien.

Das Interesse der befragten Stiftungen, außerhalb der Anleihe-und Aktienmärkte zu investieren, ist unterschiedlich groß. Etwas weniger als die Hälfte hat das Stiftungskapital bisher nicht in dieser Form angelegt.

Wenn Stiftungen Investitionen außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte tätigen, dann überwiegend im Immobilienbereich. Das haben gut 40 Prozent der Befragten angegeben. Unternehmensbeteiligungen oder Wagniskapital spielen mit rund zehn Prozent eine untergeordnete Rolle.

Viele Anlagerichtlinien sehen bestimmte Investments nicht vor

Mehr als 40 Prozent der befragten Stiftungen, die bislang noch nicht außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte investiert haben, sehen das in ihren Anlagenrichtlinien gar nicht erst vor. Ein weiterer Grund ist das als zu hoch empfundene Risiko. Mehr als ein Drittel lehnt diese Anlageformen deshalb ab.

Ein Fünftel der Befragten ist zudem der Ansicht, noch nicht die passenden Anlageprodukte gefunden zu haben. In rund 19 Prozent der Fälle sind die Stiftungsgremien mehrheitlich dagegen.

25. Juni 2020