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| Versicherungen

Cyberpolicen drängen an die Spitze

Jedes Unternehmen, jeder Kunde kann Opfer eines Angriffs aus dem Internet werden. Eine Versicherung gegen Webattacken kommt für finanzielle Schäden durch Viren und Hacker auf.

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Wer den Internet-Auftritt der Provinzial Rheinland anklickt, ahnt, wo die Musik spielt: „Der beste Schutz Ihrer Identität – der Provinzial Internetschutz“ – so bewirbt der Versicherer seine neuesten Produkte. Und das aus gutem Grund. Risiken rund um das Internet sind ein Wachstumssegment der Branche. Schadsoftware, Phishing und Hackerattacken, aber auch interner Datenmissbrauch – die Liste möglicher Bedrohungen ist lang.

Die Produkte der Provinzial Rheinland wenden sich an kleinere und mittlere Unternehmen und an Privatkunden. „Die noch recht junge Sparte Cyber bietet aus unserer Sicht vielfältige Chancen“, sagt Pressesprecher Christoph Hartmann. „Wichtig ist uns, einen ganzheitlichen Versicherungsschutz aus einer Hand anbieten zu können.“ Das sei gerade bei Cyberrisiken von hoher Bedeutung. Es gebe zahlreiche Schnittstellen und Überschneidungen zu anderen Versicherungsdeckungen.

Derzeit dürfte sich das Prämienvolumen in Deutschland auf bis zu 200 Millionen Euro belaufen. Damit sind Cyberpolicen noch eine Randerscheinung. Die ersten Produkte kamen 2011 auf den Markt. Angeboten wurden sie von dem US-Spezialversicherer Hiscox, den Indus­trieversicherern Allianz, AIG, Chubb und dem Rückversicherer Munich Re. Die ersten Lösungen wurden für Großkonzerne entwickelt, inzwischen bieten gut ein Dutzend Versicherer auch Policen für Privatpersonen an.

Mit dabei ist die SV Sparkassenversicherung. Das Unternehmen habe einen Internetschutz 2016 eingeführt – damals als einer der ersten Versicherer in Deutschland, sagt Sylvia Knittel, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Seither habe die SV mehr als 20 000 Verträge verkauft. Es handele sich noch um ein Nischenprodukt, dennoch seien die Stuttgarter mit der Entwicklung „sehr zufrieden“. Auch eine Versicherung für Gewerbekunden hat die SV inzwischen im Sortiment.

Die Beratung KPMG schätzt das Potenzial für Cyberversicherungen bis 2036 auf 20 Milliarden bis 26 Milliarden Euro im deutschsprachigen Raum. Damit könnte Cyber zur größten Sparte der Schaden- und Unfallversicherung aufsteigen und die Kfz-Versicherung von der Spitze verdrängen.

Wie groß die potenzielle Unterdeckung auf dem Gebiet der Cyberversicherung ist, zeigt eine Studie des „Cyber-Risk-Management-Projekts“, hinter dem sich Versicherer und die technische Universität Singapur verbergen. Der Studie zufolge könnte ein weltweit koordinierter, mit infizierten E-Mails vollzogener Angriff Schäden von 88 Milliarden bis 193 Milliarden Dollar anrichten. Bei globalen Beitragseinnahmen von derzeit 6,4 Milliarden Dollar wären hier nicht einmal zehn Prozent der Schäden durch Cyberpolicen gedeckt.

Sparkassen als Vertriebspartner und Kunden

 
Entfernung virtueller Krabbeltiere: Der Versicherer übernimmt die Kosten. © Shutterstock

Das lässt vermuten: An Cyberpolicen kommt man in Zukunft nicht mehr vorbei. In der Gegenwart haben die Versicherer aber noch mit Problemen zu kämpfen. Die Produkte sind schwer zu handhaben: „Eine Herausforderung ist einerseits das Thema Schadenregulierung und anderseits die Gefahr eines Kumulschadens“, sagt Provinzial-Sprecher Hartmann. Wegen fehlender historischer Schadenerfahrung sei zudem eine risikoadäquate Kalkulation schwieriger als in traditionellen Sparten.

Mit ihren Produkten will die Provinzial Rheinland die Sparkassen als Vertriebspartner und als Kunden ansprechen. Seit 2017 bieten die Düsseldorfer ein auf die Risiken einer Sparkasse zugeschnittenes Cyberprodukt an. „Neben dem Ersatz von Eigenschäden und Drittschäden aufgrund eines Cyberangriffs unterstützen wir im Rahmen unseres Schadenprozesses auch bei der Forensik“, so Hartmann. Mit den bisherigen Abschlüssen sei man nicht unzufrieden.

„Die Sparkassen sind einer unserer wichtigsten Vertriebswege, über alle Produkte hinweg“, betont auch SV-Sprecherin Knittel. Den Internetschutz haben man gerade für die Institute entwickelt, da deren Kunden häufiger Opfer von Identitätsmissbrauch im Internet würden, zum Beispiel beim Kauf von Waren im Internet oder durch Missbrauch ihrer persönlicher Daten zum Zwecke der Bereicherung.

Um die Kundenberater der Sparkassen zu unterstützen, gibt es einen speziellen Antrag, der einen einfachen Einstieg in das Kundengespräch ermöglichen soll. Und natürlich sind die Cyberprodukte in die Beratungsprozesse des Gesamtbanksystems OSPlus integriert.

Was sich versichern lässt


Manchmal reicht es aus, den Link in einer unverdächtig erscheinenden E-Mail anzuklicken. In Sekundenschnelle sind alle Dateien verschlüsselt – nicht nur auf dem betroffenen Gerät, sondern im gesamten Netzwerk. Viele Mitarbeiter sind zum Nichtstun verdammt. Erpresser fordern Lösegeld, damit die Daten wieder freigegeben werden und der Betrieb weiterlaufen kann. Weiterhin drohen Gefahren durch Hacker, Viren oder Würmer. Möglicherweise werden Kundendaten gestohlen und Fremden angeboten. Oder Betriebsgeheimnisse und Wettbewerbsvorteile gehen verloren. Mit einer Cyberpolice versichern sich Sparkassen und Kunden gegen finanzielle Folgen von Webattacken. Der Schutz ist individuell kalkuliert und richtet sich unter anderem nach der Größe und dem Risiko des Unternehmens.

Beispiele für die Absicherungsbereiche:

Kosten für die Computersäuberung
Nachgewiesener Ertragsausfall
Dienste einer PR-Agentur, um Image­schäden zu reduzieren
Übernahme von Vermögensansprüchen, wenn Sie andere geschädigt haben

Ein Beispiel ist der Sparkassen-Internet-Schutz. Er enthält eine finanzielle Absicher­ung für Privatkunden, wenn es beim Online­banking, Onlinekauf oder auch -verkauf zu einem Schaden kommt. Bei missbräuchlich verwendeten Zugangsdaten, Passwörtern oder anderen Identitätsdaten sind Vermögens­schäden abgesichert. Die Versicherungen der Sparkassen planen, den Sparkassen-Internet-Schutz auch über die S-App anzubieten.

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