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| Bankenmarkt Spanien

Das Geschäft mit dem Klimawandel

Spaniens Finanzsektor hat seine Mission gefunden. Die Geldhäuser beraten Kunden zu Energiethemen und grünen Investments. Vorn im Ranking: die ehemalige Sparkasse Caixabank.

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Premier Pedro Sánchez ist nicht nur ein Verfechter von Frauenrechten in Europa, sondern inzwischen auch Klimaaktivist. Das verwundert nicht. Spanien ist das EU-Land, das voraussichtlich am meisten unter den Folgen von Meeresspiegelanstieg und anhaltender Dürre leiden wird.

 
Macht ökologische Probleme zur Chefsache: Spaniens Premierminister Pedro Sanchez, hier am 20. Juni in Brüssel. © dpa

Bei G20- oder auch bei bilateralen Treffen bringt der 48-jährige Sánchez das Thema Klimawandel immer wieder auf den Tisch. Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich aus dem Umweltdrama wirtschaftliche Chancen für Spanien ergeben könnten.

Derzeit importiert das Land jährlich für 40 Milliarden Euro Gas und Öl, vor allem aus Algerien und Saudi-Arabien. „Das Geld könnten wir uns sparen, wenn wir mit unseren vielen ungenutzten Flächen und 3000 Sonnenstunden im Jahr mehr auf Solarenergie setzen würden“, sagt Ökonom José Carlos Díez von der Universidad de Alcalá bei Madrid.

Das Klimathema verändert Geschäftsmodelle

Spaniens Banken haben das Potenzial des Klimawandels für sich entdeckt und werben inzwischen mit ihrem grünen Image. Bei einigen ist das vor allem heiße Luft, andere wie die ehemalige Sparkasse La Caixa, haben sich in dem Marktsegement bereits vorne positioniert. Alle bieten grüne Investmentfonds an, aber auch nachhaltige Finanzierungslinien und Beratung.

„Am Anfang waren grüne Fonds, Anleihen und Kredite eindeutig ein reines Marketinginstrument, um das schlechte Image der Banken zu verbessern“, sagt Manuel Romera, Finanzexperte der spanischen Business-Hochschule Instituto de Empresa. Das habe sich jedoch geändert, seit der EU-Aktionsplan für eine nachhaltige Finanzwirtschaft gesteigerten Druck ausübe.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission wird es allein in Europa jährlich bis zu 177 Milliarden Euro kosten, die 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedeten Ziele der Agenda 2030 umzusetzen.

Die wichtigsten Verbände des spanischen Finanzsektors, darunter der Bankenverband AEB und der Sparkassenverband CECA, haben Anfang des Jahres mit dem „Zentrum für verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Finanzieren in Spanien“ (Finresp) eine Institution gegründet, die dazu beitragen soll, die Herausforderungen zu meistern.

Kreditinstitute werden zu Öko-Beratern

Die adminstrativen Probleme und die Steuer für den Eigenkonsum von erneuerbarer Energie hat Premierminister Sánchez abgeschafft. Im Januar kündigte die Umweltministerin des Landes zudem an, in den kommenden zehn Jahren 236 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen zur Dekarbonisierung der spanischen Wirtschaft zu mobilisieren. Daraus sollen 364 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Seitdem laufen in Spanien wieder Kreditprogramme für alternative Energien. Spanische Sparkassen, Banken und Versicherer versuchen sich aber nicht nur als Finanzierer zu positionieren, sondern auch als Gestalter des Wandels.

Die etablierten Finanzinstitute wollen sich damit ihren Platz als Kundenberater neben den auch in Spanien stark wachsenden Fintechs und Bigtechs sichern, die über kein Filialnetz verfügen und in der Regel auch keine Versicherungen verkaufen.

Energie-Investments boomen wieder in Spanien

Wurden zwischen 2008 und 2015 wegen der Spekulationsblase kaum noch Wind- und Solarparks finanziert, ist Spanien bei internationalen grünen Investoren inzwischen wieder gefragt. Zwar kennt das Land keine grüne Partei, und viele Spanier tun sich bisher mit dem Recyceln von Abfällen eher schwer. Dennoch sind viele in den vergangenen Jahren bereitwillig auf Fahrrad, Elektroauto und Bus umgestiegen und haben klimafreundliche Heizungsanlagen installieren lassen.

 
Windpark in Andalusien – Spanien ist bei nachhaltig agierenden Investoren aus aller Welt wieder gefragt. © dpa

Die BBVA hat ihre Konsumkredite inzwischen für Kunden attraktiver gemacht, sofern diese ökologische Ziele verfolgen, etwa den Erwerb batteriebetriebener Autos oder zweirädriger E-Vehikel.

Entsprechende Beratung für Haushalte und kleine Unternehmen dürfte vielen spanischen Kreditinstituten in den kommenden Jahren die Existenz sichern. Die spanische Santander gehört laut Ratingagentur Moody‘s bei syndizierten Krediten für Wind- und Solarprojekte bereits zu den Marktführern in Europa.

Viele der spanischen Fondsmanager gehen mit dem Trend: „Es ist alles etwas übertrieben, aber selbst die katholische Kirche will jetzt nachhaltige Investments“, sagt ein hochrangiger Santander-Fondsmanager, der ungenannt bleiben möchte.

Geldinstitute werden zu Change-Experten

Saenz de Miera von Iberdrola sieht Banken und Sparkassen als Bollwerke im Kampf gegen den Klimawandel und warnt: „Die Transaktionkosten sind zwar enorm – angefangen bei höheren Energiepreisen – aber nichts zu tun, kommt uns noch viel teurer.“

Beatriz Manjón, Risikomanagerin bei der Banco Santander, teilt diese Meinung und fordert, Banken müssten aktive Akteure werden: „Es reicht nicht, grüne Unternehmen zu finanzieren oder grüne Anleihen zu verkaufen. Der Kunde will beraten werden, welche Heizungsanlage oder welches Auto er am besten kaufen soll.“ Damit ändere sich auch das berufliche Profil der Bankmitarbeiter.

 
E-Auto der Stadtpolizei von Valencia. Viele spanische Geldinstitute fördern Elektromobilität durch günstige Kreditbedingungen. © dpa

Top 5 der spanischen Banken, die den Klimaschutz fördern

1. Caixabbank: Good sells. Die von einer Stiftung geführte Caixabank wurde vom Magazin „Euromoney“ wegen ihrer Nachhaltigkeitskonzepte in diesem Jahr als europäisches Referenzinstitut ausgezeichnet. Gemäβ der Aktienindizes Dow Jones Sustainability Index, FTSE4Good, MSCI ESG und Euronext Vigeo Eiris gehört die Bank zu den weltweit grünsten Finanzinstituten.

 
Konzernzentrale der Caixabank in Barcelona. Das Nachhaltigkeitskonzept der Bank sorgt international für Aufmerksamkeit. © dpa

La Caixa hat im Februar eine Erklärung verabschiedet, in der sich die Bank verpflichtet, die Risiken des Klimawandels für die Finanzwelt zu identifizieren und durch gezielte Maßnahmen zu verhindern. Die Katalanen unterstützen gezielt Organisationen wie Fundación Privada Empresa y Clima (Firmenstiftung und Klima), um sich in diesem Markt als ehemalige Sparkassen vorn zu positionieren.

Als Marketinginstrument hilft die Caixa-Stiftung. In sogenannten Sozialwochen werden Mitarbeiter in ehrenamtliche Tätigkeiten eingewiesen. 46 Prozent der Belegschaft haben sich zudem verpflichtet, ehrenamtliche Aufgaben im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu übernehmen, auch an Wochenenden.

2. Banco Sabadell: Als soziale Bank etabliert. Die katalanische Banco Sabadell hat auch eine eigene Stiftung, die sich vielfältig für soziale Aspekte engagiert. Das Kreditinstitut hat den UN-Pakt für Menschenrechte, Umweltschutz und gegen Korruption ebenso unterschrieben, wie das Carbon und Water Disclosure Project (CDP) und wirbt auch intensiv damit.

 
Jaime Guardiola, Vorstandschef der Bank Sabadell. Das katalanische Geldinstitut mischt bei allen grünen Initiativen eifrig mit. © dpa

Seit vielen Jahren präsentiert sich das Geldinstitut als soziale Referenz in der spanischen Gesellschaft und setzt dafür Prominente als Testimonials ein. Wie viele andere spanischen Banken und Sparkassen versucht Banco Sabadell – inzwischen das drittgröβte Geldinstitut auf dem spanischen Markt –, bei allen möglichen grünen Initiativen namentlich aufzutauchen.

Das Kreditinstitut ist Mitglied im europäischen Programm Greenbuilding. Deutsche Unternehmer in Spanien bestätigen den guten Ruf der Bank, die die Krise vor zehn Jahren relativ unbeschadet überstanden hat.

3. BBVA: Nachhaltigkeitsstrategie geht unter in Spionageskandal. Die Bank BBVA mit der auffällig-leuchtenden Markenfarbe Blau hat sich derzeit vor allem auf die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten im B2B-Bereich spezialisiert, beispielsweise Kredite für Bauträger von energieeffizienten Häusern.

 
Carlos Torres Vila, Vorstandschef der spanischen Bank BBVA. Das Institut versucht, die Vergangenheit mit ökologischen Initiativen aufzupolieren. © dpa

Derzeit muss das Geldinstitut allerdings einen Skandal um ihren Ex-Präsidenten Francisco González verkraften. González wollte vor 15 Jahren eine feindliche Übernahme mit unlauteren Methoden verhindern.

Die BBVA lockt aber auch Konsumenten mit günstigen Krediten für Elektro- und Hybrid-Autos. Der neue Chairman der Bank, Carlos Torres Vila, verweist darauf, wie wichtig es sei, nicht nur Finanzierung, sondern auch klimafreundliche Beratung anzubieten. „Wir wollen für unsere Kunden die erste Anlaufstelle in Sachen Klimafragen werden“, sagt Vila. Die zahlreichen grünen Initiativen der Bank gehen derzeit jedoch in skandalträchtigen Negativschlagzeilen unter.

4. Bankia: Gutes tun und nach vorn schauen. Die ehemalige Sparkasse Bankia wird noch immer von zurückliegenden Skandalen eingeholt, viele Ex-Manager müssen sich vor Gericht verantworten. Doch Bankia blickt nach vorn und bietet Entwicklern von Immobilienprojekten mit hohen Umweltstandards günstige Finanzierungsverträge an. Im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits sieben solcher Projekte unterzeichnet. Die Zinsunterschiede zu normalen Projekten betragen 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte.

 
Logo von Bankia – die ehemalige Sparkasse bietet für Immobilienprojekte mit hohen Umweltstandards günstige Finanzierungsbedingungen. © dpa

Zudem hat die Bankia zusammen mit der Europäischen Investitionsbank BEI ein Projekt gestartet, um Kunden den Zugang zu nachhaltig gebauten Wohnungen zu erleichtern. 150 Millionen Euro wurden dafür von der BEI bereitgestellt, und Bankia hat noch einmal denselben Betrag draufgelegt.

Das Kreditinstitut hat eine eigene Finanzierungslinie für nachhaltige Kredite geschaffen, um beispielsweise Öko-Autos, Heizungen und Fenster günstiger zu finanzieren. Hier beträgt der Kreditzins einen festen Satz von 4,75 Prozent, die Laufzeit beträgt acht Jahre, und es werden bis zu 60 000 Euro finanziert.

5. Santander: Grüne Investments als neuer Standard. Santander, die gröβte Bank der Eurozone, ist für hohe Effizienz, aber auch für aggressives Marktgebaren bekannt. Das hat sich mit der neuen Chefin Ana Patricia Botín nicht geändert. Derzeitige und ehemalige Mitarbeiter der Bank können insofern nur müde lächeln über die grünen und sozialen Engagements des Geldinstituts.

 
Santander-Chefin Ana Patricia Botín. Die Tochter des ehemaligen Bankchefs Emilio Botin engagiert sich in Europas größtem Bankenkonzern für die Themen Ökologie und Gleichberechtigung von Frauen. © dpa

Die Bank hat jedenfalls das Imagepotenzial des Umweltschutzes erkannt. Zudem hat sie die Emanzipation als Thema entdeckt. Die Chefin - Tochter von Amtsvorgänger Emilio Botín - setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Die Bank sieht sich zudem den thematisch relevanten UN-Initiativen verpflichtet.

Vor allem bietet Santander eine Auswahl grüner Kredite an. Wer beispielsweise eine Hypothek für ein energieeffizientes Haus wünscht, bekommt bei Santander das Geld für zehn Basispunkte unter dem Standardzins. Bei grünen Fonds ist die Bank bereits spanischer Markführer. 66 Prozent des Gesamtvolumens dieser Investitionen werden von Santander Asset Management verwaltet.