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| Infrastruktur – Serie

Daten-Autobahnen – die Lebensadern der Wirtschaft

Wie Sparkassen und Landesbanken mit der Finanzierung von Glasfasernetzen die digitale Infrastruktur fördern.

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Die schlechte Versorgung des ländlichen Raums mit schnellem Internet ist zur Achillesferse der Wirtschaft geworden. Fast fast zwei Drittel der mittelständischen Sparkassen-Unternehmenskunden in ländlichen Regionen sind mit der Internetversorgung unzufrieden.

Das ist eines der Ergebnisse der Sparkassen-Expertenumfrage, die im Rahmen der Studie Diagnose Mittelstand im vergangenen Jahr durchgeführt worden war. Dazu waren 321 Firmenkundenberater der Sparkassen deutschlandweit befragt worden.

Es ist die langsame Datenübertragung, die für Unzufriedenheit unter den KMU sorgt. In ländlichen Regionen sind die Breitbandnetze vielerorts zu schwach für hohe Übertragungsgeschwindigkeiten, weil dort der Anteil an Glasfaserverbindungen gering ist.

 
In vielen ländlichen Regionen werden KMU durch schwache Netze ausgebremst. © dpa

Glasfasernetze ermöglichen Übertragungsraten im Gigabit-Bereich. Im Zeitalter der Digitalisierung sind solche „Daten-Autobahnen“ zur Lebensader der Wirtschaft geworden. Die Vernetzung von Maschinen und Prozessen in der Industrie auf Grundlage intelligenter und digital vernetzter Systeme ist nur mit solchen leistungsstarken Breitbandnetzen möglich.

Doch Deutschland hinkt beim Breitbandausbau vielen anderen Industriestaaten hinterher. Ein Hauptgrund für die Misere liegt im schleppend verlaufenden Ausbau von Glasfaseranschlüssen auf der sogenannten letzten Meile, also bis in die Häuser der Nutzer. „Das vielerorts mangelhafte Breitbandnetz ist deshalb zu einer Achillesferse des Wirtschaftswachstums geworden“, sagt Jürgen Arnoldt vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Er ist Autor der Studie Diagnose Mittelstand 2019, die den Fokus auf den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland richtet.

Sparkassen engagieren sich für die Daseinsvorsorge

Von der lückenhaften Versorgung mit Glasfaserleitungen betroffen sind nicht nur Unternehmen, sondern auch die Sparkassen und Landesbanken. Sparkassen sind wie andere Unternehmen auch auf eine leistungsfähige digitale Infrastruktur und schnelle Internetverbindung angewiesen: für den raschen Austausch von Daten oder Dokumenten, die Durchführung von Video-Konferenzen oder für das Onlinebanking.

Einzelne Institute der Sparkassen-Finanzgruppe beteiligen sich deshalb seit mehreren Jahren an der Finanzierung des Ausbaus der digitalen Infrastruktur. „Als kommunale Unternehmen der Daseinsvorsorge spielen die Sparkassen grundsätzlich eine wichtige Rolle in den finanziellen Geschäftsbeziehungen der Kommunen“, sagt Oliver Rottmann vom Institut für öffentliche Finanzen und Public Management der Universität Leipzig. Er ist Co-Autor einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie zur Förderung des Breitbandausbaus im ländlichen Raum.

Verschiedene Finanzierungsmodelle

Im Bereich Breitband haben die Sparkassen schon viel Erfahrung gesammelt, stellt Rottmann fest. An der Universität Leipzig ist er als geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge tätig.

 
Verschiedene Finanzierungsmodelle bieten individuellen Spielraum. © dpa

So vielfältig wie die Sparkassen-Finanzgruppe, so verschieden sind auch die Aktivitäten einzelner Institute bei der Finanzierung der Glasfasernetze. Einen Großteil des Breitbandausbaus finanzieren die Sparkassen indirekt über klassische Kommunalkredite zur Finanzierung der Infrastruktur. Als zweite Variante werden Unternehmenskredite an kommunale oder private Gesellschaften vergeben. Eine dritte Finanzierungsart ist die Projektfinanzierung.

Diese Finanzierungsart wird eher für Unternehmen gewählt, bei denen das Investitionsvolumen im Verhältnis zur Gesamtbilanzsumme sehr hoch ist. Das Projekt ist von der Gesellschaft wirtschaftlich abgrenzbar und muss sich selbst tragen. Ein Beispiel: Eine Kommune wird Gesellschafterin eines mittelständischen Unternehmens, das eigens für die Verlegung von Glasfasern gegründet worden ist. Dieses Unternehmen gründet, alleine oder zusammen mit anderen Unternehmen, eine Projektgesellschaft. Der einzige Geschäftszweck dieser Netzgesellschaft ist der Bau und Betrieb des Datennetzes beziehungsweise deren Verpachtung.

Komplexe Finanzierung

Die NordLB engagiert sich seit vielen Jahren in der Finanzierung von Infrastrukturprojekten im In- und Ausland, seit mehr als fünf Jahren auch für den Ausbau von Glasfasernetzen. Der geografische Schwerpunkt in Deutschland liegt in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Institute sind beispielsweise die Sparkassen Ingolstadt Eichstätt und Pforzheim Calw. Vor 20 Jahren schloss sich die Sparkasse Ingolstadt Eichstätt mit weiteren lokalen Unternehmen, darunter die Stadtwerke Ingolstadt, als Gesellschafter zusammen, um ein gemeinsames Unternehmen zum Aufbau eines Glasfasernetzes zu gründen. Die Sparkasse Pforzheim Calw wiederum begann 2002 ein Glasfasernetz aufzubauen. Betrieben und betreut wird das Datennetz von einer Tochterfirma der Sparkasse Pforzheim Calw.

Die Realisierung und Finanzierung eines Breitbandausbaus ist anspruchsvoll. „Der Kapitalbedarf ist hoch und die Planungen sind aus rechtlichen und technischen Gründen komplex“, sagt Jürgen Arnoldt vom DSGV. Die ersten Erträge in Form von Nutzerentgelten fließen erst spät, das bedeutet erst nach Abschluss aller Bauarbeiten und nach Abschluss der Verträge mit den Internetnutzern.

 
Breitbandausbau: Hoher Kapitalbedarf und eine komplexe rechtliche und technische Planung erfordern branchenspezifisches Fachwissen. © dpa

Nicht für jede Sparkasse geeignet

Ein solches finanzielles Engagement sei deshalb nicht für jede Sparkasse geeignet, gibt Jan Richter zu bedenken. Er ist Kundenbetreuer bei der NordLB und Spezialist für strukturierte Finanzierungen und Infrastrukturprojekte. „Um die speziell mit dem Glasfaserausbau verbundenen Kreditrisiken und Renditeerwartungen genau kalkulieren zu können, braucht es branchenspezifisches Fachwissen, was wir uns im Laufe der Jahre aufgebaut haben“, sagt Richter.

Dazu gehört insbesondere, die Entwicklung der Nutzerzahlen verlässlich prognostizieren zu können. Grundsätzlich rechnet er flächendeckend mit einem markanten Anstieg der Nachfrage nach schnellem Internet, also mit Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) und langfristig sogar bis zehn Gbit/s. Die Nachfrage von Privatkunden führt er auf den Erfolg von Streaming-Plattformen in HD-Qualität und der zunehmenden Vernetzung von Alltagsgeräten zurück.

In ländlichen Gebieten liegen die Erschließungskosten durchschnittlich zwischen 1000 und 5000 Euro pro Hausanschluss, rechnet Jan Richter von der NordLB vor. In besonders dünn besiedelten Regionen sind die Kosten höher, weil längere Kabelstrecken notwendig sind. Für 50.000 Anschlüsse liegen die durchschnittlichen Erschließungskosten demnach zwischen 50 und 250 Millionen Euro.

Hohe Renditeerwartung

Trotz hoher Investitionskosten und schwer vorhersehbarer Nutzerzahlen (und der damit verbundenen Einnahmen) ist die Finanzierung des Breitbandausbaus ein attraktives Investment. Renditen im hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Bereich sind laut Jan Richter für Eigenkapitalinvestoren durchaus zu erzielen. Auch auf Fremdkapitalseite liegen die Renditen über denen von anderen Infrastrukturprojekten.

Für den schleppenden Ausbau machen die befragten Experten mehrere Gründe verantwortlich: lange Genehmigungsverfahren, komplexe Beantragung der Fördermittel, Personalmangel in den Kommunen und Kapazitätsengpässe für Tiefbauarbeiten.

Um den Breitbandausbau zu beschleunigen, schlagen sie Partnerschafts- und Kooperationsmodelle vor. „Heute ist der Markt zersplittert“, sagt Jan Richter. Das Problem: Im Rahmen der Breitbandförderung plane oder baue ein Großteil der Kommunen Netze nur auf eigenem Gebiet. Gleichzeitig verlege eine Vielzahl von Internetanbietern auf private Initiative eigene Netze.

 
Eine Vielzahl der Netze wird lokal ausgebaut und nicht in der Fläche abgestimmt. In der Masse betrachtet, könnte das zu Chaos führen. © dpa

Ein solches unkoordiniertes Vorgehen sei unwirtschaftlich. Besser wäre es, wenn Kommunen sich untereinander oder mit Unternehmen in Konsortien zusammenschließen würden. Netzbetreiber sollten ihr vorhandenes Glasfasernetz anderen Internetanbietern gegen eine Gebühr zur Mitnutzung überlassen. Darüber hinaus empfiehlt Jan Richter den Abbau bürokratischer Hürden bei der Beantragung und Genehmigung staatlicher Fördermittel.

Weitere Finanzierungsbeispiele aus der Sparkassen-Finanzgruppe werden in Kürze in der SparkassenZeitung vorgestellt.