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| Mobile Filialen

Der rote Bus kommt an

Mit mobilen Filialen schaffen es zusehends mehr Sparkassen, ihren Service auch dort vor Ort anzubieten, wo eine Geschäftsstelle aufgrund veränderten Nutzerverhaltens mit einer anderen zusammengelegt werden musste. Dabei lassen sich auch neue Kunden gewinnen.

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Als Kerstin Zebe den roten Bus vorsichtig in der Fußgängerzone von Rahnsdorf parkt, wartet Hans-Joachim Gensch schon neben dem SB-Service der Berliner Sparkasse auf sie. Der Rentner hält eine fertig ausgefüllte Überweisung in der Hand. Die Beraterin kommt mit einem freundlichen Lächeln auf ihn zu, redet kurz mit ihm und nimmt den Beleg mit einem Dankeschön entgegen. Zwar nutzt der 91-jährige Kunde mittlerweile den in der SB-Halle bereitgestellten Geldausgabeautomaten für Bares und zieht seine Kontoauszüge aus dem Drucker. „Doch mit dem Überweisen am Terminal tue ich mich schwer“, gesteht er und ist dankbar für die Hilfe. Hinter ihm steht Gisela Apitz. Die 81-Jährige wünscht sich einen kurzen Rat von der Beraterin, deutet kurz auf das große Fahrzeug und sagt: „Es ist schon gut, dass es so etwas jetzt gibt. Denn die Filiale am Bahnhof haben sie uns ja genommen.“ Augenblicke später kümmert sich Zebes Kollegin Manuela Lettau um die Dame, hilft ihr die Stufen hoch in den Bus, wo sich die Beiden kurz an einen Tisch setzen.

Der rote Sparkassenbus, von den Berlinern „Justav“ getauft, kommt montags und freitags für jeweils zwei Stunden in diese Ecke – südöstlich der Metropole. Die beiden Beraterinnen fahren arbeitstäglich mehrere feste Haltestellen im Umland Berlins an. Hilfe ist nicht nur gewünscht, wenn es um den Zahlungsverkehr oder Fragen zum Onlinebanking geht. „Wir eröffnen auch Tagesgeldkonten, räumen Privatkredite ein und schließen auch Versicherungen ab“, sagt Beraterin Zebe. Die Berliner Sparkasse hat diesen Service 2017 gestartet. „Bei den Kunden kommt das Konzept gut an“, sagt Alexander Fest, Leiter für Private Kunden bei der Berliner Sparkasse, und ergänzt: „Zum Sommer hin schaffen wir daher einen zweiten Bus an.“

Flächendeckende Bargeldversorgung

Insgesamt 51 Sparkassen nutzen mobile Filialen in Deutschland und unterhalten dafür zusammen 67 Fahrzeuge. Das haben Forscher der Universität Duisburg-Essen vergangenes Jahr im Auftrag der Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe ermittelt. Die Busse finden sich vornehmlich in urbanen Geschäftsgebieten und ländlichen Regionen, wo Institute einzelne Standorte aufgegeben mussten, nachdem die Kunden vermehrt zum Onlinebanking übergegangen und immer seltener in die Filiale gekommen waren. Den Berechnungen der Studienautoren zufolge stärken die roten Transporter dabei die Erreichbarkeit der Sparkassen und die Betreuung der Kundschaft.

Ganz in diesem Sinne sagt Peter Klett, Vorstandsvorsitzender der Weser-Elbe Sparkasse: „Im Rahmen der kürzlich vorgenommenen Anpassung der Geschäftsstellenstruktur war uns wichtig, dass wir auf der Landkarte keine weißen Flecken hinterlassen.“ Mit der mobilen Geschäftsstelle biete sein Institut den Kunden wichtige Dienstleistungen im Zahlungsverkehr, einfache Beratungen und eine flächendeckende Bargeldversorgung im Geschäftsgebiet. „Ein fester Ansprechpartner“, so Klett, „quasi das Gesicht unseres Sparkassenbusses, ist immer vor Ort, unterstützt, beantwortet die Fragen der Kunden und spricht auch mal ein privates Wort.“ Man kenne und vertraue sich.

Wie wichtig das ist, weiß auch Christian Bonnen, Privatkundenvorstand der Kreissparkasse Köln, in deren Geschäftsgebiet mittlerweile sechs mobilen Filialen unterwegs sind, die 64 Haltepunkte ansteuern: „Das Angebot nutzen vor allem Menschen, die wenig mobil und daher in der Regel ortsgebunden sind.“ Dazu zählt er ältere Menschen ebenso junge Mütter oder Väter, die zum Beispiel beim Spaziergang mit den Kindern den Halt an der mobilen Filiale zum Geldabheben einplanen. Ausführliche Beratungsgespräche sind ihm zufolge aufgrund der räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten nicht vorgesehen: „Die Serviceberater nehmen aber gerne Beratungswünsche auf und leiten diese an eine nahegelegene Filiale weiter.“

Arbeit vor Ort erschließt neue Kunden

 
Der von den Berlinern schlicht „Justav“ getaufte rote Transporter fällt auf, wenn er arbeitstäglich im Kiez unterwegs ist. Die Berliner Sparkasse sorgt im Sommer für Verstärkung und schafft eine zweite mobile Filiale an.

Das Vertriebskonzept kommt auch gut bei den Mitarbeitern der Institute an. Die Berliner Sparkasse ist dafür ein Beispiel: Kerstin Zebe, die früher ihre Kunden in einer Filiale beraten hat, empfindet die mobile Arbeit als sehr abwechslungsreich: „Ich erlebe während meiner Arbeitswoche ganz unterschiedliche Seiten von Berlin, kann vielen Menschen helfen und arbeite vergleichsweise eigenverantwortlich in einem gut eingespielten Team.“

Es ist durch die Arbeit vor Ort auch möglich, neue Kundengruppen zu erschließen. Der rote „Justav“ ist beispielsweise montagmittags im Südosten Berlins auf dem Forum des Technologieparks Adlershof präsent. „Dort können wir – stärker als in der Vergangenheit – Entwickler, Gründer und Forscher ansprechen“, sagt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Fest. Wichtig ist es ihm zufolge auch, die Flexibilität des mobilen Angebots strategisch zu nutzen: „Wir probieren laufend unterschiedliche Orte aus und prüfen, welche dabei besonders gut angenommen werden.“

Wenn sich, wie etwa bei der Weser-Elbe Sparkasse, nach ein paar Jahren zeigt, dass der Bus in einer Ortschaft eher unterdurchschnittlich genutzt wird, weil sich die Kunden zur nächstgelegenen Geschäftsstelle hin orientieren, dann kann – wie jüngst – die Entscheidung fallen, diesen Standort zugunsten eines anderen nicht mehr anzufahren. Entsprechend sagt Vorstandsvorsitzender Klett: „Insgesamt sind wir mit der Resonanz unserer Kunden auf die mobile Geschäftsstelle sehr zufrieden und richten im Zuge der Anpassung der Filialstruktur auch zwei weitere Haltepunkte ein.“ Er prognostiziert für sein Institut: „Der Sparkassenbus wird sicherlich auch in Zukunft eine Rolle spielen.“ Wegen der zunehmenden Digitalisierung und der Möglichkeit, Dinge zusehends mehr von unterwegs oder von zu Hause aus zu erledigen, geht Klett aber eher „von einem gleichbleibenden Niveau“ des Angebots aus.