Anzeige
| Firmenkunden

Digital werden mit der Sparkasse

Denken Sparkassen die Transformation des Firmenkundengeschäfts konsequent weiter, erfasst die Digitalisierung künftig alle Geschäftsfelder – von der Beratung über die Kreditvergabe bis hin zum Zahlungsverkehr. Im Grunde lässt sich das gesamte Finanzmanagement von Firmenkunden digital abbilden.

Anzeige

Die Erträge im Firmenkundensegment werden in fünf Jahren zu 30 Prozent ausschließlich digital erwirtschaftet, prognostiziert die Boston Consulting Group. Gleichzeitig zeigt eine Befragung von Bearingpoint, dass Firmenkunden ein ständig steigendes Bedürfnis nach digitalen Angeboten haben. Sie setzen nach den Erfahrungen von Sascha Ruh, Unternehmensbereichsleiter Vertrieb und Research der Münchner S-Consulting, schon heute sehr stark auf digitale Kommunikationskanäle. Einen Schlüssel für die Zukunft des Firmenkundengeschäfts sieht er deshalb darin, dass sich Sparkassen stärker als digitale Finanzplattform präsentieren, in die auch Drittanbieter- und Fintech-Lösungen integriert sind.

Den ersten Prototyp eines solchen Onlineportals für Firmenkunden betreibt die Sparkasse KölnBonn. Von dort haben Kunden Zugang zu verschiedensten Applikationen wie dem Kontowecker, der über Geldeingänge – auch erwartete – informiert. Oder zur Onlinebürgschaft für wichtige Vertragsabschlüsse, die sich rund um die Uhr im Netz ausstellen und direkt an Vertragspartner weiterleiten lässt, wie Maximilian Blusch, Firmenkundentreuer des Instituts, im Portal erläutert. Auch eine Online-Terminvereinbarung ist direkt möglich. Das Firmenkundenportal ist daneben die Eintrittskarte zu vergünstigten Angeboten von Drittanbietern – bei der Sparkasse KölnBonn etwa des Hotelbuchungsportals HRS, des Daimler Carsharing-Unternehmens Car2go oder des Rechtsschutzanbieters Roland.

 
"Das Finanzcockpit ist der direkte digitale Draht zum Firmenkunden": Christian Kastner, Star Finanz, Hamburg.

Die Köln-Bonner-Lösung war quasi auch die „Blaupause“ für das zentrale Firmenkundenportal, das Finanz Informatik (FI) und Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) aktuell gemeinsam entwickeln. „Im ersten Schritt ging es darum, für Unternehmen relevante Inhalte aus dem Privat- in das Firmenkundenportal zu überführen“, erläutert Markus Schulz, DSGV-Abteilungsdirektor Firmenkunden. Diese „gewerbliche Internet-Filiale“ wird bis Sommer 2019 auch verschiedene neue Inhalte bekommen. Möglichst viele Tätigkeiten sollen dann sukzessive aus dem stationären Vertrieb in Onlineangebote verlagert werden. Ebenfalls bis Mitte des Jahres setzt die FI im Firmenkundenportal ein neuartiges Nutzer- und Berechtigungskonzept um. Damit wird eine Grundvoraussetzung für den Onlinevertrieb mit juristischen Personen geschaffen: Eindeutig zu wissen, wer am anderen Ende des Rechners sitzt und ob die Person den Geschäftsvorfall überhaupt ausführen darf.

Mit Applikationen Firmenchefs helfen

Gerade bei Unternehmen, für die digitale Prozesse schon längst fester Bestandteil ihres eigenen Kerngeschäfts sind, nimmt der Anspruch auf eine digitale Abbildung kaufmännischer Prozesse zu. Ein Handwerker oder Einzelhändler erwartet beispielsweise, dass es auch digitale Lösungen für seine Buchhaltung, Steuerablage oder die Rechnungsstellung gibt. Die Hamburger Finanz-Informatik-Tochter Star Finanz zeigt mit ihrer Finanzcockpit-App, wie sich Digitalisierung im Firmenkundengeschäft vorantreiben lässt und wie sie den Arbeitsalltag von Unternehmern vereinfacht. Die haben mit der App stets einen Überblick über alle wichtigen Finanzkennzahlen ihres Unternehmens und werden über Veränderungen automatisch via Push-Nachricht informiert, beschreibt Christian Kastner, Star-Finanz-Geschäftsführer, die Hauptvorteile. Neben dieser „High-Business-App“ soll es künftig auch noch eine abgespeckte „Small-Business“-Version – beispielsweise für Handwerker – geben.

Die Daten, die in der App angezeigt werden, basieren auf S-Firm, der Electronic-Banking-Software für Firmenkunden. Mithilfe des Finanzcockpits lassen sich unter anderem Informationen über Veränderungen auf den Geschäftskonten, Salden und deren Entwicklung sowie Umsätze anzeigen. Das mobile Finanz-Tool können Sparkassen ihren Firmenkunden sowohl als Tablet- als auch als Smartphone-Version zur Verfügung stellen. Darüber hinaus eröffnet das Finanzcockpit unmittelbare Kontaktmöglichkeiten, woraus ein direkter digitaler Draht zwischen Firmenkundenberater und Entscheider im Unternehmen erwächst. Ein Vorteil, den auch Schulz betont.

Ebenfalls ein S-Firm-Aufsatz ist die digitale Unterschriftenmappe, mit der sich bei Bankgeschäften im Ebics-Standard über die „Verteilte Elektronische Unterschrift (VEU)“ Aufträge mobil freigeben lassen. Unterschriftsberechtigte können sich über versendete Zahlungsaufträge informieren und diese per App autorisieren. Die mandantenfähige Mietkautionsverwaltung S-Account ist ein weiteres Beispiel einer für bestimmte Firmenkunden interessanten digitalen Lösung. Vom Leipziger Fintech Fio Systems entwickelt, lässt sich mit ihrer Hilfe die gesamte Kautionsbearbeitung effizient online und nach gesetzlichen Vorgaben abwickeln. Gleichzeitig reduziert sich der manuelle Verwaltungsaufwand um bis zu 90 Prozent.

Zahlungsverkehr am stärksten digital genutzt

 
"Die Sparkassen-Unternehmensplattform hat ein Alleinstellungsmerkmal im Markt": Michael Tillmann, Kreissparkasse Böblingen.

Wie überhaupt die Sparkassen ihren Firmenkunden – vor allem Händlern – noch stärker dabei helfen wollen, den Zahlungsverkehr (ZV) zu digitalisieren. Laut Bearingpoint-Befragung hat er bereits heute – mit großem Abstand – die höchste digitale Nutzungsquote (s. Abbildung). Zu einem ganzheitlichen, um digitale Komponenten erweiterten Produktangebot gehören für Ottmar Bloching, Geschäftsführer von S-Payment, künftig deshalb: Omni-Channel-fähige PoS- und E-Commerce-Angebote, Erweiterung des Terminalportfolios (zum Beispiel um mobile PoS-Terminals, die innovative Funktionen und Services bieten), Bereitstellung eines flexiblen Onlineshops/Webbaukastens, Shop-Finder-Module, digitale Kundenansprache (zum Beispiel über Beacons) oder Mehrwerte rund ums Payment (zum Beispiel Couponing, digitale Kundenkarte).
Und selbst von einem eigentlich auf Privatkunden zugeschnittenen Produkt für P2P-Zahlungen wie Kwitt könnte sich Bloching vorstellen, es „als Peer-to-Business (P2B)-Zahlverfahren im kleingewerblichen Kontext anzubieten“. Spezielle ZV-Branchenpakete sind ebenfalls denkbar: Hier gibt es mit Giromed bereits eine Lösung speziell für den Zahlungsverkehr von Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten.

Veränderungen kommen ferner auf das Kreditgeschäft zu. Eine automatisierte Kreditvergabe für kleinere Firmen wird „sich in großen Teilen der Branche durchsetzen“, prognostiziert Uwe Fröhlich, neuer Co-Chef der genossenschaftlichen DZ Bank. Die Sparkassen-Finanzgruppe plant, so Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, auf dem FI-Forum im November, Betriebsmittelkredite rund um die Uhr online und mit wenigen Klicks zur Verfügung zu stellen.

Firmenkunden digital auf Augenhöhe beraten

Markus Didier, Firmenkundenexperte der Kreissparkasse Köln, spricht das Thema Digitalisierung auch im Finanzcheck beziehungsweise Jahresgespräch an, wo es mittlerweile einen eigenen Bereich dafür gibt. Im neuen digitalen Beratungsmedium, den gewerblichen Finanzkonzepten, geht es um Fragen wie „Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für Ihre Branche/Ihr Geschäftsmodell?“, „Welche Schritte haben Sie geplant?“ und „Wie können wir Sie in der Digitalisierung unterstützen?“. Ergänzend werden aus den Branchenberichten Top-Infos zur Digitalisierung in den einzelnen Branchen eingeblendet, die als künftiger Gesprächsaufhänger dienen sollen.

Für entscheidend hält Schulz im Firmenkundengeschäft generell, noch stärker eine echte digitale Beratung zu unterstützen, etwa mit I-Pads oder anderen Tablets. Alle Informationen, die im Beratungsgespräch aufgenommen, können so unmittelbar ins OSPlus-System einfließen und dort gespeichert werden. Künftig schauen Berater und Kunde auf die gleichen Informationen. Da Inhalte aus der Einzelbilanzanalyse (Ebil) direkt als ­Werte und Grafiken integriert werden, können Kunde und Betreuer gleichzeitig Potenziale und Perspektiven sehen – und diskutieren. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Gesprächs­ergebnisse und notwendige ­Folgemaßnahmen direkt in OSPlus erfasst werden. Durch die ­Digitalisierung entsteht somit eine ganz andere Beratungssituation.

 
"Payment-Lösungen müssen in die gesamte digitale 'Customer Journey' integriert werden": Ottmar Bloching, S-Payment, Stuttgart.

Für Michael Tillmann, zuständiger Vorstand der Kreissparkasse Böblingen für Firmenkunden, ist das Generationen- beziehungsweise Nachfolgemanagement ebenfalls ein wichtiges Digitalisierungsthema. Wird ein externer Nachfolger gesucht, setzen viele Häuser schon die Sparkassen-Unternehmensplattform ein. Der von der BayernLB entwickelte Online-Marktplatz bietet den elektronischen Zugang zu interessierten Käufern und somit eine flächendeckende Vernetzung. Aufgrund der hohen Datenqualität sowie ihrer Aktualität hat diese Plattform ein Alleinstellungsmerkmal im Markt. Die sparkasseninterne Unternehmensbörse wird ausschließlich aus der S-Finanzgruppe gepflegt und hat durch den großen Marktanteil der Sparkassen im Firmenkundengeschäft eine starke Marktdurchdringung, weiß Tillmann aus ­Erfahrung.

Für Firmenkunden generell wichtig sind in diesem Bereich zudem Branchenberichte. 72 gibt es aktuell vom DSGV in Kooperation mit dem Sparkassenverlag, die mittlerweile auch als PDF-Download und damit digital bereitstehen. Eine gute Hilfe für das gesamte Geschäftsfeld ist ein umfangreiches Whitepaper der Star Finanz, das zum FI-Forum 2018 produziert worden ist. Es zeigt den aktuellen Stand der Digitalisierung im Firmenkundengeschäft und die damit verbundenen Chancen und Lösungen für Institute auf.

Firmenkunden wünschen künftig, so das Fazit, viele Leistungen online rund um die Uhr und vor allem digital. Das reicht von der heute nahezu selbstverständlichen Onlineterminvereinbarung und letztlich einmal bis zum Onlinekredit. Finanzprodukte müssen künftig digital beantragt oder gekauft werden können. Auch Beratung soll noch stärker als bisher auf digitaler Augenhöhe mit den Kunden erfolgen. In der Konsequenz bedeutet das auch eine stärkere Digitalisierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitswelt der gewerblichen Kundenbetreuer. Kundenberater müssen künftig in der digitalen Welt zu Hause sein, also ein I-Pad bedienen, über soziale Medien kommunizieren und per Video beraten können.

Sehr wichtig wird es sein, die Firmenkunden mit innovativen Portalen im eigenen Geschäftsuniversum zu halten, was Hightech-Unternehmen wie Amazon erfolgreich vorexerziert haben. Geschwindigkeit und Flexibilität in der Bearbeitung werden daneben nicht nur bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs erfolgsentscheidend sein, sondern nahezu in allen Geschäftsfeldern, die für Firmenkunden relevant sind.