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| Kommunalfinanzierung

Digital zum Kreditvertrag

Kämmerer setzen bei der Suche nach einer leistungsstarken und schnellen Finanzierung verstärkt auf digitale Anbieter. Bei Kreditinstituten steht die Kommunalfinanzierung ebenfalls wieder stärker im Fokus. Auch sie stehen unter Druck, ihre digitalen Zugänge auszubauen.

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Zahlreiche Banken und Finanzinstitute haben den Bereich der Kommunalfinanzierung in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ein härter werdender Wettbewerb haben die Margen gedrückt und dafür gesorgt, dass auch viele etablierte Player der Branche ihr Engage­ment reduzierten.

Doch das Blatt wendet sich: Drei von vier Banken gehen nun davon aus, dass das Geschäftsfeld Kommunalfinanzierung in den kommenden zwei bis drei Jahren an Attraktivität gewinnen wird. Die Trendwende zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab und sollte sich nun beschleunigen, wie das „Kommunal-Barometer 2019“ belegt.

Für die Studie hat Commnex zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 170 Experten aus Kommunen, kommunalen Unternehmen und Finanzinstituten befragt.

Einträgliche Geschäfte zu erwarten

Die vorliegenden Zahlen zeigen: Immer mehr Finanzinstitute halten die Kreditvergabe an Kommunen und kommunale Unternehmen für einträg­lich. 73 Prozent sehen in der Kommunalfinanzierung aktuell ein attraktives Geschäftsmodell. Im vergangenen Jahr waren lediglich 62 Prozent der befragten Banken dieser Meinung.

Und der positive Trend ist kein Strohfeuer: Auf Sicht von zwei bis drei Jahren wird sich die Attraktivität von Kommunalfinanzierungen nach Ansicht von 71 Prozent der befragten Finanzinstitute sogar noch weiter erhöhen (2018: 50 Prozent).

Die positive Stimmung rührt daher, dass Banken im Geschäft mit Kommunen viele Vorteile haben. Zunächst einmal ist das Risiko äußerst gering, da Städte und Gemeinden in Deutschland per Gesetz nicht insolvenzfähig sind.

Aus diesem Grund können Banken Kommunalfinanzierungen – und unter weiteren Voraussetzungen auch der Kommunalwirtschaft – ein Risikogewicht von Null zuteilen. Sie sind damit risikolos und zudem eigenkapitalneutral.

Als geeignete Anlageklasse für Pfandbriefe oder Versiche­rungskapital werden sie privilegiert behandelt und unterliegen auch hinsichtlich Meldepflichten oder Großkreditgrenzen regulatorischen Vereinfachun­gen.

Vorteilhaft ist ferner, dass kommunale Finanzierungen meist in großen Tranchen kommen und sehr einfach in der Handhabung sind. Das Geschäft mit der öffentlichen Hand ist deshalb nicht allein als risikoloses Ertragspotenzial interessant, es kann auch als sicheres Depot für Liqui­dität dienen und ist damit eine attraktive Option in der Gesamtkapital­steue­rung für die Bank.

Zudem ist der Gesamtmarkt extrem groß: Das jährliche Volumen für den kommunalen Kreditmarkt inklusive der Kommunalunternehmen beträgt in Deutschland rund 290 Milliarden Euro.

Kommunen wie Finanzwirtschaft profitieren auch zunehmend von den Möglichkeiten digitaler Marktplätze. Über den Online-Verkauf sinken die Vertriebs- und Akquise-Kosten auf ein Minimum. Dies ist von den Betei­lig­ten bereits erkannt worden.

Laut Kommunal-Barometer 2019 nutzt bereits jeder fünfte Kämmerer digitale Antrags- und Bearbeitungs­wege. Neben den Kosteneffekten profitieren sie auch von der einfacheren Bearbeitung. Und die freigesetzten personellen Ressourcen können dann in anderen Geschäftsbereichen eingesetzt werden.

Neue Kreditwege durch Digitalisierung

Das Umdenken in Richtung Digitalisierung verändert auch den Arbeits­alltag in den Kommunen. Zwar sind die Einzel- und Sammelausschrei­bungen per Mail immer noch am beliebtesten, aber das gute alte Fax­gerät verliert weiter an Bedeutung. Haben 2018 noch 43 Prozent der Kommunen und kommunalen Unternehmen ihre Kredite per Fax aus­geschrieben, ist der Wert 2019 auf 34 Prozent zurückgegangen.

Das große Plus einer digitalen Finanzausschreibung ist die Zeiterspar­nis. Bei knapp jedem fünften für die Studie befragten Kämmerer dauert die Bearbeitung einer Kreditausschreibung – von der Erstellung bis zum Zuschlag – im Durchschnitt vier Stunden oder länger. Dagegen wird für diesen Prozess auf Online-Marktplätzen deutlich weniger Zeit benötigt.

Gerade bei Investitionsdarlehen (zum Beispiel umfangreiches Struktur­projekt oder Umschuldungsmaßnahme) ist die Bearbeitungszeit deutlich kürzer. Für Ausschreibung, Prüfung und Auswahl eines passenden Angebots benötigen Nutzer nur wenige Minuten.

Möglich wird dies unter anderem durch einfache und intuitiv gestaltete Eingabemasken der Online-Finanzvermittler. Die Kommune definiert mit wenigen Klicks die Art des gesuchten Finanzgeschäfts, Volumen, Laufzeit sowie eine Ausschreibungsfrist.

Beim digitalen Kreditmarktplatz Commnex werden die Ausschreibungen etwa anschließend an registrierte Finanzinstitute weitergeleitet. Diese geben bei Interesse Angebote ab, aus denen die Kommune auswählt. Der häufig sehr zeitaufwendige Prozess des Marktvergleichs wird für Kommunen so erheblich verkürzt, da die Plattform auch automatisch verschiedene Tilgungsstrukturen, Laufzeiten und Zinsbindungsfristen gegeneinander abgleichen kann.

Künftig dürften digitale Marktplätze noch weiter an Bedeutung gewinnen, auch weil der Bekanntheitsgrad in Städten und Gemeinden stetig steigt. Diese Schnittstelle zwischen öffentlicher Finanzverwaltung und dem Finanzmarkt wird wichtiger werden.

Schlechtere Resonanz auf Kreditausschreibungen

Die einfache und schnelle Vergleichbarkeit verschiedener Angebote auf den digitalen Marktplätzen ist auch deshalb nötig, weil viele Kommunen und kommunale Unternehmen ein mangelndes Interesse an ihren Ausschreibungen festgestellt haben.

66 Prozent haben sogar angegeben, dass sich die Resonanz auf ihre Ausschreibungen in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat. Trotzdem verlässt sich immer noch ein großer Teil öffentlicher Einrich­tungen nach wie vor in erster Linie auf die vertrauten Finanzinstitute direkt vor Ort.

Dabei ist den Kommunen durchaus bewusst, dass an Alternativen zu den bekannten Finanzierungspartnern kein Weg vorbeiführt. Nicht zuletzt deshalb begrüßen neun von zehn befragten Kämmerern einen digitalen Marktplatz, der die Vergleichbarkeit von Kreditangeboten erhöht. Wichtig dabei: Eine solche Kredit-Plattform sollte nicht nur transparent, sondern auch bankenunabhängig sein.

Die Kämmerer legen zudem großen Wert darauf, die oftmals in Jahr­zehn­ten vertrauensvoller Zusam­menarbeit gewachsenen Verbindungen zu ihren regionalen Partnern nicht zu gefährden. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel eine sogenannte Hausbankenfunktion, die der besonderen Rolle gerade von Sparkassen Rechnung trägt.

Trotz dieser traditionellen Strukturen und Prozesse in der Kommunalfi­nanzierung haben immer mehr deutsche Kämmerer die digitalen Kreditmarktplätze auf dem Radar. Gegenüber der 2018er-Studie ist die Bekanntheit der Finanzierungsplattformen um beachtliche sieben Prozentpunkte auf nun 84 Prozent angestiegen. Schaut man sich die dynamische Entwicklung solcher Online-Marktplätze für privatwirt­schaftliche Unternehmen an, dürfte auch der kommunale Bereich schnell weiter an Fahrt gewinnen.

Wann kommt und was bringt die Zinswende?

 
Für Prof. Dr. Dirk Schiereck (TU Darmstadt) kann eine „Hausbankenfunktion“ auf Kreditmarktplätzen der besonderen Rolle gerade von Sparkassen Rechnung tragen.
Aber wie bewerten die Anbieter auf Finanzseite das Geschäft der Kommunalfinanzierung? Zwei maßgebliche Kritikpunkte werden geäußert: 59 Prozent der Finanzinstitute wünschen sich ein höheres Zinsniveau, genauso viele bemängeln die Gewinnerzielungsmög­lichkeiten.

Und genau in diesen Bereichen gibt es sowohl Hoffnungen auf eine als auch Befürchtungen vor einer Trendwende: Knapp die Hälfte der be­fragten Finanzinstitute geht davon aus, dass nach 2020 die Zinsen wieder steigen werden, 28 Prozent rechnen damit sogar schon im Jahr 2020. Und ein steigendes Zinsniveau wird – da sind sich 63 Prozent der befrag­ten Anbieter sicher – ein steigendes Engagement der Banken in der Kommunalfinanzierung mit sich ziehen.

Die andere Seite sieht die Zinsen nicht nur langfristig niedrig, sondern befürchtet eine weitere Absenkung, die auch durch jüngste Äußerungen von Zentralbanken weiter befeuert wird. Eine weitere Senkung würde die Finanzwelt weiter auf den Kopf stellen und neben den tiefen Zinsen erhebliche Probleme vor allem für die Liquidität und die Ersparnisse wohlhabender Kommunen bereiten.

Kommunen erhalten jetzt bereits kaum noch oder negative Zinsen auf ihre Einlagen und das Marktniveau zehrt die Gelder der öffentlichen Haushalte und damit Steuergelder auf. Sollten sich die Einlagezinsen noch weiter verringern, würde dieser Verlust von Steuergeldern weiter ausgeweitet.

Doch auch steigende Zinsen können in den Kommunen für Probleme sorgen. Lediglich 37 Prozent der Kommunen und kommunalen Unternehmen sind der Studie zufolge gut auf steigende Zinsen vorberei­tet. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 44 Prozent. Und das, obwohl 55 Prozent der Kämmerer davon ausgehen, spätestens im kommenden Jahr mit einem höheren Zinsniveau zurechtkommen zu müssen.

Scheinbar hat die lange Phase niedriger Zinsen viele Kommunen und kommunale Unternehmen etwas unvorsichtig gemacht. Besser wäre es gewesen, sich in den guten Haushaltsjahren auf mögliche rauere Zeiten durch eine ausreichende und langlaufende Finanzierung der Haushalte vorzubereiten, damit die finanzielle Handlungsfähigkeit langfristig gesichert bleibt.

Stattdessen gehen viele Kommunen oder kommunale Unternehmen hier jetzt sehenden Auges ein finanzielles Risiko ein, indem sie sich kurzfri­stig finanzieren, um noch niedrigere und oft negative Zinsen zu erhalten.

Fazit

Die Performance bei Kreditausschreibungen und -angeboten hat sich erneut beschleunigt. Kämmerer und Banken nutzen immer häufiger digitale Wege wie Kreditplattformen, um miteinander ins Geschäft zu kommen. Ein „Hausbankmodell“ soll dort dafür sorgen, dass alte und vertrauenswürdige Partner wie die Sparkassen weiter mit im Boot sind. Unklar sind der Studie zufolge, die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Niedrigzinsphase. Die sehen öffentliche Einrichtungen höchst unterschiedlich.

Zur Studie: Kommunal-Barometer 2019
Die Commnex-Studie „Kommunal-Barometer 2019“ basiert auf einer Online-Befragung zum Thema Kom­munal­finanzierung. Insgesamt haben 174 Kämmerer, Finanzentscheider kommunaler Unternehmen sowie Kommunalexperten privater, öffentlich-rechtlicher und genossen­schaftli­cher Finanzinstitute daran teilgenom­men. Weitere Informationen dazu gibt es hier. Über diesen Link lässt sich die Studie auch anfordern.

Autoren
Prof. Dr. Dirk Schiereck ist Leiter des Fachgebiets Unternehmens­finanzierung an der TU Darmstadt.
Friedrich von Jagow und Carl von Halem sind Mitgründer und Geschäftsführer der Commnex GmbH in München.