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| Instant Payment

FI öffnet Weg für Echtzeitzahlungen

Instant Payment ist die Zukunft des Überweisens. Doch für das Angebot müssen zahlreiche Kreditinstitute erst noch ihre technische Infrastruktur anpassen. Die Sparkassen sind dagegen in der Pole Position. Bei der technischen Realisation hat die Finanz Informatik Pionierarbeit geleistet: Der IT-Dienstleister setzt eine technische Abwicklungsplattform für Instant Payment in der Sparkassen-Finanzgruppe um.

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Dass Menschen beim Einkaufen ihr Handy statt ihr Portemonnaie zücken, zeigt deutlich: Der Zahlungsverkehr ist im Wandel. Neue Möglichkeiten wie kontaktloses Bezahlen oder Mobile Payment verändern das Nutzerverhalten. Bargeldloses Bezahlen wird bald die neue Normalität. Barzahlungen und auch beleghafte Überwei­sungen verlieren an Bedeutung. Allerdings hemmt der technische Prozess derzeit eine schnelle Gutschrift beim Empfänger. Dem steigenden Wunsch nach mehr Geschwindigkeit in der elektronischen Verarbeitung hat die Finanz Informatik (FI) Rechnung getragen und die technische Grundlage für Echtzeitzahlungen in der Sparkassen-Finanzgruppe geschaffen.

 
© BBL
Seit dem Start des bargeldlosen elektronischen Zahlungsverkehrs in den 1960er Jahren ist dieser immer noch Batch-orientiert. In einer Sammler­datenbank führt zunächst jedes Institut an den Geschäftstagen seine Zahlungsaufträge zusammen. Diese werden zunächst geprüft und gelangen nach Freigabe zu einer zentralen Clearing-Stelle. Sie kontrolliert alle Auftragseingänge und leitet sie an das Clearing-Haus des Empfängerinstituts weiter. Erst danach erfolgt die Gutschrift über das Institut des Begünstigten (s. Abb. 1). Die „Taktfrequenz“ für die Weitergabe der Daten richtet sich dabei nach wirtschaftlich sinnvollen Maßstäben. Kundenwünsche nach einem schnellen Geldeingang sind dagegen kein Maßstab.

In Zeiten, in denen allerdings Informationen in Echtzeit den Adressaten erreichen, wirkt dieser klassische Prozess veraltet. Damit wird Instant Payment zur echten Alternative bei elektronischen Überweisungsverfahren. Institute stellen ihren Geschäftskunden eine zeitgemäße Zahlungsabwicklung zu Verfügung, auf dessen Grundlage sie neue Geschäftsmodelle etablieren können.

Geld da in zehn Sekunden

 
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Nach der erfolgreichen Sepa-Umstellung haben die Europäische Zentralbank und nationale Notenbanken zusammen mit den Marktteilnehmern im Euro Retail Payments Board (ERPB) die Grundlage für Instant Payment gelegt. Seit einem Jahr lassen sich Echtzeitzahlungen nach dem Regelwerk des European Payments Council (EPC) für Sepa-Instant-Überweisungen abwickeln: innerhalb von zehn Sekunden, rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr (s. Abb. 2).

 
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Absender und Empfänger erhalten in diesem Zeitraum auch eine positive beziehungsweise negative Rückmeldung über Abbuchung und Gutschrift. Statt nach mehreren Tagen ist das Geld in wenigen Sekunden auf dem Konto gutgeschrieben. Der Adressat kann also sofort über den Zahlbetrag verfügen. Instant Payment ist damit kein neues Bezahlsystem, sondern digitalisiert den Zahlungsabwicklungsprozess. Wenn Kunden einen Auftrag erteilen, bleibt alles beim Alten: Sie füllen wie bei der klassischen Online-Überweisung eine Maske mit Empfänger, Iban, Betrag und Verwendungszweck aus. Anschließend geben sie die Zahlung frei (s. Abb. 3).

Was sich allerdings durch das neue Echtzeitprinzip ändert, ist die Prozesskette. Geschäftskunden können ihre Liquidität besser steuern und Reserven gezielt verplanen. Zahlungen fügen sich „instant“ reibungsloser in Kauf- und Lieferprozesse ein. Auch per Vorkasse oder als Anzahlung landet der Betrag innerhalb von Sekunden beim Händler. Dieser kann den Lieferprozess unmittelbar einleiten, so dass die Ware schneller den Kunden erreicht. Versicherungen beginnen automatisch mit dem Eingang des Betrags über Instant Payment. Ein gutes Beispiel dafür: Auslandskrankenversicherungen lassen sich auch noch direkt am Flughafen abschließen. Und Eintrittskarten und Abos stehen künftig binnen Sekunden zur Verfügung.

Sparkassen als First Mover

Als einem der wesentlichen Player in der Zahlungsverkehrsabwicklung war für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) das Thema schon früh von zentraler Bedeutung. Denn rund 40 Prozent der Transaktionen des deutschen Zahlungsmarkts laufen über Institute der Sparkassen-Finanzgruppe. 2017 hat die FI 4,5 Milliarden Zahlungsausgänge und 7,7 Milliarden Zahlungseingänge abgewickelt – Tendenz: steigend. Der Verband hat dem IT-Dienstleister deshalb bereits 2015 den Auftrag für eine Vorstudie mit dem Ziel gegeben: Anforderungen für den Wechsel einer Batch-orientierten zu einer Online-Abwicklung für Instant Payment zu identifizieren. Das zentrale Ergebnis war, dass die FI die Sammelfunktion auflösen und die Architektur der Zahlungsverkehrsabwicklung erweitern muss. Gleichzeitig nötig war ein neuer Prozess sowie eine Anpassung der betroffenen Schnittstellen. Nicht zuletzt galt es, Betrugsversuche ebenfalls in Echtzeit zu erkennen.

Auf Basis der Vorstudie hat die FI Anfang 2017 im Auftrag des DSGV eine zentrale technische Abwicklungsplattform in der Gesamtbanklösung OSPlus realisiert. Dem Projekt kam zugute, dass die Sparkassen schon frühzeitig die IT-Aufgaben bei der FI gebündelt haben. Denn mit OSPlus gibt es eine einheitliche und zukunftsfähige Gesamtbanklösung für alle rund 390 Institute, die auf einer modernen IT-Architektur basiert. Der Zahlungsverkehr ist darin tief integriert. Sämtliche Vertriebskanäle sind über entsprechende Schnittstellen angebunden. Als IT-Dienstleister organisiert die FI den Buchungsprozess über die gesamte Strecke zwischen den teilnehmenden Partnern bis zum Endbegünstigtem und überwacht ihn vollständig. Architektonisch organisierte der IT-Dienstleister – mit dem Ziel der Ausfallmengenreduzierung – die einzelnen Sparkassen nach regionalen Gesichtspunkten in produktiven Gruppen.

Vernetzung der Institute

Für die technische Umsetzung hat die FI auf den architektonischen Anpassungen der SEPA-Umstellung aufgebaut, die es bereits seit 2014 gibt. Das Projektteam hat diese vorhandene Architektur fortgeschrieben und sich auf die Besonderheiten der neuen Transaktionsabwicklung konzentriert. Ein wesentliches Merkmal ist eine direkte Anbindung aller Verbundpartner innerhalb der Gesamtarchitektur. Dazu hat die FI alle produktiven Gruppen sowie die Landesbanken Hessen-Thüringen (Helaba) und Baden-Württemberg (LBBW) als zentrale Clearing-Stellen in der Sparkassen-Finanzgruppe direkt vernetzt. Das Ergebnis: ein Kommunikationsnetz für Zahlungsein- und -ausgänge.

Damit hat die FI die Basis für einen neuen Prozess geschaffen. Die Daten lassen sich nun – anders als bei der früheren Batch-orientierten Lösung – sofort verarbeiten. Mit diesem neuen Prozess lässt sich jede Transaktion einzeln und kontrolliert abwickeln sowie überwachen: Von der Auftragsentgegennahme in der Sparkasse oder Landesbank bis zur Gutschrift beim Empfängerinstitut durch die beteiligten Partner – kontoführendes Institut, Clearing- und Verrechnungshäuser. Gleichzeitig zahlt es sich aus, dass die FI bereits seit etwa zwölf Jahren ein standardisiertes internes Clearing-Format nutzt. Dieser datenbankbasierte Ansatz garantiert eine kostengünstige Produktion, von der alle Institute profitieren. Für die Betrugsprävention sind ferner die Prüfprozesse grundlegend geändert worden: Aus Zeitgründen erfolgt bereits vor Eingabe der Tan eine erste Liquiditätsprüfung.

Der Informationsaustausch in der Sparkassen-Finanzgruppe erfolgt nach dem Prinzip des „Message Queuing“. Die Kommunikation der eingebun­denen Programme baut in diesem komplexen Netzwerk aus unterschied­lichen Hard- und Softwarekomponenten auf Warteschlangen auf. Nachrichten lassen sich darin nach der sogenannten „First-in-First-Out-Regel“ ablegen und daraus auch wieder entnehmen. Das System liest die eingehenden Informationen in Echtzeit aus – an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr. Dabei ist sichergestellt, dass bei einer starken Zunahme von Aufträgen automatisch zusätzliche Verarbeitungstransak­tionen starten. Auf diese Weise ist zu jeder Zeit eine schnelle Abwicklung gewährleistet. Gleichzeitig sorgen Tools für weitreichende Sicherheit, denn im komplexen Netz sind umfassende Überwachungsmaß­nahmen erforderlich. Das Verfahren sorgt so für einen unterbrechungsfreien Austausch mit externen Instituten.

Zahlungen aus Sparkassen zu anderen Instituten in Deutschland oder ins Ausland laufen über die Euro Banking Association (EBA). Sie fungiert dabei als Clearing-Stelle. Für diesen heterogenen Empfängerkreis setzte die FI eine zeitgemäße Schnittstellenarchitektur um. Da noch nicht alle Institute Echtzeitzahlungen anbieten, hat die FI eine Prüfroutine in den Prozess eingebaut. Der erkennt, ob das empfangende Kreditinstitut überhaupt Instant-Payment-ready ist. Das System tauscht die Informa­tionen im Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) aus, dem multibankfähigen Standard für Zahlungsverkehrs­daten. Die Daten sind mit einer elektronischen Signatur gesichert (s. Abb. 3).

Zwei Meilensteine zum Ziel

Die FI hat sich bei der Realisation für ein zweistufiges Vorgehen entschieden, weil das Projekt technisch komplex gewesen ist. Im ersten Schritt sind durch die FI Überweisungsprozesse umgestellt worden, die ausschließlich über die von ihr betreute Infrastruktur erfolgen. Dazu hat der IT-Dienstleister zuerst die Funktion Überweisung per Geld-senden in der Handy-Bezahlfunktion Kwitt auf Instant Payment freigeschaltet. Als die Zahlungsverkehrsabwicklung reibungsfrei lief, haben die Verant­wortli­chen den zweiten Schritt für europaweite Instant-Payment-Zahlungen mit Empfänger-Instituten außerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe umgesetzt.

Seit dem 10. Juli 2018 bieten die Sparkassen als erste Institute in Deutschland ihren Kunden Geldüberweisungen mit dem neuen Instant-Payment-Verfahren an. Sparkassenkunden beauftragen nun sowohl online als auch mobil Echtzeitzahlungen. So haben Kunden stets die Wahl, Beträge via Sepa oder in Echtzeit zu überweisen. Das neue Verfahren läuft sehr stabil und vollautomatisch und erste Erfahrungen zeigen eine gute Akzeptanz auf Kundenseite.

Fazit: Zeit für Neues

Seit Start dieser Echtzeitökonomie sind bis Ende Dezember 2018 bereits mehr als 11,7 Millionen Instant-Payment-Vorgänge über die neue Plattform für den Zahlungsverkehr abgewickelt worden. Zahlreiche Faktoren werden dafür sorgen, dass die Zahl zunimmt. Wenn weitere Bankengruppen und Institute das Verfahren anbieten, kommen gleichzeitig auch neue Nutzergruppen hinzu. Und auch neue Geschäftsmodelle im Onlinehandel erhöhen den Anreiz für Kunden, in Echtzeit zu bezahlen. Gleichzeitig arbeitet die FI daran, das Angebot attraktiver zu gestalten. Dazu zählen etwa „Sammlerüberweisungen“ in Echtzeit im Firmenkundenumfeld. Diese stehen ab November 2019 zur Verfügung. Die FI hat Pionierarbeit geleistet. Sparkassen positionieren sich gegenüber Privat- und Geschäftsstunden als First mover und damit auch als innovatives Institut gegenüber dem Wettbewerb.

Autoren
Klaus Wünsche ist Bereichsleiter Zahlungsverkehr bei der Finanz Informatik. Dort konzipiert und realisiert er mit seinem Team fachliche und technische Lösungen für Sparkassen und Landesbanken im Gesamtprozess der Zahlungsverkehrsabwicklung .
Ludger Lengers ist Senior-Fachberater im Bereich „Kernbankanwendungen Zahlungsverkehr“ bei der Finanz Informatik und fachlicher Architekt der OSPlus-Zahlungsverkehrsplattform.
Cengiz Koc ist Anwendungsentwickler im „ZV Clearing und TGZ“ bei der Finanz Informatik. Er unterstützt und verantwortet die technische Verarbeitung von Sepa-/InstantPayment-/DSRZ-Verfahren.