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Fintechs
Kooperation beflügelt das Neugeschäft
Wie Sparkassen ihr Produkt- und Service-Angebot um Lösungen aus der Fintech-Welt erweitern.

Fintech-Kooperationen sind heute die Regel bei Banken und Versicherungen. In exakt 1311 Fällen kommt es in Deutschland zur Zusammenarbeit zwischen einem Fintech-Unternehmen und klassischen Vertretern der Finanzbranche, ergab der dritte Fintech-Kooperationsradar der Unternehmensberatung PwC.

Kooperation findet meist auf operativer Ebene statt, 317 Mal sind die Kooperationen auch finanzieller Natur – eindrucksvolle Zahlen, erst recht im Vergleich zur Anzahl der Fintech-Unternehmen: 330. Nachgezählt hat der Sparkassen Innovation Hub zusammen mit den Beratern von EY.

Selbst wenn finanzaffine Dienstleistungen von Start-Ups und ausländische Fintechs hinzugezählt werden, zeigt die Studie „Unite! Banken und Fintechs 2020“, dass mathematisch gesehen heute jedes der insgesamt 610 Fintechs mit der klassischen Finanzbranche zusammenarbeitet, und das oft gleich mehrfach.

Wie kommen solche Kooperationen in der Sparkassen-Finanzgruppe zustande? Wie aufwendig ist die Implementierung? Was sagen die Mitarbeiter dazu? Und vor allem: Wie erfolgreich sind die Angebote bei den Sparkassenkunden?

Online-Beraterfinder für Privatkunden

Olaf Saage, Leiter Strategie und Innovation bei der Sparkasse Paderborn-Detmold berichtet von einer Präsentation des sogenannten Beraterfinders bei einer Veranstaltung von S-Markt und Mehrwert: „So haben wir zu dem Thema gefunden.“

 


"Heute machen zwei Drittel der Sparkassenbelegschaft mit, aber der Beratungsfinder war kein Selbstgänger."

Olaf Saage, Leiter Strategie und Innovation bei der Sparkasse Paderborn-Detmold


Der Beraterfinder ist ein Online-Service des in Wien von Harald Meinl und Maximilian Nedjelik gegründeten Fintechs Baningo. Es ermöglicht die Auswahl des passenden Beraters im Internet, inklusive Telefonkontakt, Job-Beschreibung, Foto und persönlicher Vorstellung mit Text.

Gründer Nedjelik konnte bei der Präsentation in Paderborn überzeugen. Die Kickoff-Werkstatt fand im Juli 2019 statt, acht Monate später ging das Angebot bei der Sparkasse Paderborn-Detmold live.

Verdopplung der Nutzerzahlen in nur zwei Monaten

Eine Implementierung in die Sparkassen-IT war nicht notwendig, einzig über die Schnittstelle Kalender-Einbindung ist die Baningo-Lösung mit dem Auftraggeber verbunden. Ansonsten liegt alles bei Baningo, vom Hosting bis zur technischen Abwicklung.

 


„Dazu liefen Beraterstories auf unseren Social-Media-Seiten, mit Porträtfotos und privaten Infos.“

Julia Kronshage, Sparkasse Paderborn-Detmold


„Im Sommer 2020 haben wir den Beraterfinder erstmals prominent auf unserer Online-Startseite platziert“, sagt Julia Kronshage aus dem Team von Olaf Saage: „Dazu liefen Beraterstories auf unseren Social-Media-Seiten, mit Porträtfotos und privaten Infos.“

Prompt verdoppelte sich die Nutzung: von August, als die Werbung anlief, bis Ende September stieg die Zahl der Profilaufrufe von 2739 auf 5567 pro Monat. Tatsächliche Kontaktaufnahmen gab es im September 759, nach 454 im August. Saage bilanziert: „Der Beraterfinder ist ein ganz tolles Tool, es hat sich etabliert und funktioniert hervorragend.“

Nicht jeder wollte gleich begeistert mitmachen

Eines darf man laut Saage allerdings nicht außer Acht lassen: „Heute machen zwei Drittel der Sparkassenbelegschaft mit, aber das war kein Selbstgänger. Nicht jeder ist sofort davon überzeugt, sich im Internet mit Foto zu zeigen. Doch nach den ersten erfolgreichen Abschlüssen hat sich das Tool mehr und mehr herumgesprochen.“

 

Beraterfinder auf den Seiten der Sparkasse Paderborn-Detmold. Nicht jeder war sofort davon überzeugt, sich im Internet mit Foto zu zeigen.


Saage würde daher heute Einiges anders machen: „Die Abstimmung mit anderen Abteilungen würde ich früher angehen, um parallele Funktionalitäten zu vermeiden. Was sich noch herausgestellt hat: Der Beraterfinder ist ein reines Privatkunden-Tool. Für Firmenkunden würde ich es also wahrscheinlich nicht noch einmal aufbauen.“

Volldigitalisierte Reisekosten- und Spesenabrechnung

Bei der Stadtsparkasse Düsseldorf ist Robin Nehring für das Screening innovativer Lösungen verantwortlich: „Eine wesentliche Quelle hierfür sind zwei Venture-Capital-Firmen, an denen wir beteiligt sind. Über diese erhalten wir Zugang zu einer Vielzahl von Startups und deren Lösungen“, erklärt der Innovationsmanager.

 


„Wir halten die Lösung von Circula trotz der massiven Reisebeschränkungen für ein weiterhin relevantes Thema für die Zielgruppe.“

Robin Nehring, Stadtsparkasse Düsseldorf


Überzeugt habe unter anderem die Reisekosten- und Spesenabrechnung von Circula, sagt Nehring. Es folgte die Bewertung im Fachbereich und schließlich die Empfehlung an den Vorstand. Nach dessen Zustimmung setzte ein interdisziplinäres Team den Auslagen-Service um, was Firmenkunden der Stadtsparkasse Düsseldorf nun seit Ende 2019 in die Lage versetzt, all ihre Spesen und Reisekosten digital abzurechnen.

Dazu müssen die Belege nur über die kostenpflichtige App fotografiert werden und landen über eine Schnittstelle auch bei der Datev. „Wegen der andauernden Reisebeschränkungen konnten wir das Angebot noch nicht umfassend kommunizieren,“ sagt Nehring: „Aber im Rahmen unseres Digitalisierungschecks weisen wir unsere Kunden natürlich darauf hin. Auch bei unserem virtuellen Mittelstandstag am 10. März steht es auf der Agenda.“

 

Portal der Sparkasse Düsseldorf für die Abrechnung von Geschäftsreisen. Wegen der Reisebeschränkungen konnte das Angebot noch nicht durchstarten.


Durch eine Funktionserweiterung wurde das Interesse kürzlich zusätzlich geschürt: Seit einigen Monaten lassen sich auch Home-Office-Spesen über die App abrechnen.

Nehring betont: „Wir halten die Lösung von Circula trotz der massiven Reisebeschränkungen für ein weiterhin relevantes Thema für die Zielgruppe. Es ist ein Baustein für die weitere Digitalisierung des Mittelstands.“

Hackathon für Fintech-Lösungen

Beim Sparkassen Innovation Hub in Hamburg, eine der zentralen Anlaufstellen für Fintechs in der Sparkassenwelt, arbeitet das neue Führungsduo Milena Rottensteiner und Janosch Krug derzeit unter anderem an der User Experience von neuen, digitalen Produkten und sieht sich dabei etwa alltagsnahe Banking-Lösungen für spezifische Zielgruppen an.

„Es geht um Flexibilisierung und Einfachheit“, sagt Krug. „Wie wäre es zum Beispiel mit einer Lösung für Paare und Familien, bei der sie einfach und angeschlossen an ihr Konto Umsätze teilen und ausgleichen können?“ 

Um solche Fragen zu beantworten, rief der Sparkassen Innovation Hub einen Hackathon ins Leben, der in diesem Jahr virtuell auf www.symbioticon.de stattfindet. Hier wird am 30. März der Sieger in einem großen Finalturnier gekürt. 

Geschäftserweiterung mit digitalem Versicherungsmakler

Einen anderen Ansatz wählte die Sparkasse Bremen: Mit der Transformation zum Finanzvermittler wandelte das Kreditinstitut die Konzerngesellschaft S mobile Versicherungsmakler vom Versicherungsmehrfachagenten zum Versicherungsmakler.

„Unsere Kundinnen und Kunden soll keinen Grund mehr haben“, sagt Christian Heyen, Senior Manager Projekte und Innovationen, „eine Versicherung nicht über die Sparkasse zu kaufen.“

Von 2017 bis 2020 arbeitete die Sparkasse Bremen mit  einer White-Label-Version des Online-Versicherungsmaklers Clark, bis dieser sich dann aus dem B2B-Geschäft zurückzog. Danach machte man sich auf die Suche nach einem neuen Anbieter und fand mit der JDC Group einen neuen Partner.

 


„Nur mit einer digitalen  Versicherungslösung können wir echte Mehrwerte schaffen und als regionale Plattform neben Check24 sowie anderen Anbietern bestehen.“

Christian Heyen, Senior Manager Projekte und Innovationen bei der Sparkasse Bremen


Mit der neuen Lösung können bestehende Versicherungen verwaltet, verglichen und in sieben Versicherungssparten vollautomatisch abgeschlossen werden. Insgesamt 160 Versicherungsgesellschaften werden über die White-Label-Lösung angeboten. 

Christian Heyen zeigt sich überzeugt: „Nur mit einer digitalen  Versicherungslösung können wir echte Mehrwerte schaffen und als regionale Plattform neben Check24 sowie anderen Anbietern bestehen.“ 

In nur fünf Monaten führte JDC die neue Lösung in Bremen ein, inklusive Mitarbeiterschulung, technischer Anbindung und Datenmigration von Clark. Marktstart war im November 2020.

„Versicherungen sind ein komplexes Geschäft, deshalb werden wir immer auch Spezialisten vor Ort in unseren Stadtteilfilialen haben. Aber wer will, kann die Versicherungen seiner Wahl eben auch komplett online abschließen. Im Sommer soll die Vermarktung der neuen Plattform starten, dann hoffen wir auf viele neue Kundinnen und Kunden“, sagt Heyen . 

Christian Gehl
– 16. März 2021