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| Firmenkundenberatung

Geld und Gründergeist

Mit Unterstützung der Sparkassen können Jungunternehmer eine eigene Firma aufbauen. Die Unterstützung beschränkt sich nicht auf die Finanzierung. Start-ups profitieren auch vom Know-how der Sparkassen-Gründungsexperten und ihren Netzwerken.

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Es ist eine Geschäftsidee mit viel Wachstumspotenzial, und das nicht nur kommerziell, sondern auch im wortwörtlichen Sinn: der „wachsende Kalender“. Vor zwei Jahren hatten drei Studenten der Universität Erlangen-Nürnberg den Einfall, einen Wandkalender auf den Markt zu bringen, bei dem jedes Monatskalenderblatt eine Blumen- oder Gemüsesorte beschreibt. Der Clou: Die Samen der Pflanze sind in das Kalenderblatt eingearbeitet. Am Ende eines Monats reißt man das Kalenderblatt ab, zerkleinert es und pflanzt die Papierfetzen in einen Topf oder Blumenkasten ein.

 
Grünende Geschäftsidee: Die Gründer von Primoza mit ihrem wachsenden Kalender. © Primoza

Die drei Hochschulabsolventen setzten die Idee in die Tat um und gründeten 2018 die Primoza GmbH mit Sitz in Nürnberg. Die Firma beschäftigt aktuell zehn Vollzeitmitarbeiter. Im ersten Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 600.000 Euro, wie Geschäftsführer Tobias Aufenanger gegenüber der SparkassenZeitung sagt. Für 2019 rechnet der 28-jährige promovierte Volkswirt mit einer Verdoppelung des Jahresumsatzes. Der Kalender wird online und wurde in ungefähr 40 deutschen Städten auf Weihnachtsmärkten verkauft.

Gute Geschäftszahlen

Zum Erfolg der Primoza hat auch Jürgen Kempfle beigetragen. Er ist Firmenkunden- und Existenzgründungsbetreuer bei der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach. Mit einem Kredit in sechsstelliger Höhe ermöglichte der 45-jährige die Finanzierung im zweiten Geschäftsjahr.

Vorangangen war ein Wettbewerb für studentische Existenzgründer an der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Geschäftsidee war dort Ende 2017 ausgezeichnet worden. Kempfle war Mitglied der Wettbewerbsjury. Er ist auch als Experte und Jurymitglied für den Deutschen Gründerpreis tätig. Diese Auszeichnung wird von ZDF, Porsche, „Stern“ und der Sparkassen-Finanzgruppe verliehen.

Der Sparkassen-Firmenkundenberater ist vom langfristigen Erfolg des außergewöhnlichen Kalenders überzeugt: „Die aktuellen Kennzahlen übertreffen die Planzahlen bei Weitem. Der Break-even war bereits im ersten Geschäftsjahr erreicht worden. Die guten Geschäftszahlen und das bestens qualifizierte Gründerteam sind die Grundlage der Finanzierungsgewährung.“

Das erste Geschäftsjahr war hauptsächlich aus Familiendarlehen und einer Crowdfunding-Aktion finanziert worden. Bevor eine Finanzierung für 2020 vereinbart werden könne, müssen die ersten Quartalszahlen abgewartet werden, so Kempfle.

Die Unterstützung der Sparkasse ist nicht auf die Vergabe von Krediten oder von öffentlichen Fördermitteln beschränkt. So steht der Gründungsexperte den drei Jungunternehmern bei Bedarf beratend zur Seite. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, von der guten Vernetzung der Sparkasse in Unternehmerkreisen zu profitieren.

Hilfreiche Tipps der Sparkassen-Experten

Um Existenzgründungen zu fördern, hat die Sparkasse Siegen im Frühjahr 2019 das „Gründerwerk“ eröffnet. Das Gründercenter der Sparkasse befindet sich direkt gegenüber der Universität Siegen und wird gemeinsam mit dem Siegerlandfonds betrieben. Der Siegerlandfonds ist eine Eigenkapitalbeteiligungsgesellschaft und ein Tochterunternehmen der Sparkasse Siegen.

 
Sparkassenvorstand Burkhard Braach (links) mit dem Gründerwerksteam (graue Shirts) und, in Rot, mit der Marketingabteilung inklusive Hostessen beim Eröffnungs-Event. © Sparkasse

Im Gründerwerk können sich Gründungswillige in allen finanziellen Belangen beraten lassen. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell einer kritischen Prüfung durch die Gründerexperten der Sparkasse unterziehen zu lassen.

Baris Watzke ist vom Siegerlandfonds mit einem Investitionsbetrag unterstützt worden. Geschäftszahlen möchte er nicht öffentlich bekannt geben. Der 28-Jährige hat Medocs mitgegründet, eine Online-Plattform zur Förderung der Zusammenarbeit von Fachärzten und zum Austausch von Patienteninformationen. Das Start-up existiert als Firma seit März 2019.

Im Gründerwerk ist Watzke bei der strategischen Finanzplanung unterstützt und beraten worden. „Die Expertinnen und Experten der Sparkasse haben mir hilfreiche Tipps gegeben, zum Beispiel, welche Kostenfaktoren ich in der heiklen Aufbauphase besonders im Auge behalten muss“, sagt der studierte Informatiker.

 
Mit zahlreichen Tipps von der Sparkasse gestartet: die Gründer der Online-Plattform Medocs. © Medocs

„Wir wollen Erfolg versprechenden Geschäftsideen nicht nur mit Geld, sondern auch durch die Vernetzung mit Unternehmern, Investoren und Branchenexperten zum Durchbruch verhelfen“, sagt Sparkassenvorstand Burkhard Braach. Deshalb finden im Gründerwerk regelmäßig Veranstaltungen statt, zum Beispiel Vorträge von Professoren der Universität, Workshops mit Gründern und Netzwerkpartnern oder Start-up-Brunchs.

Im Weiteren bietet das Gründerwerk die Möglichkeit, einen provisorischen Laden, einen sogenannten Pop-up-Store, zu betreiben. Junge Selbstständige können das Gründerwerk zudem für Besprechungen oder Seminare nutzen.

Suche nach den „Trüffeln“

Eine besondere Einrichtung zur Unterstützung von Start-ups aus der Finanzbranche ist das Anfang 2017 ins Leben gerufene Sparkassen Innovation-Hub in Hamburg. „Wir suchen hier nach ‚Trüffeln‘ in der Welt der Fintechs“, sagt Bernd Wittkamp. Er ist Leiter des Innovation-Hub, das von mehreren Trägern finanziert wird. Zu diesen gehören mehrere große Sparkassen, die BW Bank, der DSGV, die DSV-Gruppe und die Finanz Informatik.

„Wir gehen Kooperationen mit Start-ups ein, die Produkte entwickelt haben, die den Sparkassenkunden einen Mehrwert bieten“, sagt Wittkamp. Die Software-Produkte werden dann in den Fachabteilungen innerhalb der Sparkasse-Finanzgruppe weiterentwickelt mit dem Ziel, diese in die Online-Angebote der Sparkassen zu überführen.

Ein Beispiel für eine solche Software ist Aboalarm. Aboalarm ist ein Online-Dienst zur Verwaltung und automatischer Kündigung von Mitgliedschaften und Abos, zum Beispiel von Handyverträgen oder Zeitschriftenabos. Dank der Kooperation mit Aboalarm können auch Nutzer von Star-Money, einer Onlinebanking-Software für Sparkassenkunden, diesen Dienst nutzen.

Hohes Ausfallrisiko

„Mit der Unterstützung von Start-ups leisten die Sparkassen einen wichtigen Beitrag zur Förderung der regionalen Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen“, sagt Markus Schulz. Er ist Leiter Firmenkunden in der Abteilung Vertrieb im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Diese positiven Beispiele können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anzahl Gründungen seit Jahren rückläufig ist.

Der Rückgang der Gründungen resultiert vor allem aus der stabilen Beschäftigungssituation. Dennoch ist das eine bedenkliche Entwicklung, weil Existenzgründungen der Motor für Wachstum und Wettbewerb sind. Doch den Sparkassen sind Grenzen gesetzt, denn das Ausfallrisiko ist hoch: DSGV-Experte Schulz schätzt, dass rund die Hälfte der neu gegründeten Firmen in den ersten drei Jahren scheitert. Bei Start-ups aus der Technologie- und Digitalbranche liegt diese Quote deutlich höher.

In dieser kritischen Entwicklungsphase ist die Betreuung durch die Bank besonders personal- und zeitintensiv. „Im besten Fall rechnet sich ein Engagement für die Sparkassen erst nach mehreren Jahren, wenn sich daraus eine längerfristige Kundenbeziehung entwickelt hat“, sagt Schulz.

Eine sinnvolle Alternative für die Sparkassen sind Beteiligungen an Gründerfonds. Laut Schulz sind die Sparkassen insgesamt mit rund 53 Millionen Euro an solchen Investmentfonds beteiligt. Die Co-Finanzierung in Partnerschaft mit Venture-Capital-Gesellschaften sowie die Einbeziehung von Crowdfinanzierung sind weitere nützliche Instrumente, um Gründungen zu realisieren.

Online-Kreditvergabe ab diesem Jahr

Die Sparkassen wollen Jungunternehmer nicht nur mit attraktiven Krediten, sondern auch mit digitalen Dienstleistungen für sich gewinnen. Als Beispiel nennt Markus Schulz das „Giro Checkout“, die Bezahllösung der Sparkassen für Online-Shops. Er kündigte für das neue Jahr Verbesserungen und neue Services mit dem neuen Firmenkundenportal an, wie zum Beispiel die Online-Kreditvergabe.

Geschäftsführer Aufenanger fühlt sich bei der Sparkasse Erlangen gut aufgehoben: „Als Gründer braucht man eine Hausbank, die das Geschäftskonzept versteht und neuen Produkten eine Chance gibt und nicht nur auf Umsatzzahlen schaut. Die persönliche und bedarfsorientierte Beratung schätze ich sehr. Jürgen Kempfle hat immer an uns geglaubt und sich mit viel persönlichem Engagement für uns und unser Produkt eingesetzt.“