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Jahresergebnis
Häuser im Norden liegen auf Kurs
Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein, spricht von einem „respektablen Jahresergebnis“ für die Häuser seines Verbandsgebiets. Vorsorge sei aber angebracht.

Die finanzwirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise werden sich vollständig erst in den nächsten Monaten zeigen, sagte Boll. Zwar sei eine steigende Zahl von Kreditausfällen derzeit kein Thema, in der einsetzenden Rezession seien aber negative Effekte in den Bilanzen der Häuser unvermeidbar. Das Ausmaß könne derzeit aber nicht seriös beziffert werden.

Während der nächsten fünf bis zehn Jahre sei keine Wende in der Zinspolitik zu erwarten. Daher müssten die Sparkassen weiter auf das Kreditgeschäft setzen, mit der Optimierung ihrer Strukturen fortfahren und mit innovativen Angeboten ihre Ertragslage weiter ausbauen, sagte der Verbandschef.

Wegen der dauerhaft ausbleibenden Zinsen für Sparer müssten sich die Sparkassen geschäftspolitisch fortlaufend auf die Marktsituation neu einstellen. Zudem belasteten die Sparkassen die Verwahrentgelte für die Einlagen von Geldern bei der EZB und die Anforderungen der Regulatorik. Das Kreditgeschäft müsse dem belastenden Teilen des Einlagengeschäfts entgegenwirken.

„Innovation, Optimierung, Mitarbeiterentwicklung“

Investitionen in digitale Innovationen, Mitarbeiterentwicklung, stetige Optimierung und eine klare Haltung zu den Aufgaben der Sparkassen seien essenziell. Die Leitlinien für die Sparkassen seien auch in Zukunft die Bedürfnisse der Kunden, sagte Boll.

Die stabile und nachhaltige Entwicklung der Sparkassen in Schleswig-Holstein zeige sich am gestiegenen Geschäftsvolumen von 42,4 Milliarden Euro, das seien 4,5 Prozent mehr als 2018. Dabei wandten sie für Gehälter und Sozialabgaben 421,3 Millionen Euro auf. Das waren wegen Tarifsteigerungen 1,8 Millionen Euro mehr als 2018.

Der Zinsüberschuss betrug 2019 im Durchschnitt 1,74 Prozent der der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS). Im Bundesvergleich erzielten die schleswig-holsteinischen Sparkassen damit ein gutes Ergebnis und bestätigen ihre solide Entwicklung.

Die stetige Erhöhung der Eigenmittel, auch wegen der Basel-III-Reform, ergab 2019 eine durchschnittliche Kernkapitalquote von 13,97 Prozent. 

Boll: Gutes Jahresergebnis muss auch in Vorsorge fließen

Das Jahresergebnis nach Steuern betrage 98,7 Millionen Euro nach 54,9 Millionen Euro im Vorjahr. Das sei auch deshalb von Bedeutung, weil die Sparkassen schon jetzt Vorsorge betreiben müssten. Die Basis des Jahresergebnisses der schleswig-holsteinischen Sparkassen sei das sehr gute Kreditgeschäft mit Bauwirtschaft und Mittelstand.

Die Darlehenszusagen wuchsen auf sechs Milliarden Euro, ein Plus von 7,2 Prozent. Darunter stiegen die Zusagen an Firmenkunden um 8,1 Prozent auf vier Milliarden Euro und an Privatpersonen um 17,7 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Die Zusagen bei Baukrediten seien von 2,9 auf 3,2 Milliarden Euro angewachsen.

Die Umsätze im Wertpapiergeschäft seien mit einem Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insbesondere die Verkäufe der Kunden erhöhten sich deutlich. Hier sei ein Anstieg von 17,5 Prozent festgestellt worden. Investmentfonds haben den höchsten Anteil am Gesamtumsatz.

Die Depotbestände nahmen um 299 Millionen Euro zu nach einem Plus von 461 Millionen Euro im Vorjahr. Der Anteil von Aktien und Investmentfonds konnte in den Depots gesteigert werden, festverzinsliche Wertpapiere seien als Anlageform in den Depots stark gesunken.

Beliebt bei Kunden: App und Internet-Filiale

Internet-Filiale und Sparkassen-Apps stiegen weiter an Beliebtheit: „Für die alltäglichen Finanzangelegenheiten nutzt die große Mehrheit der Privat- wie Firmenkunden die Internet-Filiale und die Sparkassen-Apps und das mit steigenden Zuwachsraten“, sagte Boll.

Die Mehrheit der Sparkassenkunden regele Finanzangelegenheit online – Tendenz steigend: Für Schleswig-Holsteins Sparkassen verzeichnet der Verband  7,5 Prozent mehr Online-Konten als 2018. Heute seien 63,4 Prozent der Girokonten Online-Konten.

Das trage auch zum Wandel in der Filialstruktur bei: Es seien Filialstandorte überarbeitet, verlagert und zusammengelegt oder dort, wo unumgänglich, auch geschlossen worden. Im Ergebnis seien die Sparkassen an 381 Standorten mit insgesamt 6800 Mitarbeitern in Schleswig-Holstein und Hamburg präsent.

Gleichwohl sei es gelungen, Kultur,  Sport, Bildung und Wissenschaft, Soziales und Umweltthemen mit insgesamt 18,1 Millionen Euro zu fördern.

Neue Kooperationen unter Regionalverbänden

Der Sparkassenverband Schleswig-Holstein habe mit dem Sparkassenverband Bayern (SVB) und dem Sparkassenverband Niedersachsen (SVN) zwei neue Kooperationspartner gewonnen, die das bisherige Kooperationsmodell mit dem Ostdeutschen Sparkassenverband deutlich erweiterten, erläuterte Boll.

„Dabei profitieren die Sparkassen und der SGVSH vom Leitgedanken, das jeweils federführende Know-how in der Finanzgruppe zu nutzen – Doppelstrukturen werden vermieden. Damit übernehmen wir in der Sparkassen-Finanzgruppe eine Vorreiterrolle“, sagte der Verbandschef.

18. Mai 2020