Anzeige
| 2. S-Hub-Innovationstag

Mit digitalen Produkten schneller am Kunden

Smoove, Fux, Sam, Wishable, Move – auch auf dem zweiten Innovationstag des S-Hub in Hamburg sind neue digitale Services präsentiert worden. Sie sind für Sparkassen wie deren Kunden gleichermaßen interessant. Zudem hat der S-Hub neue Anwendungsfelder fest im Blick: die Entwicklung digitaler Produkte für öffentlich-rechtliche Versicherer.

Anzeige

Der Sparkassen-Hub, das Zukunftslabor der Sparkassen-Finanz­grup­pe, will sich breiter aufstellen. Bislang hat sich die Ein­richtung vor allem auf sparkassennahe Bankdienstleistungen kon­zen­triert. Künftig will sich der „Think Tank“ den öffentlichen-recht­lichen Ver­sicherern öffnen. Das hat Bernd Wittkamp, Chef der zur Finanz Infor­matik gehörenden Firma Star Finanz, bei der der S-Hub angesiedelt ist, deutlich gemacht. Gesprochen wird danach aktuell mit verschiedenen Versicherern, die der S-Hub mit neuen digitalen Produktideen unterstützen könnte. Denn der deutsche Versi­cherungsmarkt hat bei digitalen Anwendungen Nachhol­bedarf. Die vier größten Versicherer aus dem Sparkassenlager haben, wie am Ran­de der Veranstaltung zu hören war, eine gemeinsame Digitalfirma gegründet. Sie könnte nach kartellrechtlicher Genehmigung im Mai an den Start gehen und soll nicht zuletzt den digitalen Kontakt zum Kun­den deutlich verbessern.

Fokussierung auf zehn Ideen

Mit Smoove, Fux, Sam, Wishable standen jedoch vor allem neue und vorhandene Services im Mittelpunkt des Innovationstags am 27. März. Dabei zeigt sich: Der S-Hub hat sich seit seiner Gründung erfolg­reich entwickelt. Von 22 Produktideen sind inzwischen zehn ausgewählt und weiter vorangetrieben worden, hat Wittkamp betont. Wichtig war und ist dabei, dass bei der Entwicklung neuer Apps der direkte Kundennutzen im Vorder­grund steht. Zu einer der Neuentwicklungen zählt die App Smoove, die derzeit bei der Berliner Sparkasse getestet wird. Ziel der Anwendung ist, Wohnungsunternehmen und Mietsuchenden die Vermittlung von geeig­ne­tem Wohnraum in Berlin zu erleichtern. So soll Smoove vor allem Vermietern helfen, alle relevanten Daten des Mieters papierlos zu erfassen und aufzubereiten.

Ob Angaben zur Person oder Kontoinformationen des Mieters – sorgsam achtet die App auf ihrer Benutzeroberfläche darauf, ob die vom Mieter eingegebenen Daten datenschutzkonform sind. Denn die Verwendung persönlicher Angaben der Mietinteressenten unterliegt in Deutschland strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben. Noch nicht konkretisiert worden ist, wie künftig das Geschäftsmodell hinter der App für eine Sparkasse aussehen soll. Doch die Projektverantwortlichen sehen hier mehrere Ansätze: So könnten die Berliner Sparkasse oder andere Institute die App großen Wohnungsunternehmen oder Vermietern zum Kauf gegen Gebühr anbieten. Doch es gibt noch eine weitere Op­tion: Denkbar ist, dass die Sparkassen Smoove vor allem als Kunden­bindungsinstrument einsetzen. So könnten die Institute ihren Kunden die digitale Anwendung entweder kostenlos zur Verfügung oder als Teil­lei­stung im Rahmen von Mehrwertdiensten. Damit würden die Sparkassen für Privatkunden interessanter.

Bevestor mit Interesse an Wertpapier-App Fux

 
Mit der App Fux wollen Sparkassen die hierzulande hohe Zahl von „Aktienmuffeln“ quasi im Vorbeigehen für Investments gewinnen. © S-Hub/redRobin
Deutlich weiter entwickelt worden ist seit dem ersten Innovations­tag im vergangenen Jahr die App Fux. Sie soll Menschen zum eige­nen Aktiensparen animieren. Dazu rundet die digitale Anwendung Zahlungen von Kunden am Point-of-Sale (PoS) – etwa im Hotel, in Restaurants oder sonstigen Geschäften – au­tomatisch auf. Diese kleinen Geldbeträge, die der Privatkunde kaum be­merkt, soll anschließend in eine Aktienanlage fließen. Fast unbemerkt legt der Nutzer so ein klei­nes Wertpapierpolster an.

Erfährt das Depot durch Dividendengut­schriften und Kurssteigerungen zusätzlich einen deutlichen Wertzuwachs, könnte es den App-Nutzer dazu bringen, seine bisherige Abneigung vom Aktiensparen abzulegen. Er legt dann möglicherweise weitere frei verfügbare Geldbeträge in Wertpapiere an und findet somit wieder den Zugang zum Aktienmarkt. Passend zur App-Idee ist ein Werbeslogan entwickelt worden: „Fuxen ist das neue Sparen“. Großes Interesse an der Anwendung hat der Fonds­anbieter Deka, der die Idee langfristig im neuen digitalen Anlageberater Bevestor integrieren könnte. Dessen Projektverantwortliche sind dabei, einen marktreifen Prototyp zu entwickeln sowie eine Machbar­keitsbe­wertung zu erstellen. Eingebunden in das Projekt sind seit Kurz­em auch die Hamburger Sparkasse sowie die Braunschweigische Landessparkasse.

Das Aufrunden von Zahlungen am PoS ist aber nur eine Option der App, Nutzern das Wertpapiersparen schmackhaft zu machen. Statt zu Geburts­tagen oder zu anderen feierlichen Anlässen Gutscheine von Amazon, Apple & Co. für Filme oder Musik zu verschenken, sollen Fux-Nutzer ihren Freunden, Verwandten und Bekannten virtuell und phy­sisch Wertpapiergutscheine in die Hand drücken. Damit senkt die App die Hürde bei den Deutschen, ihr Geld in Aktien anzulegen. Denn die Bundesbürger gehören trotz des Höhenflugs an den Börsen weiterhin zu den größten Aktienmuffeln. So verfügen die Deutschen zwar über ein Sparvermögen von 2,3 Billionen Euro. Statt aber das Geld in gewinnbringende Fonds anzulegen, lassen sie das Ersparte auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten liegen. Dadurch entgehen ihnen den Fux-Machern zufolge jährlich rund 150 Milliarden Euro an Rendite.

Dass die Dekabank mit Bevestor an der Fux-Entwicklung massiv inter­essiert ist, liegt auf der Hand: Das Unternehmen könnte seine Wertpa­piererträge weiter steigern, falls durch die App das Interesse der Bevölkerung an Aktien steigen sollte. Auch die Sparkassen, die den Bevestor zunehmend auf ihren Plattformen integrieren, könnten von dem wachsenden Wertpapiergeschäft profitieren.

Voran geht es auch bei der App mit dem eingängigen Namen: Wishable. Ob neue Waschmaschine oder Zweitwagen – die Anwendung soll Kunden helfen, ihre Konsumwünsche schneller und leichter zu erfüllen. Dazu werden individuelle Sparpläne aufgesetzt. Die Idee dahinter ist einfach: Menschen sparen nicht aus Prinzip, sondern um sich Wünsche zu erfüllen. Von der Braunschweigischen Landessparkasse (BSK), der Sparkasse Paderborn-Detmold und dem Fintech Fino ist die App weiterentwickelt und im vergangenen Jahr bereits von 500 Personen getestet worden.

Mit Tester-App Move Kundenwünsche zeitnah aufspüren

 
Mit Hilfe der Test-Community Move lassen sich S-Hub-Produkte künftig schneller evaluieren. © S-Hub
Eingesetzt hat man dazu ein neues Tool, das der S-Hub selbst kreiert hat: Move. Hinter dem schwungvollen Begriff steht eine einzigartige Tester-Platt­form. Hier sollen Freiwillige feststellen, ob die vom Inno­vation-Hub erdachten neuen Services für die Sparkassen geeignet sind. Zu den Testern gehören Sparkassen-Kunden und technisch-hochaffine Banking-Interessierte. Die Tester-Community soll bis Ende des Jahres auf 1.000 Teilnehmer anwachsen. Dabei können sich die Tester auch untereinander austauschen. Sie sollen sich untereinander über die Anwendungen beraten, um die virtuellen Dienste verbrauchernah zu verbessern.

Bislang ist diese Tester-Plattform ausschließlich vom S-Hub genutzt worden. Das soll sich demnächst ändern und Move künftig allen interes­sierten Sparkassen zur Verfügung stehen. „Mit der Testerplattform Move lassen sich Ideen und Konzepte bis ins kleinste Detail testen und Kunden von Anfang an in die Produktentwicklung einbinden. Sparkassen können so schnell Hypothesen und neue Produktideen gemeinsam mit ihren Kunden verproben“, hat Wittkamp in Hamburg erläutert. Die App hat für die Institute immense Vorteile. Sie könnte auch Produktideen, die sie vielleicht in Eigenregie erdacht haben, von der Move-Community testen lassen.

Auf diese Weise lässt sich für Sparkassen leicht feststellen, ob geplante Neuheiten markttauglich sind. Ist dies der Fall, können die Institute die Produkte zur Marktreife weiterentwickeln. Solche Markttests sind wichtig: Denn durch die Digitalisierung wandeln sich die Kundenbedürfnisse rasant. Dies gilt besonders für die Generation Y und Z, die digitale Produkte schneller als andere Menschen in ihren Alltag integrieren. Will man bei dieser für die Sparkassen wichtigen Zielgruppe am Ball bleiben, müssen die Produkte und Services permanent weiterentwickelt werden. Zudem hilft Move mit seiner Tester-Community, genau den Nerv der Zielgruppe zu erreichen. Damit folgt die App passgenau der Gesetzgebung der Plattform-Ökonomie: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.

Dokumenten-App Sam schafft Ordnung

Zu einer der ersten Apps, die über Move getestet worden sind, gehört der Dienst Sam. Der Deutsche Sparkassenverlag will anhand der Move-Testergebnisse in Kürze entscheiden, ob die Anwendung am Markt eingeführt wird. Dabei trifft die Anwendung genau den Lebensalltag der Deutschen. Dazu gehört, dass viele Menschen ihre Dokumente wild an verschiedenen Orten liegen lassen. Kommt es zu einem Notfall, haben sie jedoch ein Problem. Sie benötigen schnell den Zugriff auf wichtige Papiere wie Patientenverfügungen. Solche und ähnliche lebensrettende Dokumente sollen Nutzer der App schnell hochladen sowie intelligent und sicher verwalten können. Leicht sollen sich darüber auch andere Dokumente elektronisch speichern lassen. Das gilt von der Geburtsur­kunde über den Führerschein bis zu notariellen Kaufverträgen für die eigenen vier Wände.

Die App-Nutzer verfügen über eine Erkennungs-Soft­ware, um alle Verträge einzuscannen und digital zu archivieren. Gleich­zeitig können die Daten aus den Verträgen virtuell erfasst werden. Denkbar ist in einem zweiten Schritt, Schnittstellen zu Partnern der Verträge einzurich­ten. Dadurch sollen den Kunden Mehrwerte angeboten werden, die von den Sparkassen bepreist werden könnten.

Zu einer weiteren App, die vorangetrieben wird, gehört Fina. Wer eine Wohnung oder ein Haus kauft, soll dadurch schneller zu seinem eigenen vier Wänden kommen. In einfachen vier Schritten und innerhalb von 70 Minuten begleitet die App potenzielle Immobilienkäufer dabei – vollständig digital und ohne Medienbrüche – ihre Baufinan­zie­rung auf die Beine zu stellen. Sie liefert potenziellen Hauskäufern unter­schriftsreife Darlehenskonditionen. Das könnte den Immobilienkauf beschleunigen. Denn die Kunden wissen dadurch genau, welche finanzielle Belastungen auf sie zukommen.

Weiter auf der Agenda steht auch die App Bissy, eine Anwendung für kleine Unternehmen und Gewerbetreibende. Sie soll das tägliche Geschäftsleben der Unternehmer besser koordinieren. Von einer gezielten Steuerung der Zah­lungsströme, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, bis hin zu einer besseren Warenlogistik – mit dem neuen Smartphonedienst soll der Fir­menkunde virtuell eine Art täglichen Begleiter in der Hand halten, der ihm dabei hilft, sein „Unternehmen mit 360 Grad im Blick zu behalten“, heißt es. Vor allem bei der Liquiditäts­steuerung soll die Anwendung wertvolle Dienste leisten.

Hat sich der Unternehmer etwa mit dem Kauf eines Geschäftsautos finanziell verhoben, schlägt die App passende Leasingangebote vor. Leicht und unkompliziert zahlt der Kleinunternehmer dann eine monatliche Rate und verkauft das Auto. Die frei werdende Liquidität könnte der Firmeninhaber für eine andere Anschaffung einsetzen, die für den Geschäftsbetrieb strategisch relevanter ist.

Casual Banking fordert Umdenken bei den Sparkassen

 
Die Ergebnisse der Studie „Casual Banking“ von Trendforscher Prof. Dr. Peter Wippermann haben auch für Sparkassen gravierende Auswirkungen. © S-Hub/Twitter
Casual Banking – das ist eine neue Zauberformel im Bankgewerbe. Sie wird die digitale Transformation der Sparkassen komplett auf den Kopf stellen. So müssen die Institute künftig radikal aus der Perspektive des Kunden denken, wenn sie die wichtige Zielgruppe der Generation Y oder Millennials erreichen wollen. Zu diesem Ergebnis kommt der Trendfor­scher Prof. Dr. Peter Wippermann in seiner zweiten Studie, die er für den S-Hub erstellt hat. Sein Trendbüro hat dazu 1.000 Millennials online befragt. Die Erkenntnis: Die Sparkassen dürfen nicht die vorhandenen Angebote in ihren Filialen einfach ins Netz stellen. Sie sollten vielmehr zunächst die Wünsche der Kunden von morgen genau verstehen, um ihnen individuelle Problemlösungen anzubieten. Erst wenn die Sparkassen diese Vorarbeit geleistet haben, sollten sie ein Geschäftsmodell für die neu entwickelten Finanzprodukte schmieden. Hilfreich ist dabei der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Data Analytics. Beide Technologien können Sparkassen unterstützen, die Kundenbedürfnisse der jugendlichen Zielgruppe besser zu erfassen.

Dass Sparkassen und Retail-Banken umdenken müssen, liegt am sich wandelnden Umfeld. Bislang haben die Institute ihre vorhandenen Finanzprodukte nach Möglichkeit in großer Zahl verkauft, so wie andere Unternehmen Kosmetikartikel oder Autos. Das war jedoch die Business-Idee der Industriekultur, für die Digitalisierung ein Fremdwort war. Ihre Berater, so Wippermann, waren häufig mehr Verkäufer als es den Kun­den lieb war. Jetzt hat sich durch den Siegeszug des E-Commerce das Umfeld verändert. Künftig bestellt der Kunde von zu Hause aus – direkt am Laptop oder mobil mit dem Smartphone. Dabei hat der Kunde ge­naue Vorstellungen, was er nachfragt beziehungsweise abnimmt. Das gilt auch für die Bankenwelt. Heute suchen die Kunden weltweit das Web ab, um ihre Produktbedürfnisse zu befrieden.

Was heißt das nun für Sparkassen und Retail-Banken? Sie müssen mit ihren Angeboten viel spezifischer auf die Kundenwünsche eingehen und weniger mit standardisierten Produkten. Und das ist nicht alles, was die Sparkassen bei Produktneuheiten berücksichtigen müssen. Denn durch den wachsenden E-Commerce-Handel zeichnet sich noch eine weitere Entwicklung ab, die das Geschäft massiv verändert: der Direktverkauf oder D2C, also der Verkauf vom Hersteller direkt an den Endrunden. Dabei integrieren die Hersteller in ihren Webshops für Kunden immer stärker geeignete Bezahlmöglichkeiten. Dabei machen Internet-Finanzunternehmen wie Paypal das Begleichen von Rechnungen immer bequemer. Dies bleibt auch für die Sparkassen nicht ohne Konsequen­zen: „Selbst wenn sich das Unternehmen das Geld vom Sparkassen­konto des Kunden holt, verliert die Sparkasse den direkten Kontakt zum Kunden“, fürchten die Studienautoren.

Zudem zeigt sich, dass sich die neuen Dienstleistungen in der Webwelt auch auf das stationäre Geschäft auswirken. So drängen Online-Händler wie Amazon oder Zalando jetzt in den stationären Handel – und dies mit innovativen Ideen, von denen auch die Sparkassen für ihr stationäres Angebot lernen könnten. Ein Beispiel dafür ist Amazon. Ob Drei-Sterne-Restaurants bis zum Vier-Sterne-Metaxa – der Online-Händler hat vor Jahren in seinem Webshop die Kultur der Kundenbewertung etabliert. So können Amazon-Käufer auf dessen Webseite ihre Eindrücke von den Produkten schildern und mit Sternen versehen. Damit weiß der „Daten­jongleur“ Amazon genau, welche Produkte der Kunde bevorzugt. Die nutzt der US-amerikanische Händler für ein stationäres Geschäft, das er gerade in New York eröffnet hat. Dort werden Produkte in bestimmte Kategorien ausgestellt, die von Kunden auf der Webplattform am häufigsten eingekauft worden sind.

Damit hat Amazon wirkungsvoll eine Brücke vom digitalen zum stationären Geschäft geschlagen. Auch der Schuhhändler Zalando, der sich bisher als Online-Händler für Schuhe und Kleidung positioniert hat, tummelt sich jetzt im stationären Geschäft. So verfügt das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr durch die Übernahme der Firma Kickz über ein kleines Filialnetz in Deutschland – mit Standorten von Hamburg über Berlin und Stuttgart bis München. Vordergründig geht es im Online- und stationären Handel darum, ein für Kunden rund um die Uhr geöffnetes, omnipräsentes Kaufangebot zu schaffen. Doch das ist nicht alles: Vielmehr will der Online-Händler – und hier gibt es durchaus Parallelen zu Sparkassen und Barken – Ökosysteme schaffen, in denen Marken mit Kunden, Kunden mit Marken, Kunden mit Produkten kommunizieren. Das alles mit dem Ziel, den jeweiligen Verbrauchern maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten.

In seiner Trendstudie rückt Wippermann daher die Zielgruppe der Millen­nials in den Fokus, was seinen Grund hat. Denn für die Jugendlichen ist ein Leben ohne Smartphone nicht mehr wegzudenken. Sie waren auch die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist und den Boom der mobilen Apps erlebt hat. Sie sind deshalb die Zielgruppe, die die Bankenwelt in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat. Obwohl die Jugendlichen für digitale Produkt- und Serviceangebote offen sind, ist für sie der Umgang mit den neuen Technologien keineswegs bedingungslos. So muss für die Jugendlichen bei den Produkten ein konkreter Mehrwert ersichtlich sein, so Wippermann.

Zugleich müssen die Jugendlichen Vertrauen in die Sicherheit des Angebots haben. Daher hält die Generation Y eine Sparkassen-Filiale in ihrer Nähe immer noch für eine wichtige Anlaufstelle. Grund: Zwar werden digitale Angebote von den Jugendlichen zunehmend genutzt. Dennoch ist Bargeld für die Generation Y immer sehr wichtig, meint Wippermann. Hauptursache dafür ist demzufolge die fehlende digitale Infrastruktur und die damit verbundene Hürde, in Deutschland Mobile Payment nutzen zu können. Auch die Sorge vor einem Crash der Banken verunsichert viele Jugendliche, so das Ergebnis einer Online-Befragung: „Viele Teilnehmer empfinden eine Bankfiliale in ihrer Nähe als wichtig, da sie hiermit eine schnelle Problemlösung assoziieren“, so Wippermann.

Wichtig ist für die Jugendlichen bei Bankgeschäften vor allem Vertrauen – und dies in Person von Bankberatern. „Bei der Beratung wünschen sich die Teilnehmer (Red.: der Online-Befragung) eine Kombination aus digitalen Services und persönlicher Beratung – wobei diese auch digital erfolgen könnte“, wie Wippermann vermutet. Entscheidend für die jungen Menschen ist, dass die digitalen Produkte möglichst einfach zu handha­ben sind. Dabei könnten sprachgestützte Systeme via Alexa (Amazon) oder Home (Google) eine zunehmende Rolle spielen. Denn Voice-Angebote sind für Kunden ideal, um einen schnellen Zugang zu Finanz­produkten zu bekommen. Hilfreich sind dabei auch neue Identi­fizie­rungssysteme durch Bio-IDs wie Touch- oder Face-ID. Sie ersetzen Benutzernamen und Passwörter und „erhöhen so die erlebte Einfachheit in der Kundenbeziehung“, so die Trendstudie.

Vergleichsportale gefragter

Wichtig sind für viele Jugendliche virtuelle Finanzangebote, die nicht nur bequem sind, sondern ihnen auch einen Mehrwert liefern. „Viele Teilnehmer möchten nicht nur hauseigene Versicherungsprodukte, sondern objektive Produktvergleiche und auf sie zugeschnittene, individualisierte Angebote“, heißt es. Besonders gefragt sind bei der Generation Y Online-Vergleichsportale, um sich einen schnellen Überblick über preisgünstige Angebote im Netz zu verschaffen. „Online-Vergleichsportale bringen den meisten Teilnehmern mehr Vertrauen als dem Bankberater entgegen. Es wird die vermeintliche Unabhängigkeit geschätzt“, meinen die Trendforscher. Zudem sind Online-Vergleichs­portale auch in anderen Lebensbereichen bereits en vogue. „Viele Teilnehmer nutzen inzwischen Google nicht mehr als reine Suchma­schine, sondern beginnen, die angezeigte Produktvergleiche direkt in der Ergebnisanzeige zu nutzen und direkt über Google einzelne Produkte zu kaufen“, so Wippermann. Google wird damit immer stärker zum Vergleichsportal.

Zu einem weiteren Erfolgskriterium beim Aufbau digitaler Finanzdienst­leistungen gehört für die Jugendlichen auch Schnelligkeit. Sie würde sich unmittelbar auf die Zufriedenheit der Generation Y auswirken. „One-Click-Shopping und die zunehmende Verbreitung von Chats und Instant-Messaging-Anwendungen haben die Erwartung an die Reaktionszeiten beschleunigt. Viele Teilnehmer wünschen sich innerhalb einer Stunde eine Antwort auf ihr Anliegen oder ihre Frage – und das kanalüber­greifend“, glaubt Wippermann. Wichtig ist der jungen Zielgruppe auch, dass sie gemäß ihrer Lebenssi­tuation und ihres Lifestyles angesprochen werden: „Zu diesem Zweck darf auch Datensammlung und -analyse betrieben werden. Dabei wünschen sich die Teilnehmer Seriosität und Expertise jenseits von Interessenüberschneidungen des Bankberaters.“

Klarer Überblick über eigenen Finanzstatus

Da die Vorgänge in der Finanzwelt immer komplexer werden, wächst bei jungen Leuten auch zunehmend der Wunsch nach Klarheit bei der eige­nen Vermögensanlage. Normal ist es mittlerweile, den Finanzstatus über unterschiedliche Bankkonten jederzeit überprüfen zu können. „Der neue Bank-Service wird zum Budgetmanager des Kunden und ermöglicht das Controlling der persönlichen Ausgaben. Sparzeile können automatisch realisiert und Restsummen angelegt werden“, heißt es in der Studie. Ein weiterer Punkt: Bei der Generation Y steigt das Anspruchsdenken an Finanzdienstleistungen, die Zahlungsbereitschaft sinkt dagegen. „Die meisten Teilnehmer wollen für ihr Konto dauerhaft nichts zahlen, denn Zahlungsbereitschaft entsteht nur dort, wo ein echter Mehrwert wahr­ge­nommen wird“, so die Trendstudie. Hinzu kommt, dass eine transparente und offene Kommunikation als neuer Markenwert wahrgenommen wird. Dies dürfte die Kauf- beziehungsweise die Kundenzufriedenheit der Millennials entscheidend beeinflussen.

Mit der zunehmenden Zahl von Finanzdienstleistern am Markt sinkt aber die Loyalität der Kunden zu den Anbietern. Wer deshalb die jugendliche Zielgruppe als Kunden halten will, sollte laut Wippermann auch eine Art gemeinsame Weltsicht haben: „Für die Gen Y werden die positiven Auswirkungen des Geldes für Klimawandel, soziale Verantwortung oder regionale Entwicklung zu Entscheidungskriterien bei der Wahl eines Finanzinstituts. Ihr persönlicher Lifestyle wird wichtiger als Prestige und Statusgewinn durch Banken.“ Wichtig ist deshalb, dass die Retail-Banken den Kunden auf Augenhöhe begegnen. Sie sollten genau die Ziele und Bedürfnisse ihrer Kunden verstehen. Wippermann: „Rein verkaufsgetriebene Institute werden zunehmend als austauschbar wahrgenommen.“ Damit werden Werte und Haltung bei der Positio­nierung der Banken in der digitalen Transformation immer wichtiger.

Fazit

 
Sparkassen sind mit innovativen Lösungsansätzen mittlerweile schneller am Markt als Fintechs. © S-Hub/Twitter
In der Plattform-Ökonomie gilt eine klare Gesetzgebung: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Mit der Tester-App Move haben die Sparkassen eine große Chance, sich künftig schneller auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Kunden einzustellen. Das gilt vor allem bei den Generationen Y und Z. Der Grund: die Jugendlichen integrieren zwar schnell neue digitale Anwen­dungen in ihren Lebensalltag. Sie sind aber auch ebenso schnell dabei, sich von Produkten abzuwenden, wenn diese nicht mehr ihren Bedürfnissen entsprechen.

Das belegt auch die Trendstudie. Denn Casual Banking ist die neue Strömung im Bankgeschäft. Das heißt: Wer hier Erfolg haben will, muss radikal aus der Sicht des Kunden denken. Mit der Tester-App Move haben die Sparkassen eine gute Möglichkeit, die Bedürfnisse der Kunden direkt und hautnah abzurufen. Sie können diese dann in die Produktgestaltung einfließen lassen. Solche Services des S-Hub belegen einmal mehr: Die Sparkassen sind mit innovativen Lösungs­ansätzen schneller als jedes Fintech und damit direkter am Puls der Kunden.

Doch der Hamburger Innovationstag hat noch eine weitere Erkenntnis gebracht: In der fragmentierten Bankenwelt sind für die Kunden traditionelle Werte gefragt. Dazu zählen Sicherheit, Vertrauen und Transparenz. Sie sind für die junge Generation eine wichtige Orientierung bei der Wahl ihres Finanzanbieters. Da haben die Sparkassen einen klaren Vorsprung. Denn solche Werte gehören zur DNA der Sparkassen.

Autor
Gregory Lipinski ist freier Journalist in Hamburg.