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| Start-ups | mit Tipps

Mit Frischzellenkur ins digitale Zeitalter

Für KMU können sich Kooperationen mit Start-ups rechnen. Junge Unternehmen sind flexibel, schnell und agieren weniger hierarchisch. Mitarbeiter arbeiten weitgehend selbstorganisiert und denken digital. Sparkassen sollten diesen Trend unterstützen.

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Corporate Venture Capital (CVC) ist bereits integraler Bestandteil der Innovationsstrategie vieler deutscher Großkonzerne. Durch eigene CVC-Gesellschaften investieren diese Unternehmen gezielt in Start-ups und somit in Geschäftsmodelle und Technologien der Zukunft. Nicht immer ist jedoch gleich eine eigene CVC-Einheit nötig.

Durch enge strategische Kooperationen und Partnerschaften zwischen etablierten und jungen Unternehmen können CVC-Aktivitäten agil gestartet werden. So gewinnt das Thema Corporate Venture Capital zunehmend an Aufmerksamkeit bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Immer mehr mittelständische Unternehmen suchen nach Investitionschancen in Start-ups, indem Corporate Venture Capital bereitgestellt wird. Dabei sind die Unternehmen mehr als nur Kapitalgeber. Dem Start-up werden oftmals Zugänge zu Märkten und Kunden sowie operative Ressourcen zur Verfügung gestellt.

Im Gegenzug erhält der Mittelständler Unternehmensanteile am Start-up. In Deutschland besteht eine zunehmende Bereitschaft, über ein solches Investment-Modell das eigene etablierte Unternehmen durch frische Ideenimpulse und neue Technologien von außen nachhaltig zu stärken.

Grundlage, um im Corporate Venturing aktiv zu werden, ist ein klares strategisches Ziel hinsichtlich der gemeinsamen Zusammenarbeit zwischen Mittelständler und Start-up sowie ein persönliches Commitment der Geschäftsführung, sich dieses Projekts anzunehmen.

Spricht man mit mittelständischen Geschäftsführern, so findet das Thema Corporate Venture Capital Anklang und Interesse. Oft bleibt ein mögliches Engagement jedoch ein theoretisches Gedankenspiel, das nicht umgesetzt wird. Da die Zeit fehlt, sich des Vorhabens selbst anzunehmen, und ein Netzwerk zur „Start-up-Welt“ meist nicht vorhanden ist, scheint der Zugang mühsam und langwierig.

Diese Bedenken sind durchaus berechtigt, jedoch können auf Beteiligungsmanagement durch Corporate Venture Capital spezialisierte Finanzdienstleister den Prozess unterstützen. Sie können zum Bindeglied zwischen Mittelstand und Start-up werden und einen sofortigen Zugang zu dieser für die Führungsebene mittelständischer Unternehmen oftmals neuen Welt vermitteln.

Bei folgenden Themen werden mittelständische Unternehmen von spezialisierten Finanzdienstleistern im Bereich CVC unterstützt:
  • Definition eines Anforderungsprofils des Mittelständlers (passende Start-ups auf Basis der künftigen Innovationsstrategie)
  • Suche nach zur strategischen Ausrichtung passenden Start-ups
  • Due Diligence („Prüfung“ eines Start-ups)
  • Finanzplanung und Start-up-Bewertung
  • Erstellung eines Term Sheets (Rahmenbedingungen einer möglichen Investition mit entsprechendem Vertragswerk)
  • Begleitung von Verhandlungen mit letztendlicher Investitionsentscheidung
  • Integration der Aktivitäten beider Unternehmen in strategische Gesamtausrichtung.
Kommt ein Deal, also ein Investment in ein Start-up, zustande so erhält der im Prozess begleitende Finanzdienstleister eine „Fee“ (Management-Gebühr) auf Basis des investierten Kapitals. Sogenannte „Tickets“, also die Höhe des zur Verfügung gestellten Kapitals vom Mittelständler, beginnen in einer frühen Investitionsphase bereits zwischen 50.000 und 500.000 Euro – je nach Intensität des Start-up-Kapitalbedarfs.

Das sogenannte „Scouting“ – das Suchen von Start-ups durch den Finanzdienstleister – verursacht meist keine oder nur sehr geringe Kosten. Somit ist es auch im Interesse des begleitenden Finanzdienstleisters, eine sorgfältige Prüfung des zum mittelständischen Unternehmen passenden Start-ups durchzuführen.

Sieben Tipps für erfolgreiches CVC-Investment

Auch wenn das Thema Corporate Venture Capital für den Großteil mittelständischer Unternehmen Neuland ist, eröffnet es zahlreiche Chancen. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass ein Engagement mit Risiken verbunden ist. Daher ist es hilfreich, folgende Regeln zu beachten, damit die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen CVC-Investments erhöht wird.

1. Chefsache
Das Thema Corporate Venture Capital ist klare Chefsache. Die Geschäftsführung muss Teil des Investment-Teams sein und sich dieses Projekt in der Führung selbst annehmen. Die Investition in ein Start-up stellt dabei nur die Spitze eines Eisbergs dar. Entscheidend sind anschließend das persönliche Engagement bei wichtigen Fragestellungen sowie der regelmäßige Informationsaustausch über die operative Entwicklung des Start-ups. Wenn nicht sichergestellt werden kann, dass die Geschäftsführung nah genug als Verbindung zwischen Start-up und eigenem Unternehmen agiert – aufgrund mangelnder Zeit durch andere Aktivitäten – steht der Erfolg der Investition von Anfang an auf wackligen Füßen.

2. Klare Strategie
Das mittelständische Unternehmen sollte mit der Entscheidung, in ein Start-up zu investieren, ein klares strategisches Ziel verfolgen, bei dem etabliertes und junges Unternehmen voneinander profitieren können. Die Entscheidung sollte nicht von rein finanziellen Interessen getrieben sein. Idealerweise kann das mittelständische Unternehmen dem Start-up sofort Zugänge zu vorhandenen Märkten und Kunden verschaffen und beide Seiten gegenseitig von Know-how sowie Forschung und Entwicklung profitieren.

3. Start-ups finden
Nachdem intern die grundsätzlichen Voraussetzungen für das Bereitstellen von Corporate Venture Capital geklärt sind, ist die Basis für ein erstes Sichten spannender Start-ups gelegt. Den Geschäftsführern im Mittelstand fehlen oftmals das Netzwerk und der Zugang zu jungen Unternehmen. Dabei können Finanzdienstleister helfen, die diesen Prozess begleiten. Für eine Prüfung, ob beide Unternehmen vom Geschäftsmodell und jeweiligen Team her zueinander passen, sollte sich Zeit genommen werden. Schnell verfällt man in Euphorie und lässt sich zu einer Entscheidung verleiten.

4. Mitarbeiter informieren
Sobald das Investment erfolgt ist, sollte die Entscheidung intern bekannt gemacht werden. Vor allem im mittelständischen Unternehmen ist es sinnvoll, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Potenziale des Start-up-Investments und die damit verbundenen Ziele zu informieren. Dabei geht es jedoch nicht um jedes Detail, sondern hauptsächlich darum, die Vorteile dieser Entscheidung zu verstehen. Des Weiteren ist es hilfreich, entsprechende Auswirkungen auf das Bestandsgeschäft zu klären, um Mitarbeitern mögliche Bedenken zu nehmen.

Von entscheidender Bedeutung ist ferner, dass die Mitarbeiter sich weiterhin als ein Unternehmen sehen und auch so fühlen. Es dürfen keine Inseln innerhalb des Unternehmens und ein „Wir“ gegen „Die“ entstehen. Klare Kommunikation über die regelmäßige Entwicklung der gemeinsamen Zusammenarbeit ist integraler Bestandteil der Unternehmenskommunikation und -kultur. Informieren schafft Vertrauen. Die Wahrnehmung der eigenen Mitarbeiter darf nicht unterschätzt werden – Transparenz ist wichtig.

5. Zwei Unternehmen – ein Team
Zielführend für einen regelmäßigen Austausch über die Entwicklung der Zusammenarbeit könnte ein Team in Form eines Beirats sein. Dieser besteht aus Mitarbeitern beider Unternehmen – unabhängig davon, ob das Start-up-Team am Standort des Mittelständlers angesiedelt ist oder nicht. Ist dies nicht der Fall, sollte es ein gegenseitiges Kennenlernen und einen regelmäßigen Austausch unter den Mitarbeitern beider Unternehmen geben. Das gegenseitige Verständnis steigert die Akzeptanz und ist eine der wichtigsten Voraussetzungen einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Dabei können die Mitarbeiter im Beirat selbstverständlich ihrer täglichen Arbeit weiterhin nachgehen, dennoch muss diese zusätzliche Aufgabe, Teil des „Projektteams Start-up“ zu sein, klar definiert und mit Zielen vereinbart werden. Ein solcher Beirat sollte aus nicht mehr als sieben Mitarbeitern bestehen, worin jeweils ein Mitglied der Geschäftsführung (Mittelständler und Start-up) vertreten sein sollte. Durch die kompakte Größe des Teams bleibt die Dynamik erhalten.

6. Meilensteine
Definieren von klaren Zielen ist in der Zusammenarbeit zwischen mittelständischem Unternehmen und Start-up von grundlegender Bedeutung. Wird eine Geschäftsentwicklung betrachtet und bewertet, kommen immer Emotionen mit ins Spiel – was bei jedem neuen Projekt verständlich ist. Jedoch sollte sie rationalen Entscheidungen nicht im Weg stehen. Meilensteine auf Basis eines definierten Budgets helfen stets, einen Grad an Neutralität beizubehalten.

Zugleich sollte ein Zeitraum für das Erreichen der angestrebten Ziele definiert werden, der realistisch erscheint, um die Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen gedeihen zu lassen. Vor allem in den ersten Jahren sollte allen Beteiligten bewusst sein, dass ein Start-up rote Zahlen schreiben kann. Dies gilt es unter Berücksichtigung der zugrunde liegenden Meilensteine zu akzeptieren, um nicht in Aktionismus zu verfallen. Mit einer strukturierten Vorgehensweise und regelmäßigem Controlling hat man die Entwicklung stets im Blick. Dennoch gilt: „If you fail, fail fast“ („wenn Sie scheitern, scheitern Sie schnell“).

7. Unternehmenskultur
Start-ups gelten oft als cool, innovativ und super dynamisch, wogegen Mittelständler eher als traditionell und „old school“ erscheinen. So pauschal, wie es oftmals mit Schlagwörtern festgehalten wird, ist es allemal nicht. Vielmehr hat jedes Unternehmen seine eigene Kultur, die es jedoch auch im entsprechenden Umfeld benötigt. Die eigene Unternehmenskultur wird man als Mittelständler nach mehreren Jahrzehnten nicht so schnell ändern und muss dies auch nicht.

Nicht jedes Unternehmen braucht ein Büro mit Loft-Charakter, flexiblen Arbeitsplätzen und dem obligatorischen Bürohund. Die Mitarbeiter müssen sich wohl fühlen und Spaß an ihrer Arbeit haben. Die möglicherweise unterschiedlichen Unternehmenskulturen sollten nicht aus Zwang vereinheitlicht werden. Eine insgesamt neue und eventuell frische Kultur sollte aus der Art und Weise, wie die Geschäftsführung die neue Ausrichtung „Mittelstand meets Start-up“ lebt, resultieren. Diese wird weniger geprägt von Lederschuh oder Sneaker, Anzug oder T-Shirt, sondern vielmehr durch den Umgang im täglichen Miteinander. Eine solche zunächst „hybride Kultur“ zwischen Etabliert und Jung wird sich über die Jahre formen und die gesamte Unternehmenskultur in die angestrebte Richtung wandeln.

Fazit

Ob Corporate Venture Capital ein spannendes und näher zu betrachtendes Thema ist, kann letztendlich nur jedes Unternehmen selbst entscheiden. Es ist zu prüfen, ob die skizzierten Regeln abgebildet werden können und eine Investition im Bereich Corporate Venture Capital als sinnvoll im Rahmen der strategischen Ausrichtung und Innovationsstrategie erscheint. Nachfolgende Punkte sind zu beachten:
  1. Die Bereitschaft für ein Engagement von mittelständischen Unternehmen an strategischen Beteiligungen in Start-ups gewinnt zunehmend an Bedeutung.
  2. Start-ups werden neben Kapital oftmals direkte Zugänge zu Märkten und Kunden sowie zu Forschung & Entwicklung und operativen Ressourcen zur Verfügung gestellt.
  3. Für mittelständische Unternehmen kann ein strategisches Investment in ein geeignetes Start-up wie eine Frischzellenkur ins digitale Zeitalter sein.
  4. Aufgrund der oftmals fehlenden Zeit sowie des nur gering vorhandenen Netzwerks zur „Start-up-Welt“ scheinen der Zugang von Mittelständlern zu Start-ups und somit die Suche nach neuen und innovativen Ideen mühsam und langwierig.
  5. Spezialisierte Finanzdienstleister im Bereich Corporate Venture Capital können als Begleiter bei der Suche nach einem Start-up unterstützen und die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Start-up zu finden, erhöhen.

Autor
Simon Cordes ist Mitarbeiter des Instituts für Wirtschaftsberatung Niggemann & Partner (IfW) in Meinerzhagen.